Intelligente Staukrake

Touren planen, Flotten koordinieren, Fracht disponieren. Dienstleister Viom hilft Transportfirmen mit modernster Verkehrstechnik
Stau vermeiden mit intelligenter Navigationstechnik aus Berlin Foto: dpa

Was nützt die schönste Globalisierung, wenn man in der Zentrale nicht weiß, wo der nächste Außendienstmitarbeiter gerade steckt? Auf Fragen wie diese wollten Kathrin Küttner-Lipinski und ihr Mann Ralf Lipinski Antworten geben, als sie im April 2002 das Unternehmen Viom gründeten. Sie, eine Expertin für elektronisches Lehren und Lernen, kurz E-Learning. Er, Techniker mit Konzernerfahrung, der große Telematikprojekte gemanagt hatte.

Das kleine Berliner Unternehmen arbeitet mit sechs Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von rund 500 000 Euro als Dienstleister für professionelle Routenplanung und Transportlogistik. Viom hat eine Software entwickelt, die Verkehrswege sichtbarer und planbarer macht und Logistikdienstleistungen effizienter. Auf Rechnern und Navigationsgeräten nutzen Logistikfirmen, große Versorgungsunternehmen und Spediteure die Viom-Dienste.

Navigation ist dumm, Routing ist intelligenter, Planung ist die Königsdisziplin

So setzte etwa RWE Viom-Systeme ein, um große Baustellen ressourcenschonend mit Material zu versorgen. Unternehmen machten ihr weitläufiges Werksgelände mittels Viom-Software transparent. Der Einzelhändler Kaiser‘s-Tengelmann ließ sich von Viom die Warendisposition und Belieferung vereinfachen.
„Jeder kennt die Routenplanung aus dem Alltag“, sagt Viom-Gründerin Küttner-Lipinski. Wie komme ich von A nach B auf dem schnellsten oder kürzesten Weg? „Im professionellen Bereich sind aber ungleich mehr und genauere Daten notwendig.“ Dort müssen zahlreiche Fragen geklärt werden: Wo lassen sich Verkehrswege auf der Straße, Schiene und auf dem Wasser kombinieren? Wo droht Stau? Wo stehen niedrige Brücken und wo wird die Straße zu eng? Wo finde ich für meine Lkw einen Autobahnparkplatz?

„Navigation ist dumm, Routing ist intelligenter, Planung und Optimierung sind die Königsdisziplin”, sagt Küttner-Lipinksi. Um individuelle Kundenwünsche zu erfüllen, kauft Viom Daten- und Kartenmaterial bei Spezialisten wie Navtech oder Teleatlas. Dieses Material wird dann von den Berlinern mit eigener Software an die jeweiligen Projekte und Geschäftsmodelle des Kunden angepasst. „Wir sehen unsere Chance darin, Daten nicht nur elektronisch darzustellen, sondern intelligent zu verknüpfen“, sagt die Viom-Geschäftsführerin.

Firmeninfo
| Viom GmbH |
Viom sucht ständig gute und erfahrene Softwareingenieure

Geschäftsführerin:
Kathrin Küttner-Lipinski,
Ralf Lipinski
Adresse: Chausseestraße 8, 10115 Berlin
Umsatz: rund 500 000 Euro
Mitarbeiter: 6
Telefon: 030 / 24 08 30 60
Web: www.viom.de

Dieser Ansatz gefiel zum Beispiel auch dem größten deutschen Verkehrsclub ADAC. Um sein Staumeldesystem engmaschiger und aktueller zu gestalten, setzt der Club Viom-Technik ein. „Die Staumelder des ADAC können nicht überall sein“, so Küttner-Lipinski. „Die Staunachrichten im Rundfunk sind deshalb zu ungenau.“ Viom liefert nun über seine Datenserver und in Kooperation mit dem Logistik-Management-Unternehmen Truck24 laufend Positionsdaten unzähliger Lkw, die sich auf Deutschlands Straßen bewegen, bearbeitet sie und speist sie in das Staumeldesystem des ADAC ein. Bis zu anderthalb Millionen Meldungen laufen so am Tag zusammen. „Das hat sich ausgeweitet wie eine Krake“, berichtet Küttner-Lipinski. Kürzlich wurde auch der Verkehrsfunk des Westdeutschen Rundfunks in das Projekt eingebunden.

Um die vom Kunden zu bewältigende Datenmenge klein und kostengünstig zu halten, bietet Viom internetbasierte Dienste an, die über einen Großrechner in München je nach Bedarf abrufbar sind. „Telematik gibt es schon seit ein paar Jahrzehnten”, sagt Küttner-Lipinski. „Erst jetzt sind die Daten, Endgeräte und Übertragungskosten aber so weit, dass die Dienste sinnvoll und preisgünstig genutzt werden können.”
Viom selbst hält sich im Hintergrund und konzentriert sich auf das klassische Business-to-Business-Geschäft. Das von Viom entwickelte Standardprodukt wird von einem Vertriebspartner, der Goslarer Bornemann AG, unter dem Markennamen „Infleet“ verkauft (www.infleet.de). „Es steht zwar nicht Viom drauf, aber wir stecken drin“, sagt Küttner-Lipinski. Das Ortungssystem, entwickelt für kleine und mittelständische Unternehmen, verkauft sich gut.

Spürt Viom die allgemeine Wirtschaftskrise? „Viele potenzielle Kunden ziehen den Kopf ein”, sagt die Viom-Chefin. Und die Firmen, die Viom trotz Krise überzeugen kann, wählen häufiger die abgespeckte Produktvariante. „Unangenehm wird es, wenn dann nicht gezahlt wird”, klagt Küttner-Lipinski.  Aber sie sieht in diesen schwierigen Zeiten auch Vorteile: „Die Leute werden erfinderisch.” Wer auf die Kosten achten müsse, neige zu pragmatischen Lösungen. Tja, und genau solche habe ihr Unternehmen im Angebot.

Henrik Mortsiefer


Aus der Ausgabe 4 / 2009

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