Geteilte Garage
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Abholen, fahren, wieder abgeben: Carsharing-Auto der Deutschen Bahn
Foto: dpa |
Peter Tamms braucht kein Auto. Nicht als Privatmann, nicht als Chef der Dienstleistungsfirma Pro Compare GmbH und auch nicht als freiberuflicher Finanzberater. Wenn der Berliner einen Kunden besuchen muss, wie letztes Wochenende, als er in Hamburg einen Termin hatte, dann fährt er mit einem Opel Corsa des Carsharing-Anbieters „Stadtmobil“ vor. „Carsharing ist günstiger als ein eigenes Auto zu unterhalten“, sagt Tamms – und macht eine Rechnung auf: Für eine 1000 Kilometer lange Fahrt zahle er insgesamt 234 Euro, so der Diplom-Ingenieur. Verglichen mit den reinen Benzinkosten ist das zwar viel. Kalkuliert man jedoch den Wertverlust des Wagens, ferner Reparaturen, Inspektionen und neue Reifen sowie Fixkosten für Steuer, Versicherung und TÜV ein, kommt Tamms recht günstig weg – zumal seine Fixkosten mit 60 Euro Mitgliedsgebühr pro Jahr verschwindend gering sind. „Bis 10 000 Kilometer Fahrleistung im Jahr ist Carsharing günstiger als ein eigenes Auto“, bestätigt Reemt Abelbeck, Geschäftsführer der Cambio Berlin Car Sharing.
Die Zahl der gewerblichen Carsharingnutzer steigt ständig. Fast jeder vierte Kunde sei ein Businesskunde, sagt Dirk Bake vom Bundesverband Car Sharing. Bei deutschlandweit 116 000 Nutzern (Stand Januar 2008) sind das immerhin knapp 29 000. Tendenz steigend. Andreas Knie, Professor am Wissenschaftszentrum Berlin, ist davon überzeugt, dass die Zahl der Carsharing-Nutzer und damit auch die Zahl der gewerblichen Kunden in Zukunft deutlich steigen wird. „Carsharing ist ein dynamisch wachsender Markt, da ist noch viel Luft nach oben“, sagt der Mobilitätsforscher. Ein Grund dafür seien die hohen Spritkosten. Außerdem sei Carsharing heute viel leichter und bequemer handhabbar als früher.
Bis 10 000 Kilometer Fahrleistung im Jahr ist Carsharing günstiger als ein eigenes Auto
Dass immer mehr Unternehmer auf Wagen aus fremden Beständen zurückgreifen, liegt laut Knie außerdem an deren „Affinität zu Poolfahrzeugen“. Mit Carsharing habe man statt einer realen eben eine „virtuelle Flotte“, so Knie – „mit dem Vorteil, dass man nur zahlt, was man auch braucht“. Damit sei Carsharing nicht nur ein flexibles Instrument, sondern vor allem enorm günstig. „Mit Carsharing kann ein Unternehmen bis zu 30 Prozent seiner Kosten einsparen“, sagt Knie. Insbesondere Firmen, die ihre eigenen Autos nur selten nutzen und wenige Kilometer im Jahr fahren, realisieren hohe Ersparnisse. Das gleiche gilt für Unternehmen, die hohe Mietkosten für ihre Kfz-Stellplätze berappen müssen. Interessant ist Charsharing allerdings auch in Kombination mit einer eigenen Flotte: Hier hält man nur wenige eigene Autos vor und greift bei Kapazitätsengpässen auf einen „Leih“-Wagen zurück.
Damit Carsharing für Unternehmen attraktiv ist, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein: Erstens muss der Unternehmer sicher gehen können, dass zum gewünschten Zeitpunkt definitiv ein Fahrzeug vorhanden ist. Zweitens sollte die Station, an der die Autos abgeholt und später wieder abgestellt werden, vom Firmensitz aus schnell zu Fuß erreichbar sein. Genau daran hapert es in manchen Stadtteilen noch, vor allem in den Randlagen ist die Standortdichte der Carsharinganbieter dünn.
Adresse: Schloßstraße 25,
12163 Berlin
Umsatz: k.A.
Mitarbeiter: 4
Telefon: 030 / 70 09 65 98
Web: www.procompare.de
Allerdings werden fast wöchentlich neue Stationen eröffnet. Nicht nur die großen, etablierten Anbieter wie Greenwheels (früher Statt Auto) expandieren. Innerhalb der letzten Monate haben sich gleich mehrere neue Anbieter in Berlin niedergelassen: Seit 2007 ist das Unternehmen Stadtmobil in Berlin vertreten, seit diesem Jahr außerdem Cambio. Im Juni 2008 ist der Autovermieter Sixt mit einem Carsharingangebot, dem „Sixti Car Club“, in Berlin gestartet. Alle drei expandieren kontinuierlich und planen, Flotten und Standorte künftig weiter auszubauen. „Wir wollen die Zahl der Fahrzeuge von derzeit 23 bis Ende 2009 auf 50 ausweiten“, sagt Stadtmobil-Geschäftsführer Martin Stutzbach. Statt bisher zehn sollen dann 20 Stationen zur Verfügung stehen.
Ab dem nächsten Frühjar will auch der Automobilkonzern Daimler in das Geschäft einsteigen, wenn auch zunächst nicht in Berlin. Die Deutsche Bahn hat schon längst eine Carsharingsparte. 2009 führt der Konzern zusätzlich „Flinkster“ ein: Autos, die nicht an nur an zentralen Sammelstellen, sondern in der ganzen Stadt verteilt stehen, ähnlich dem erfolgreichen Call-A-Bike-Prinzip.
Unternehmern kann der zunehmende Wettbewerb und die steigende Dichte der Abholstationen nur recht sein. Allerdings müssen sie mitunter gar nicht warten, bis ein Anbieter einen neuen Standort eröffnet. Wer dauerhaft mehrere Fahrzeuge benötigt, sollte sich an einen Anbieter wenden, rät Professor Knie. Wittert der ein gutes Geschäft, stehen die Chancen gut, dass er ganz in der Nähe der Firma eine Station eröffnen wird.
Sabine Hölper
Aus der Ausgabe 10 / 2008
