Gemeinsam forschen, getrennt verkaufen
Bei Forschung und Entwicklung arbeiten in der Autoindustrie auch Konkurrenten zusammen. Das zeigt das Beispiel der Firma inpro
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Talentschmiede: Bei inpro arbeiten zurzeit rund 30 Werkstudenten an ihren wissenschaftlichen Arbeiten. Links: Geschäftsführer Gerd Eßer
Foto:PROMO |
Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl und der Regierende Bürgermeister Richard von Weizsäcker gehörten zu den Initiatoren der Firma. Sie wurde 1983 gegründet, mit dem Ziel, als Think Tank der deutschen Fahrzeugindustrie Innovationen auf den Weg zu bringen und die Konkurrenzfähigkeit zu stärken. Denn auch, wenn es damals noch nicht Globalisierung hieß: internationalen Wettbewerb gab es da schon.
Der hat seitdem nicht abgenommen: „Für Unternehmen wird es immer wichtiger, zu kooperieren, um produktionstechnische Innovationen zu schaffen“, sagt Gerd Eßer, Geschäftsführer der inpro. Gesellschafter des Think Tanks sind Automobilfirmen und Hersteller von Produktionsanlagen, die hier kooperieren, obwohl sie zum Teil anderswo im Wettbewerb stehen: Daimler, Volkswagen, ThyssenKrupp Technologies, BASF Coatings, Siemens. Auch das Land Berlin hält einen Anteil an der inpro.
Die konkurrierenden Autohersteller haben oft die gleichen Wünsche an Produktionsverfahren, fast alle kaufen bei den gleichen Maschinenbauern ein. Die Produktionsanlagen unterscheiden sich in den einzelnen Werken nur geringfügig. Deshalb ist es sinnvoll, bei der Technologieentwicklung auch eng mit den Anlagenherstellern zusammen zu arbeiten. So können neue Verfahren effizient entwickelt und Kosten gesenkt werden.
Bereits in den 80er Jahren brachte die inpro das damals neuartige Laserschweißen mit auf den Weg. Zuletzt wurden Simulationswerkzeuge entwickelt, mit denen sich kostengünstig Produktionsabläufe durchspielen lassen. Wenn abschätzbar ist, welche Verfahren das Potenzial zur industriellen Serienfertigung haben, steigen die Partner im Entwicklungsnetzwerk mit ein.
Auch Berliner Mittelständler profitieren dann von Aufträgen, etwa das Software-Unternehmen dörbandtIT. „Das große Plus von inpro ist, dass sie die zum Teil gegensätzlichen Interessen an einen Tisch bringen und sich dann für alle Beteiligten eine win-win-Situa-tion ergibt“, sagt Geschäftsführer Mark Dörbandt.
Auch mit Forschungseinrichtungen wie dem Fraunhofer-Institut arbeitet inpro eng zusammen. Studenten der Technischen Universität schreiben hier ihre Diplomarbeiten und Werksstudenten arbeiten bei allen Projekten mit. Zum 25-jährigen Jubiläum findet am ersten September eine Konferenz zum Thema „Automobilproduktion und Zukunft“ in der Akademie der Wissenschaften statt. Informationen unter: www.inpro25.de
Diana Widmann
Aus der Ausgabe 7/2008
