Schönefeld-Anbindung
Anschluss für den Osten
Durch die A 113 rückt der Flughafen näher an die City. Doch im Berliner Osten fordern Firmen eine bessere Schönefeld-Anbindung
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Schnelle Verbindung: Die TVO soll von Biesdorf bis zum Adlergestell gehen.
Fotot: PROMO |
Die TVO ist ein Projekt zur Errichtung einer vierspurigen Stadtschnellstraße durch den Berliner Osten. Sie soll den nördlichen Berliner Ring über die B 158 mit der A 113 im Süden verbinden. Sie soll das Stadtstraßennetz von Durchgangsverkehr entlasten. Für Unternehmen aber steht die Anbindung an die Autobahn im Vordergrund und natürlich die Zufahrt zum Flughafen Berlin Brandenburg International.
Die Gewinner des Flughafenausbaus sind
die Standorte entlang der Stadtautobahnen
Die TVO wurde schon zu DDR-Zeiten angedacht, aber bis heute nur in Abschnitten verwirklicht (siehe Karte). Während der Verkehr von der Wuhlheide bis zur Glienicker Straße mittlerweile vierspurig rollt, bleibt der Glienicker Weg ein Nadelöhr. Er soll bis 2010 vom Bezirk Treptow-Köpenick bis zur Ausfallstraße Adlergestell ebenfalls vierspurig ausgebaut werden. Der südliche Teil der TVO wäre dann rechtzeitig zur Flughafeneröffnung fertig. Doch der nördliche Anschluss bis zur B 158 fehlt dann noch.
„Im Vorfeld der Fertigstellung des BBI treffen viele Investoren ihre Standortentscheidung im Umfeld des Flughafens“, sagt Jörg Hoppe, Vorstandsvorsitzender des Wirtschaftskreises Hohenschönhausen-Lichtenberg. „Wird die TVO erst im Jahr 2020 fertiggestellt, sind die Ansiedlungen längst geschehen.“
Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf teilen sich Berlins größtes zusammenhängendes Gewerbegebiet, von den Vermarktern Berlin eastside genannt. Es umfasst rund 900 Hektar zwischen Wolfener Straße im Nordosten und Herzbergstraße im Südwesten. Die B 158 verbindet das Gewerbeband mit dem nördlichen Berliner Ring, die südliche Verlängerung via TVO Richtung Flughafen würde das Gebiet für Investoren noch attraktiver machen. Jörg Hoppe warnt: „Wird die TVO nicht bald gebaut, ist das ein Entwicklungshemmnis für den Standort.“
Einige Gewinner des Flughafenausbaus stehen schon fest. Neben den angrenzenden Brandenburger Gemeinden sind dies vor allem Standorte entlang der Stadtautobahnen. Die erste Ausfahrt der A 113 vom BBI ins Stadtzentrum führt zum Technologiepark Adlershof, der ohnehin boomt und nun noch attraktiver wird. Auch Oberschöneweide, das nach der Wende einen herben Niedergang erlebte, könnte vom Flughafenbau profitieren. Weiter Richtung City hofft Friedrichshain-Kreuzberg auf Neuansiedlungen entlang des Spreeufers.
„Unter ansonsten gleichen Bedingungen kann die Verkehrsanbindung ausschlaggebend für eine Ansiedlung sein“, sagt Christian Plesser, Vorstand der Inventux AG. Der Solarmodulhersteller hat sich 2007 in Marzahn angesiedelt. „Für uns war die Flughafenanbindung kein entscheidendes Kriterium, sonst hätten wir einen anderen Standort wählen müssen. Bis Schönefeld fährt man von hier ziemlich lange.“
„Gerade für die Logistik-Branche ist eine gute Anbindung an Autobahn und Flughafen entscheidend“, sagt Alexander Seyferth, Mitglied der Geschäftsleitung der Pin AG in Berlin. Der Postkonkurrent hat seine Zentrale in der Landsberger Straße. „Für Logistiker lohnt es sich nur wegen des Einzugspersonals potenzieller Mitarbeiter nach Berlin zu gehen, ansonsten spricht viel für Brandenburg“, betont Seyferth. Wenn die Stadt nicht viele BBI-Investoren verlieren wolle, müsste sie Verkehrsprojekten wie der TVO hohe Priorität einräumen.
Die Unternehmer im Osten der Stadt haben die Hoffnung nicht aufgegeben, dass die TVO noch kommt. Gemeinsam wollen sich die Wirtschaftskreise von Marzahn-Hellersdorf, Hohenschönhausen-Lichtenberg und Treptow-Köpenick beim Senat dafür einsetzen. Stadtentwicklungssenatorin Junge-Reyer (SPD) will die Wirtschaftlichkeit der TVO in einer Studie nochmals überprüfen lassen.
Alexander Visser
Pin Mail Berlin AG
Vorstand: Axel Stirl
Mitglied der Geschäftsleitung: Alexander Seyferth
Adresse: Landsbergerstr. 267
Umsatz: k. A.
Mitarbeiter: 1200
Telefon: 030 / 577 97 80
Web: www.pin-group.net
Aus der Ausgabe 5 / 2008

