Auftrag per Mausklick
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Designer gesucht: Bei 12designer gewinnt die beste Idee. Foto: promo |
Was ist besser als eine gute Idee? Viele gute Ideen natürlich. Firmen, die ein Logo, einen Flyer oder eine neue Website brauchen, haben jetzt eine möglichst große Auswahl. Sie können online nach Lösungen suchen und warten, bis freischaffende Kreative ihre Ideen vorstellen. Am Ende können sie aus vielen Geistesblitzen den leuchtendsten heraussuchen. Gleich zwei Berliner Internetplattformen bringen Kreative und Auftraggeber auf diese Weise zusammen.
Eine dieser Plattformen, die das als „crowdsourcing“ bezeichnete Verfahren anwenden, ist jovoto.com. „Und zwar so, dass die Ideenlieferanten auch am Ende etwas davon haben“, erklärt Geschäftsführer Bastian Unterberg. Im Oktober 2008 startete die Plattform, seitdem haben sich mehr als 6500 Interessenten registriert. Bisher wurden 3500 von ihnen zugelassen. Die zugelassenen Kreativen konnten bislang zum Beispiel ein Logo für den Internet-Auftritt des SPD-Kanzlerkandidaten Steinmeier entwerfen oder ein Kampagnenkonzept für die Modemarke s.Oliver erstellen.
Die Ideenlieferanten sollen am Ende etwas davon haben
Dabei können alle Teilnehmer die Entwürfe der anderen Ideengeber sehen, bewerten und kommentieren. So entsteht über den Wettbewerb hinaus eine Community, in der die verschiedenen Ansätze diskutiert werden. Am Ende des Wettbewerbs wird das Preisgeld, das der Auftraggeber zahlt, zu verschiedenen Anteilen an die Nutzer mit den besten zwölf Entwürfen ausgezahlt.
Das Budget für einen Wettbewerb bewegt sich laut Geschäftsführer Unterberg zwischen 2500 und 20 000 Euro, etwa die Hälfte soll an die Community-Mitglieder ausgeschüttet werden, den Rest behält jovoto ein. Will der Ideensuchende einen oder mehrere der meist über hundert Entwürfe weiter verwenden, muss er ihn kaufen. Erst dann gehen die Rechte an der Idee an ihn über.
Auch bei 12designer.com können seit dem Start im April 2009 Auftraggeber einen Pool freiberuflicher Kreativer für sich nutzen, hier hauptsächlich Grafiker, Designer und Illustratoren. Im Gegensatz zum nur für Mitglieder zugänglichen jovoto kann bei 12designer in der Regel jeder Internetnutzer sowohl das Briefing als auch die gesamten Entwürfe einsehen, ebenso die Profile der bislang 1111 angemeldeten Designer.
Wie bei jovoto können die Entwürfe kommentiert und bewertet werden. Die Wertung führt jedoch nicht zu einem Preisgeld. Einen vom Kauf unabhängigen Wettbewerb gibt es auf 12desig-ner nicht. Nur derjenige, dessen Idee den Auftraggeber am Ende überzeugt, verdient etwas – und nicht immer wird gekauft. Zudem sind die ausgeschriebenen Budgets deutlich niedriger als bei jovoto. So möchte ein Irish-Pub-Inhaber das eigene Logo aufgepeppt haben und bietet dafür 150 Euro, ein EDV-Sachverständiger sucht Entwürfe für zwei Flyer für 400 Euro. Der Service ist dafür bislang für alle Beteiligten kostenlos. Hinter 12designer steht die Grupo Intercom Berlin GmbH, die deutsche Tochter einer spanischen Investorengruppe, die in Internet-Start-ups investiert.
Obwohl auch schon die Postbank auf 12designer nach dem Design für einen neuen Flyer gesucht hat, ist die Kundenzielgruppe mit der von jovoto nicht deckungsgleich. Häufig seien es kleinere Unternehmen, „die mit Werbung und Design bislang nicht so viel am Hut hatten“, so Gideon Lehmann von 12designer.
Die Plattformen werden jedoch auch kritisch betrachtet. So bezeichnet ein selbst dort angemeldeter Grafiker es als „absurd“, dass bei 12designer für ein ausgelobtes Budget von rund 300 Euro oft über hundert verschiedene Entwürfe zu bekommen sind. „Das steht in keinem Verhältnis zu der Arbeit, die da drin steckt.“ Auch von Seiten der renommierten Werbeagenturen wie Scholz & Friends werden die „crowdsourcing“-Plattformen beobachtet. „Was da angeboten wird, greift natürlich in unseren Kompetenzbereich ein“, sagt Matthias Schmidt, Vorstand Kreation von Scholz & Friends. „Andererseits sehe ich es nicht als Bedrohung.“
Es sei immer die Frage, welche Qualität Kunden suchten. Für große Werbeagenturen, die ihren Kunden neben der Entwicklung der Markenstrategie auch deren langjährige Weiterentwicklung anbieten, stünden die Ideenpools nicht in direkter Konkurrenz. Für kleine und mittlere Agenturen werde es da schon eher „gefährlich“.
Andererseits seien freiberufliche Kreative auch auf einen großen Kundenkreis angewiesen. „Solche Plattformen sind ein legitimer Weg, diesen zu erweitern.“ Das Internet revolutioniere eben alle Geschäftsbereiche, so der Werbeprofi. „Eine funktionierende Idee zu stoppen, ist sowieso nicht möglich.“
Florian Ernst
Aus der Ausgabe 9 / 2009
