Patrzec na wschód*
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In acht Stunden nach Polen: Mittel- und Osteuropa zieht Berliner Logistiker an. Foto: Kitty Kleist-Heinrich |
Sie sind geographisch nah, in der Unternehmerwahrnehmung oft aber noch weit weg: Länder wie Polen oder Tschechien. Viele entdecken die Nachbarn aber inzwischen als lukrative Absatzmärkte. So auch das Logistikunternehmen Havelland Express, das bereits über den Tellerrand geblickt und Märkte in Polen und Tschechien erschlossen hat. Der Lieferservice versendet Spezialitäten wie Fische, Schalentiere oder Feinkost an gehobene Restaurants. Und profitiert durch die Erweiterung des Schengen-Abkommens 2007. „Seit der Grenzöffnung ist der Transport nach Osteuropa schneller geworden“, sagt Erik Herzum, Geschäftsführer der Tochterfirma Havelland Home.
Dennoch braucht das Unternehmen Subunternehmer in den Zielländern, die gewährleisten können, dass die Kühlkette nicht unterbrochen wird. „Partner sind wichtig für uns, da sie die landestypischen Kenntnisse besitzen“, sagt Herzum. Deswegen holen sie die Ware von Havelland Express ab und liefern sie in Zwischenlager. Von dort wird sie an die Kunden weiterverteilt.
Unternehmen sollten die Ziele ihrer Kunden beobachten und sie logistisch begleiten
Damit liegt das Unternehmen im Trend. Laut Statistischem Landesamt exportierten Brandenburger Unternehmen im Jahr 2008 die meisten Güter nach Polen, noch vor Frankreich und den Vereinigten Staaten. Kleine und mittlere Logistikunternehmen können internationale Transporte aber alleine oft nicht bewältigen. Doch in Netzwerken und mit Partnern können auch sie ins Auslandsgeschäft einsteigen. Wichtig sind dafür aber verlässliche Partner. Die sind unter anderem auf Messen und Kontaktbörsen der Industrie- und Handelskammer zu finden. Auch die Außenhandelskammern sind eine gute Anlaufstelle. Das Logistiknetz Berlin-Brandenburg unterstützt Unternehmen dabei, Netzwerke zu ausländischen Unternehmern zu knüpfen, etwa auf der Messe Transrussia in Moskau oder der Transport Logistic in München. Dort sind potentielle Partner, die auch bei Sprachbarrieren helfen können: „Czy mówi Pan/i po polsku?“ – Sprechen Sie Polnisch?
Norbert Wagener, Koordinator des Logistiknetz Berlin-Brandenburg merkt zwar an, dass in der Krise Transporte nach Russland und Osteuropa zurückgehen. Langfristig aber sieht er für Berlin und Brandenburg „erhebliche Standortvorteile für Verkehre mit der Region Mittel- und Osteuropa.“ „Langfristig gehen wir davon aus, dass der internationale Handel wieder Wachstumsmotor wird“, meint auch Klaus-Dieter Martens, Geschäftsführer vom Verband Verkehr und Logistik Berlin und Brandenburg (VVL). Der Verband sieht Berlin auf dem Weg zu einem Logistikknotenpunkt in Europa. So verkehrt seit 1995 von Großbeeren aus der Containerzug „Ostwind“ recht erfolgreich in Richtung Moskau.
Rieck sucht ein/e LKW-Disponent/in, Schwerpunkt Osteuropa
Geschäftsführer: Horst Stiegler
Adresse: Osdorfer Ring 5–11,
14979 Großbeeren
Mitarbeiter: etwa 470
Umsatz: 123 Millionen Euro
Telefon: 033701 / 33 94 20
Web: www.rieck-logistik.de
Die Logistik-Gruppe Rieck ist noch einen Schritt weiter gegangen als Havelland-Express und hat Anfang des Jahres eine eigene Niederlassung in Tschechien gegründet. Ein Kunde hatte seinen Standort dorthin verlegt. Rieck ist dem Hersteller für Kälte- und Klimatechnik zunächst mit einer Vertretung nach Mikulov gefolgt. „Das Geschäft hat sich auf gutem Niveau stabilisiert. Deshalb konnten wir der Repräsentanz schnell eine Firma folgen lassen“, erklärt Geschäftsführer Horst Stiegler. Schon denkt Rieck über eine Expansion nach, denn die Firma mit acht tschechischen Mitarbeitern habe weitere Kunden gefunden. Neue Fläche und vielleicht ein neuer Standort sollen dazu kommen.
Außerdem hat Rieck seine Netzwerke bis Russland und China geknüpft. „Wachstumsmärkte in den BRIC-Staaten, bestehend aus Brasilien, Russland, Indien und China, bergen Potential für die Wirtschaft“, erklärt Dieter Schweer, Geschäftsführer des Logistic Council Germany. Bei den Ausfuhren aus Berlin lag die Russische Föderation laut statistischem Landesamt im Jahr 2008 auf Platz drei. Auch China hat es in die Top Ten geschafft.
Martens rät Unternehmen, einen eigenen Standort erst zu gründen, wenn sie stabil wirtschaften. Eine Niederlassung könne auch gemeinsam mit einem Partner aufgebaut werden. Der Weg ins Ausland führt häufig über die Ziele der Kunden. Die Logistiker sollten diese „auf dem Weg dahin mit entsprechenden Angeboten begleiten“, so Martens.
Gleichzeitig dürfen sie den heimischen Markt nicht aus den Augen verlieren. Denn osteuropäische Unternehmen können den Berliner-Brandenburgern ab sofort stärkere Konkurrenz machen. So dürfen ab Mai die zehn osteuropäischen Länder, die 2004 der EU beigetreten sind, Binnentransporte in den alten EU-Ländern durchführen. Martens fürchtet dadurch weiteren Wettbewerbsdruck.
Benedikt Neuroth
Aus der Ausgabe 5 / 2009

