Öko-Rechner sind noch rar
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Bit-Burg: In diesen Blade Servern stecken die Daten der Berliner Verwaltung. Foto: promo |
So richtig ist das Thema „Green IT“ noch nicht im Berliner Mittelstand angekommen: Während energie- und damit kostensparende Computer schon in vielen Rechenzentren und bei manchen Konzernen im Einsatz sind, schrecken kleine und mittlere Betriebe oft vor den Investitionen zurück. „Die Mittelständler reden gerne darüber, aber es gibt nur wenige Anwender“, sagt Ulrich Otto, Vorstand des IT-Dienstleisters Netfox AG in Kleinmachnow. Dabei können Betriebe für das Umrüsten auf Öko-IT auch Förderung beantragen. Der Branchenverband Bitkom informiert darüber unter www.green-it-projektberatung.de.
Zuletzt seien wegen der Wirtschaftskrise einige Projekte verschoben oder gestoppt worden, sagt Otto. Sein Unternehmen ist mittelständisch, in Berlin aber vor allem für Großkunden tätig – darunter das Bundesverkehrsministerium, Landesbehörden, einige
Kliniken und der Ostdeutsche Sparkassenverband.
Die Mittelständler reden gerne darüber, aber es gibt nur wenige Anwender
„Wir raten Kunden, mit einfachen und kleinen Mitteln zu beginnen“, sagt Otto. Energieeinsparungen seien auch mit alten Geräte möglich. Häufig sind Arbeitsplatzrechner nicht optimal eingestellt. Dann kann die kostenlose Software „Edison“ helfen, Zeitpläne für die Abschaltung von Monitor und Festplatte zu erstellen. Als energetischer Fauxpas gelten Bildschirmschoner, die in Arbeitspausen bewegte Bilder anzeigen. „Viele finden das schick“, sagt Otto, „aber die Grafikkarte läuft auf Höchstlast.“ Im Standby-Modus dürfen Computer und andere Bürogeräte laut EU-Verordnung nicht mehr als ein bis zwei Watt verbrauchen.
Die Industrie- und Handelskammer und die Handwerkskammer bestätigen, dass ökologische Computertechnik bisher die Ausnahme ist. Im Mittelstand „hat sich das noch nicht auf breiter Flur durchgesetzt“, sagt Erik Pfeifer, Experte für Energie- und Ressourceneffizienz der IHK Berlin. Als Vorreiter gelten Banken, Internetprovider, Krankenhäuser oder die Flughafenholding – und das Rechenzentrum der Berliner Verwaltung. Das IT-Dienstleistungszentrum Berlin (ITDZ) betreibt in Wilmersdorf Datenserver für acht Senats- und zwölf Bezirksverwaltungen und weitere Institutionen. Gerade hat sich das ITDZ gegenüber dem Senat verpflichtet, seinen Energieverbrauch bis 2015 um 27 Prozent zu senken.
Technisch basiert „Green IT“ meist auf mehreren Maßnahmen. Wichtig ist der Abschied vom üblichen PC. Stattdessen laufen alle Programme auf einem Großrechner. Die Benutzer haben nur noch ein kleines Gerät ohne Hauptprozessor und Festplatte vor sich, das zum Anschluss von Bildschirm, Tastatur und Maus dient.
Das Unternehmen sucht derzeit
IT-Spezialisten
Geschäftsführer: Ulrich Otto
Adresse: Heinrich-Hertz-Straße 1 b,
14532 Kleinmachnow
Umsatz: rund 5 Millionen Euro
Mitarbeiter: mehr als 40
Telefon: 03 32 03 / 29 06 00
Web: www.netfox.de
Auch im Großrechner gibt es Einsparpotenzial. Unternehmen wie der Berliner Medizintechnikspezialist Biotronik benutzen virtuelle Server, was bedeutet, dass ein Gerät sich wie eine Vielzahl von Servern verhält. Dahinter steht die Erfahrung, dass einzelne Server meist nicht ausgelastet sind. „Durch die Virtualisierung ist die Auslastung der Server drastisch nach oben gegangen“, sagt Walfried Wegener, IT-Leiter bei Biotronik.
Eine andere Neuerung sind Blade-Server. Hier werden mehrere Geräte übereinander montiert, was die gemeinsame Kühlung ermöglicht. Außerdem lenken sogenannte Einhausungen Kaltluft gezielt auf die Server und erwärmte Luft aus den Geräten hinaus.
Der Berliner Internetprovider Strato hat den Kohlendioxidausstoß in seinen zwei Rechenzentren mit etwa 30 000 Servern durch solche und andere Maßnahmen um rund 15 000 Tonnen jährlich gesenkt. Und da man nur Strom aus Wasserkraft beziehe, sei der Betrieb klimaneutral, heißt es.
Nicht allen Unternehmen geht es bei „Green IT“ vorrangig um die Umwelt. „Die treibende Kraft sind Kostensenkungen“, sagt Hans-Jürgen Rehm, Sprecher von IBM Deutschland. So sieht es auch Helga Krüger, Geschäftsführerin des Berliner Internetproviders http.net: Wegen Strompreiserhöhungen und dem wachsenden Kundenstamm „ist bei uns ein Anstieg der Energiekosten von 25 bis 30 Prozent pro Jahr normal.“ Nun habe man besonders energieeffiziente Server gekauft, die teuer seien, sich aber langfristig amortisieren dürften.
Unternehmen aller Art können ihre Computerhardware sogar komplett auslagern: „Cloud Computing“ bedeutet, dass die Großrechner im Rechenzentrum eines Fremdanbieters stehen und die Firmenmitarbeiter nur an sparsamen „Thin-Clients“ arbeiten. Das sei „der neue Hype“, werde in der Praxis aber wohl erst in zehn bis 20 Jahren eine große Rolle spielen, sagt IBM-Sprecher Jürgen Rehm. Unternehmer seien derzeit noch zu sehr besorgt um die Sicherheit ihrer Daten.
Cay Dobberke
Aus der Ausgabe 2 / 2010

