Datenwolke im Internet

Beim Cloud Computing lagern Firmen IT-Systeme ins Netz aus. Das spart Kosten – doch viele Betriebe fürchten um ihre Sicherheit
Server an Server: Blick ins Rechenzentrum der Strato AG Foto: obs/STRATO AG

Die Wolke brummt und blinkt. Sie steht irgendwo in Berlin, Standort geheim, und besteht aus Hunderten von Rechnern in Metallregalen, verbunden mit dicken Strängen grauer Kabel. Das Rechenzentrum der Strato AG, einer Tochter der Telekom, ist eines von vielen in Deutschland, die das technische Rückgrat bilden für Cloud Computing, den IT-Trend des Jahres, zumindest laut Hightech-Verband Bitkom. „Cloud Computing wird die Informationswirtschaft, ihre Technologien und ihre Geschäftsmodelle nachhaltig verändern“, sagt Verbandschef August-Wilhelm Scheer.

Wörtlich übersetzt heißt Cloud-Computing „Datenverarbeitung in der Wolke“. Man versteht darunter das Auslagern von IT-Leistungen in das Internet. Ganze Betriebssysteme, einzelne Anwendungen oder Speicherplatz können Unternehmen in das Netz verlagern oder von Anbietern im Netz mieten. Die Dateien und Anwendungen liegen dann nicht mehr auf dem eigenen Server im Keller, sondern in Rechenzentren.

Cloud Computing wird die Informationswirtschaft und ihre Geschäftsmodelle verändern

Das wichtigste Argument der Wolkenanbieter dafür ist die wachsende Zahl mobiler Telekommunikationsgeräte. Denn die sind dumm. Die Software, die zum Beispiel Geräten wie dem Smartphone fehlt, soll über das Internet genutzt werden. Aber auch mit sinkenden IT-Kosten werben die Anbieter. „Unsere Kunden können bis zu 30 Prozent sparen“, verspricht Albert Hold, Sprecher von T-Systems. In Rechenzentren teilen sich mehrere Kunden einen Server. So lassen die sich besser auslasten, während die Infrastruktur in Betrieben auf Leistungshochs ausgerichtet ist, die nur selten gebraucht werden.

Deutsche Unternehmer stehen dem Cloud Computing allerdings skeptisch gegenüber. Das ergab eine Studie der Marktforschungs- und Beratungsagentur IDC aus dem Jahr 2009. Die Umfrage zeigte auch, dass gerade mittelständische Firmen zurückhaltend sind, ein Eindruck, den Marc Tenbieg, Sprecher des Mittelstandsbundes, bestätigt.

Tatsächlich heißt es für die Firmen zunächst einmal nachrechnen. Wer Software nicht kauft, sondern mietet, könnte auf die Dauer Minus machen. „Das Mietmodell kann nach drei bis vier Jahren teurer werden als der Kauf von Software“, sagt Rüdiger Spies, Analyst bei IDC.

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Hauptgrund für die Zurückhaltung ist in vielen Unternehmen aber die Sorge um die Sicherheit der ausgelagerten Daten und Prozesse. Diese Sorge ist nur zum Teil berechtigt. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik etwa stellt in einem Lagebericht zum Cloud Computing fest: „Gerade für kleine und mittlere Unternehmen kann eine Cloud-Computing-Lösung mit hohen Sicherheitsvorkehrungen durchaus eine gute Alternative zu einer Inhouse-Lösung sein.“ Die Rechenzentren sichern ihre Server zumeist mit größerem Aufwand als Mittelständler es können, zum Beispiel gegen Stromausfälle.

Der Datenschutz ist ein weiterer Grund für Skepsis. In der Wolke geben Unternehmen ihre Daten technisch aus der Hand, bleiben aber juristisch verantwortlich. „Dass Daten aus der Cloud verloren gehen, ist eine realistische Bedrohung“, sagt etwa Thilo Weichert vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein.
 
Trotz der Skepsis vieler Unternehmer wächst der Markt – auch in Berlin. „In der Hauptstadt gibt es inzwischen 30 bis 40 Unternehmen, die Cloud-Lösungen anbieten“, sagt Mathias Petri, „viele davon sind kleine und mittelständische Unternehmen“. Petri ist Vorstand der Berliner StoneOne AG, einem 2007 gegründeten Cloud-Anbieter und Mitglied im Vorstand des Berliner IT-Verbands SIBB. Cloud-Unternehmen sind zwar quer über die Republik verteilt. Doch Berlin ist aus Petris Sicht ein guter Standort: „Hier gibt es viele gut qualifizierte Entwickler.“

Die Angebote aus Berlin sind sehr heterogen. Petris StoneOne AG etwa bietet keine eigenen Lösungen an, sondern programmiert Bausteine, die es anderen Entwicklern ermöglichen, ihre Software „wolkenfähig“ zu machen. Andere Unternehmen, wie zum Beispiel ThinPrint, bieten einen Mix aus Software und Speicherplatz. ThinPrint stellt unter anderem Druckertreiber im Netz zur Verfügung, mit denen man vom Smartphone aus drucken kann.

Petri ist zuversichtlich, dass auch die Nachfrage in Deutschland bald anzieht: „In den nächsten zwei, drei Jahren wird das Thema groß.“ Auch die IT-Analysten von IDC sagen Wolken-Dienstleistern weltweit zwischen 2009 und 2013 ein Wachstum von 27 Prozent voraus. Die 35 000 Server der Strato AG in Karlsruhe und Berlin verbrauchen jetzt schon 30 Gigawattstunden Strom im Jahr, so viel wie 5000 Vier-Personen-Haushalte.

Anna Sauerbrey


Aus der Ausgabe 6 / 2010

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