Aufeinander eingetaktet
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Jeder Handgriff muss sitzen: Schon vor der Landung stehen Mitarbeiter bereit, um das Flugzeug in Empfang zu nehmen. Foto: Günter Wicker/ Photur |
Jeder, der schon mal geflogen ist, kennt das Ritual beim Anflug auf den Flughafen: Druck auf den Ohren, ein mulmiges Gefühl im Magen gefolgt vom ruckartigen Aufsetzen auf der Landebahn. Doch während die Fluggäste noch erleichtert in die Hände klatschen, beginnt am Boden schon der Einsatz des Abfertigungspersonals.
Damit das Be- und Entladen, Putzen und Tanken so schnell wie möglich abläuft, kümmern sich spezialisierte Dienstleistungsunternehmen um den „Ramp Service“ am Boden. Das größte Serviceunternehmen in Berlin für die Bodenabfertigung ist die GlobeGround Berlin, die 1800 Mitarbeiter an den Flughäfen Tegel und Schönefeld beschäftigt.
Die Abfertigung auf dem Rollfeld erfordert größte Feinabstimmung: Zwischen 30 und 40 Minuten hat das Personal Zeit, eine Maschine startklar zu machen. Manche Low-Cost-Fluggesellschaften haben dafür sogar nur 20 Minuten vorgesehen. Ein Flugzeug am Boden kostet die Airlines Geld – deshalb ist von der bis zu zwölfköpfigen Bodencrew größtmögliche Routine gefragt. „Bei uns müssen alle aufeinander eingetaktet sein“, sagt Norbert Klinghardt, Geschäftsführer der GlobeGround Berlin.
Kontrolle ist wichtig, damit es nicht zu Verspätungen im straffen Zeitplan kommt
Auch die Abfertigung eines Airbus der irischen Fluggesellschaft Aer Lingus in Schönefeld wirkt wie eine jahrelang einstudierte logistische Choreografie. Schon vor der Landung stehen vier Mitarbeiter bereit, um das Flugzeug in Empfang zu nehmen und es mit Bremsklötzen zu sichern. Nun beginnt die „Bodenzeit“: Das Flugzeug wird an den Bodenstrom angeschlossen, die Passagiertreppen angedockt. Sind alle Reisenden ausgestiegen, nimmt sofort der „Cleaning-Service“ seine Arbeit auf. Bis zu fünf Reinigungskräfte säubern innerhalb weniger Minuten das Flugzeug.
Während der Kofferwagen Richtung Terminal vorbeizieht, werden die Laderäume durchsucht. „Auch wenn kein Gepäck mehr vorhanden ist, die Kontrolle ist Pflicht –und Sicherheit ist das Wichtigste für uns“, erklärt der Stationsleiter vom Dienst, Mario Streit. Kontrolle ist auch wichtig, damit es nicht zu Verspätungen im straffen Zeitplan kommt. „Wenn alles gut geht, müssen wir kein Gepäck wieder herausholen“, sagt Frank Reichert, Chef der Bodencrew. Manchmal komme es jedoch vor, das ein Koffer in der falschen Maschine gelandet sei. Dann müsse das gesamte Gepäck durchsucht werden, erklärt Reichert.
Zurzeit werden Mitarbeiter im Bereich Rampentätigkeit gesucht
Geschäftsführer: Wolfgang Hammerstädt,
Norbert Klinghardt
Adresse: Mittelstr. 5/5 a,
12529 Schönefeld
Mitarbeiter: 1800
Telefon: 030 / 88 75 44 02
Web: www.globeground-berlin.com
Zu guter Letzt muss schnell aufgetankt werden, vorher dürfen das Flugzeug keine neuen Passagiere betreten. Während die kleinen weißen Fahrzeuge der Reinigungsfirma wieder abfahren, betreten die Passagiere des nächsten Flugs schon das Rollfeld. Ihre Koffer sind bereits im Flugzeug, alles hat geklappt. Nach knapp 30 Minuten sitzen die Passagiere an ihrem Platz. Nun muss das Flugzeug nur noch an seine endgültige Startposition gebracht werden. Für den Kapitän ist es streng verboten, seinen Airbus rückwärts zu bewegen. Stattdessen hebt ein „Push Back Truck“ die Spitze des Flugzeugs an und schiebt es Richtung Startbahn. Erst nach einem letzen Handsignal zwischen Pilot und Bodenmitarbeiter ist das Flugzeug nach exakt 40 Minuten bereit zum Abflug.
Für Globe Ground Geschäftsführer Klinghardt eine perfekte Abfertigung – jeder Handgriff der Mitarbeiter hat gesessen. Angst vor einer Konkurrenz am Rollfeld hat er deshalb auch weniger „Im Moment gibt es außer uns nur eine weitere Firma in Berlin, die die
Lizenz hat, auf dem Vorfeld zu arbeiten“, sagt er. „Und mit unseren 20 Jahren Erfahrung als Dienstleister am Flughafen fühlen wir uns für die Zukunft gut aufgestellt.“ Der Großflughafen Berlin-Brandenburg kann für Globe Ground also kommen.
Simone Miesner
Aus der Ausgabe 2 / 2009
