Umzug auf dem Rad

Fahrradkuriere sind schnell. Doch große Lasten können sie nicht transportieren. Der Cargo-Cruiser soll das Problem lösen
Industriepalette auf dem Fahrrad: Der Cargo-Cruiser schafft bis zu 250 Kilo weg. Foto: promo

Ein Anhänger komme nicht in Frage. Für Fahrradkuriere sei das eine Stilfrage. „Das ist einfach nicht elegant“, sagt Dirk Brauer. Der 45-Jährige ist selbst seit mehr als 18 Jahren Fahrradkurier und arbeitet bei der Messenger Transport Logistik GmbH auch in der Disposition und der Betreuung der Kuriere. Dennoch könnten die flinken Fahrradboten oft einen Anhänger gut gebrauchen, denn seit Jahren werden die Sendungen größer.

Früher – als das Internet noch nicht so verbreitet war – transportierten die Fahrradkuriere zum Beispiel Filme von Verlagen zu Druckern. Heute werden solche Daten elektronisch geschickt. Die Probedrucke zum Anschauen jedoch, die müssen immer noch transportiert werden. Und solche Sendungen sind natürlich sperriger. Anwälte verschicken Ordner, Zahnlabore senden Prothesen. „Drei Ordner oder ein paar Versandkisten und der Messenger-Rucksack ist voll“, sagt Brauer. Das Problem: Für die selbstständigen Kuriere lohnt sich eine Fahrt aber meist erst dann, wenn sie zwei bis drei Sendungen parallel bearbeiten können.

Dem Kunden ist es egal, wie wir die Sendung transportieren – Hauptsache sie ist pünktlich

Die Lösung für das Problem ist ein neues Lastenfahrrad, der Cargo Cruiser. Das ist ein Fahrrad mit Batteriebetrieb, das Lasten bis zu 250 Kilogramm transportieren kann. Der Cargo-Cruiser schaffe damit in etwa das weg, was auch ein Kastenwagen wie zum Beispiel der Kangoo von Renault transportieren könne, sagt Brauer.

Dennoch ist der Cargo-Cruiser ein Fahrrad und hat daher einige Vorteile: Er darf den Fahrradweg nutzen und kann sich in den überfüllten Straßen von Berlin-Mitte am Verkehr vorbeischlängeln. „Damit kann man auch mal quer über den Gendarmenmarkt fahren“, sagt Brauer.

Firmeninfo
| Messenger Transport + Logistik |

Messenger sucht laufend Autokuriere

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Adresse: Obentrautstraße 62,
10963 Berlin
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Web: www.messenger.de

Seit zwei Jahren setzt Messenger den Cargo-Cruiser ein. Normalerweise vermittelt das Unternehmen nur Aufträge an selbstständige Kuriere und stellt selbst keine Fahrzeuge. Doch der Cargo-Cruiser ist noch ein Versuchsobjekt. Die Kuriere müssen erst auf den Geschmack kommen. Denn: „Das ist eine andere Arbeit“, sagt Brauer. Schließlich macht es einen Unterschied, ob man Dokumente in Umschlägen ausliefert oder Industriepaletten. „Der Umgang mit Sackkarre und Umzugskartons ist bisher keine Betätigung für einen Fahrradkurier“, sagt Brauer. Doch das ändert sich gerade. „Die Kunden sind ganz baff, wenn einer in Fahrradklamotten kommt und vier Umzugkartons wegschafft.“ Dass 46 Weinkisten in den Cruiser passen, hat sogar Brauer überrascht.

Messenger plant die Anschaffung von mindestens zwei oder drei weiteren Cruisern. Daneben sind bereits sechs Kuriere mit kleineren Cargo-Bikes unterwegs, die immerhin bis zu 100 Kilo Nutzlast transportieren können. „Der Umweltschutz steht im Vordergrund“, sagt Brauer. „Wir wollen alle Autoaufträge in der Umweltzone in Zukunft mit dem Cruiser und mit den Cargobikes fahren.“ Dem Kunden sei es egal, ob seine Tansporte mit dem Auto oder Fahrrad erledigt würden. Hauptsache, es geht schnell und pünktlich.

Corinna Visser


Aus der Ausgabe 7/8 / 2009

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