Flughäfen

Aus dem Gau lernen

Als in Heathrow die neue Gepäckförderanlage versagte, brach der Flugverkehr zusammen. In Berlin will man alles besser machen
Schönefeld: Vom Bahnhof müssen Fluggäste ihr Gepäck zurzeit selbst schleppen. Foto: Mike Wolff

Schon jetzt haben die Vorarbeiten für den Bau der Gepäckförderanlage des neuen Flughafens Berlin Brandenburg International (BBI) in Schönefeld begonnen. Sie ist die Lebensader eines jeden Abfertigungsgebäudes, ohne die nichts läuft. Das zeigte sich im März in London, wo der Verkehr zusammenbrach, als das System bei der Eröffnung des neuen Terminal fünf am Heathrow-Airport versagte. Bei der Ausschreibung in Berlin setzte sich mit Vanderlande der gleiche Hersteller durch.
„Die Probleme in London lagen nicht an unserem System“, sagt Frauke Luise Küsgen, Sprecherin der deutschen Niederlassung von Vanderlande Industries. Die holländische Firma hat bereits Flughäfen von Amsterdam über Hongkong bis Zürich ausgestattet. Zum Mega-Gau in Heathrow darf man sich auf Geheiß des dortigen Auftraggebers nicht äußern. In Luftfahrt-Kreisen heißt es, dass es eine Reihe von Fehlern auf Seiten des Airportbetreibers gab.

Die Probleme in London lagen nicht an unserem System

Für die Berliner Flughäfen sind die Pannen in London „ein gutes Lernbeispiel“, sagt deren Sprecher Ralf Kunkel. „Die Fehler, die dort gemacht wurden, müssen wir nicht ein zweites Mal machen.“ Eine rund 50-köpfige Arbeitsgruppe wird bereits rund zwei Jahre vor der für Ende 2011 geplanten Eröffnung mit der Vorbereitung der Inbetriebnahme des BBI beginnen. Sie steht nicht nur mit den Kollegen in Heathrow in Kontakt, sondern lässt sich auch vom Münchner Flughafen beraten, der seinen Betrieb 1992 über Nacht von Riem zum neuen Airport vor den Toren der Stadt verlegte.
Der Einbau des Gepäcksystems beginnt 2010, erste Probeläufe sind im Frühjahr 2011 vorgesehen. Für die Bühnenkonstruktion werden rund 650 Tonnen Stahl benötigt. Das System ist erweiterbar und hat eine Anfangsleistung von 10 000 Gepäckstücken pro Stunde. Das entspricht einem Aufkommen von 22 bis 25 Millionen Jahrespassagieren,
dass der BBI bei seiner Eröffnung voraussichtlich bereits erreicht haben wird.

Der neue Flughafen wird zunächst über 112 Abfertigungsschalter verfügen, die in sechs sogenannten Inseln angeordnet werden, die jeweils mit dem computergesteuerten Gepäckfördersystem verbunden sind. Von dort aus werden die Koffer und Taschen zunächst durch eine mehrstufige Röntgenkontrollanlage geleitet. Hier werden alle Gepäckstücke auf verdächtige Inhalte überprüft und, wenn eine automatische Klärung nicht möglich ist, einer manuellen Untersuchung zugeführt.
Anschließend wird das Gepäck über zwei sogenannte Kippschalensorter auf Rundläufe sortiert. Dann geht es entweder direkt zu den Verladepositionen für die jeweiligen Flüge oder bei zeitiger Anlieferung auf sogenannte Frühgepäckspeicherbahnen. Welcher Koffer in dem insgesamt 7,7 Kilometer langen Netz von Förderbändern wohin muss, erkennt das System an den Strichcodes auf den Gepäckanhängern der Airlines. Die durchschnittliche Durchlaufzeit beträgt acht Minuten. Die Koffer und Taschen ankommender Fluggäste werden ebenfalls sortiert und zur Ausgabe an einen der insgesamt acht Ankunftsrundläufe geschickt.
Zu den Kosten der Anlage will man sich nicht äußern. Zwar setzten die Berliner Flughäfen auf Transparenz beim Vergabeverfahren. Doch nachdem man den Terminalbau in sieben Einzellosen neu ausschreibt, weil die Kosten bei der Gesamtvergabe zu explodieren drohten, hält man sich bedeckt. Bieter für künftige Lose sollen keine Rückschlüsse darauf ziehen können, wie viel Geld noch übrig ist. Das von der Kapazität her vergleichbare System am Flughafen Düsseldorf kostete 50 Millionen Euro.

Berliner und Brandenburger Firmen können an dem Auftrag partizipieren, denn Vanderlande will auch regionale Subunternehmer einspannen. Welche Branchen hier eine Chance haben, steht allerdings erst nach Abschluss der Planung im kommenden Frühjahr fest.
Mit 1,13 Milliarden Euro ist bisher die Hälfte des Investitionsvolumens für den BBI vergeben worden, so Sprecher Kunkel. Mit 800 Millionen Euro seien davon gut zwei Drittel in der Region geblieben. 226 der 280 Aufträge seien an Firmen aus der Region gegangen. „Unser Mittelstandskonzept greift und ist sehr erfolgreich“, sagt Kunkel.

Rainer W. During


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Aus der Ausgabe 8 / 2008

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