Post aus dem Internet

Im Juli kommt der Hybridbrief der Post auf den Markt. Wer viel verschickt, kann damit Geld sparen und die Umwelt schonen
Der Postbote soll die Hybridbriefe künftig beim Empfänger abliefern.
Foto: Michael Gottschalk/ddp

Eine der meistbeachteten Ankündigungen der Cebit 2010 kam von der Deutschen Post: Ab Juli dieses Jahres wolle man die Kommunikation über das Internet „so sicher wie mit dem klassischen Brief“ machen. Mit dem „Brief im Internet“ möchte sich die Post neu positionieren und eine zeitgemäße Variante des klassischen Papierbriefs anbieten. Ob Privatpersonen, Behörden oder Unternehmen – sie alle sollen von dem neuen Versandverfahren profitieren, das dank moderner Verschlüsselungstechnologien wesentlich mehr Sicherheit bietet als eine einfache E-Mail. Den Anfang macht dabei der Hybridbrief, eine Kombination aus E-Mail und Brief.

Der Hybridbrief funktioniert im Prinzip wie eine E-Mail, allerdings mit einem deutlich erhöhten Aufwand: Der Versender stellt den Brief über ein Online-Portal elektronisch ein, die Deutsche Post druckt den Brief aus, steckt ihn in einen Umschlag und liefert ihn in physischer Form per Postbote beim Empfänger ab.

Als Preis für den Versand eines Standardbriefs sind 0,46 Euro (normal: 0,55€), für einen Kompaktbrief 0,73 Euro (normal: 0,90 Euro) und für einen Großbrief 1,19 Euro (normal: 1,45 Euro) vorgesehen. Ob für die Bearbeitung – Ausdrucken und Kuvertieren – weitere Kosten entstehen werden, ist derzeit noch nicht bekannt.

Um den Dienst nutzen zu können, muss der Verbraucher zunächst eine Internetbrief-Adresse bei der Post beantragen und sich registrieren. Dies geschieht über das so genannte Post-Ident-Verfahren, bei dem der Kunde seinen Personal- oder Reisepass in einer Postfiliale vorlegen muss. Für die Anmeldung im Internetportal sind dann zusätzlich noch ein Benutzername und ein Kennwort notwendig.

Neben dem Hybridbrief plant die Post die Einführung einer rein elektronischen Variante: die Post-Mail im Internet, die sich kaum von der herkömmlichen E-Mail unterscheidet. Auch diese wird über die Webseite der Deutschen Post per E-Mail verschickt. Dank Verschlüsselung und einer auf ein Handy versandten Transaktionsnummer soll der Internetbrief aber wesentlich sicherer sein als die klassische E-Mail und dem Nutzer garantieren, dass sein Brief auch da ankommt, wo er ankommen soll.

Das Briefgeheimnis soll im Gegensatz zu E-Mails voll gewährleistet sein. Zudem trägt der Internetbrief durch die klare Identifizierung von Absender und Empfänger den gleichen rechtlichen Status wie ein herkömmlicher Brief. Ob die Post für diesen Dienst Geld verlangen oder ob er kostenlos sein wird, verriet Jürgen Gerdes, Konzernvorstand der Post, auf der Cebit nicht.

Für Nutzer, die über keinen Internetanschluss verfügen, wird der umgekehrte Weg ebenfalls möglich sein: Der Absender schickt einen Brief an eine Servicestelle der Post, diese scannt ihn ein und verschickt ihn per E-Mail an den Empfänger. Auch hier hat die Post die Portokosten mit 46 Cent angegeben.

Informationen
| Der Hybridbrief |

Anbieter: Deutsche Post AG
Markstart: Juli 2010
Voraussichtliche Preise
(ohne Gewähr):
Standardbrief: 0,46 Euro
(normal: 0,55 Euro)
Kompaktbrief: 0,73 Euro
(normal: 0,90 Euro)
Großbrief: 1,19 Euro
(normal: 1,45 Euro)

Auf den ersten Blick mutet die Idee der Deutschen Post, den bisher ausschließlich physischen Briefversand künftig auf digitalem Wege zu bewerkstelligen, so kurios wie altbacken an. Schließlich hat sich die E-Mail seit Jahren etabliert und ist komplett kostenlos. So dürfte der Hybridbrief vor allem bei Privatanwendern kaum auf großen Anklang stoßen. Allein schon deshalb, weil die wenigsten Postkunden den Liebesbrief oder die Grußkarte an Verwandte auf digitalem Weg versenden möchten. Kommentare in Internetforen, etwa auf focus.de, sprechen eine deutliche Sprache: „Tolle Erfindung, so ein Brief, der elektronisch aufgegeben und elektronisch zugestellt wird. Man braucht nur noch einen Namen dafür: E-Mail vielleicht?“, so ein kritischer User. 

Anders sieht der Nutzwert hingegen für Unternehmen aus, die viele Rechnungen, Dokumente oder Infobriefe versenden müssen. Firmen können nicht nur ihre Portokosten senken, sondern tun auch der Umwelt Gutes, weil die Briefe dezentral gedruckt und versandt werden. Ob sich die Ersparnisse an Materialkosten für Papier und Drucker wirklich rentieren und das recht aufwändige Identifikationsverfahren nicht viele Unternehmen abschreckt, muss sich allerdings erst zeigen, wenn die endgültigen Preise für Hybrid- und Internetbrief veröffentlicht  werden. Mit dem ADAC, Lotto Hessen, der DekaBank und der Zurich-Versicherung gab die Post bereits erste Unternehmen bekannt, die auf den neuen Service setzen. Weitere Gespräche mit potenziellen Großkunden sollen bereits laufen.

Benedikt Plass-Fleßenkämper


Aus der Ausgabe 4 / 2010

Zurück