Software rostet nicht
Viele Firmen nutzen das alte Windows XP, statt auf Vista umzusteigen
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Absturzgefahr: Bei vielen Nutzern lief die Umstellung auf Windows Vista weniger elegant ab als die Show zur Präsentation der neuen Software. Foto: dpa |
Auf die Frage, ob bei der Ehrig GmbH selbst denn auch schon Windows Vista laufe, sagt Firmenchef Torsten Ehrig: „Auf immer mehr Rechnern.“ Immerhin sind es bei Ehrig mehr als die Hälfte der Systeme. Einerseits will der Microsoft Gold Partner so sicherstellen, dass man die Situation der Kunden nachvollziehen kann. Andererseits müssen selbst Profis einen Betriebssystemwechsel rückgängig machen, wenn Inkompatibilitäten ein wichtiges Warenwirtschaftssystem ausbremsen.
Dieses Handicap könnte bald der Vergangenheit angehören. Microsoft hat gerade bekannt gegeben, dass der Nachfolger von Windows Vista, der derzeit als Windows 7 bezeichnet wird, auf Basis von Vista entwickelt wird. Anders ausgedrückt: Hard- und Software, die man jetzt kauft, laufen auch auf dem für Ende 2009 erwarteten Vista-Nachfolger.
Für Vertriebsprofi Gröger gibt es eine klare Linie: Bei einem Neuanfang, also etwa bei einer Firmengründung, wird das neueste System eingesetzt, also Vista. Bei bestehenden Unternehmen wird genau geprüft, was mit Vista läuft und was nicht. Die Einschätzung, dass Vista verhältnismäßig langsam Fahrt aufnimmt, wird von Microsoft-Chef Steve Ballmer übrigens nicht geteilt: Auch Windows XP habe seine Zeit gebraucht. Zwei Jahre nach der Markteinführung im Oktober 2001 sei XP Professional auf einen Marktanteil von zehn Prozent gekommen. Für Vista Business erwarten Experten bis Ende 2008 13 Prozent Marktanteil.
Trotz Service Pack 1 und dem Investitionsschutz durch Windows 7 rechnet man bei Ehrig nicht mit einem plötzlichen Run auf Vista. „Die wichtigen Investitionsentscheidungen stehen ohnehin erst gegen Ende des Jahres an“, sagt Udo Gröger. „Unsere Hardware-Lieferanten haben signalisiert, dass es die Systeme mit Windows XP bis Ende 2008 oder sogar bis Anfang 2009 geben wird“, fügt er hinzu.
Firmenchef Torsten Ehrig lobt dabei, dass Microsoft seinen Hardware- Partnern gestattet, ihre Systeme wahlweise mit Windows Vista oder XP auszuliefern. Bei Fujitsu- Siemens und Toshiba heißt dieses Angebot „Twin Load“ bei Software rostet nicht Hewlett-Packard nennt es sich „Vista Downgrade XP“.
Die Technologiestiftung Berlin und das dazugehörige Kompetenzzentrum eComm halten sich mit Empfehlungen zum Wechsel auf Vista zurück. Für eComm-Leiter Michael Stamm stellt sich überdies eine ganz andere Frage: Nach seiner Ansicht ist es an der Zeit, dass sich die Landeseinrichtungen mehr Gedanken über Open-Source- Lösungen machen – in kleinen Schritten. So will er sich beim Vorstand der Technologiestiftung dafür einsetzen, dass zumindest für Büroanwendungen künftig OpenOffice eingesetzt wird. Doch Stamm bleibt realistisch: „Dass die Firmen nun massenhaft zu Linux wechseln und nicht mehr auf das nächste Windows warten, so weit ist es nicht.“ Vor allem, wenn man mit „Twin Load“ oder „Vista Downgrade XP“ beide Windows- Systeme zum gleichen Preis erhält.
Kurt Sagatz
Aus der Ausgabe 6/2008
