Branchenverzeichnis
Viel zu viele gelbe Seiten
Selbstständige blicken kaum noch durch. Rund 160 Branchenverzeichnisse gibt es in Deutschland. Welchen kann man trauen?
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Echt oder nicht? Der unsaubere Kampf der Branchenregister tobt seit Jahren. Foto: Daniel Karmann dpa/lby |
„Wir sind schon mal auf ein Betrügerangebot hereingefallen, das war teuer. Und jetzt wollte man uns schon wieder täuschen“, sagt Sven Walter, Chef von Haushaltwerbung Walter Berlin in Lichtenberg. Sein Unternehmen mit 20 Angestellten verteilt Prospekte an Haushalte. Schon seit Jahren schaltet er eine größere kostenpflichtige Anzeige beim Klassiker, den Gelben Seiten, die in einer fast konstanten gedruckten Auflage von gut 1,5 Millionen Stück erscheinen und von der Berliner Fernsprechbuch GmbH (BFB) herausgegeben werden. Die BFB ist der Vertragspartner der Deutschen Telekom Medien (DeTeMedien), also einer Nachfolgerin der gelben Post.
Im März erreichte Walters Büro dann eine E-Mail vom „Gelben Branchenbuch“. Dieser war ein Fax-Vordruck beigefügt, auf dem Walters Firmendaten bereits eingetragen waren. Er solle diese bitte überprüfen und bei Interesse am „Premium Business Eintrag“ an die angegebene Fax-Nummer schicken. „Die Mail wirkte wie eine Routine-Abfrage der Gelben Seiten“, sagt Walter. Er unterschrieb aber nicht, las das Kleingedruckte. Daraus ging hervor, dass man sich mit der Unterschrift für zwei Jahre an das Gelbe Branchenbuch bindet. Kosten: 780 Euro pro Jahr – zu zahlen im Voraus. In noch kleinerer Schrift stand unter diesem Antrag, wer wirklich hinter dem Angebot steckt: Eine Firma Namens Ucalegon Inc. mit einer Adresse im 15. Stock eines Bürohauses in Bangkok. Per E-Mail teilt ein Sprecher des Unternehmens mit: „Wie sie sich sicherlich vorstellen können, ist es nicht leicht, in einen Markt einzudringen, der in Deutschland bis vor nicht allzu langer Zeit ein rein staatlicher war.“
Die Ucalegon Ltd. sei eine Gesellschaft mit Hauptsitz in Victoria auf den Seychellen. Über Eigentümer dieser Gruppe mochte er keine Auskunft abgeben, versicherte aber, „dass hinter dem Gelben Branchenbuch finanzkräftige Investoren stecken, die sich auch von größeren Gesellschaften nicht einschüchtern lassen“. Damit meint er die Partner der DeTeMedien, wie eben die Berliner Fernsprechbuch GmbH. Deren Justitiarin Kristina Schmidt berichtet von vielen irritierten Kunden. „Wenn die mich anrufen, weil sie unbeabsichtigt einen Vertrag bei einem unseriösen Anbieter unterschrieben haben, weil sie es für ein Angebot der Gelben Seiten hielten, rate ich sofort zu einem Rechtsanwalt zu gehen und sich beraten zu lassen.“
"Wir prüfen, ob wir rechtliche Schritte
gegen das Gelbe Branchenbuch einleiten"
Peter Solf, Deutscher Schutzverband gegen Wirtschaftskriminalität
Der Deutsche Schutzverband gegen Wirtschaftskriminalität (DSW) in Bad Homburg hat das Gelbe Branchenbuch bereits wegen unzulässiger E-Mail-Werbung abgemahnt. „Wir prüfen derzeit, ob wir rechtliche Schritte einleiten“, sagt DSW-Geschäftsführer Peter Solf. „Die Vorwürfe sind natürlich völliger Unsinn“, schreibt hingegen das Unternehmen.
Der Kampf der Branchenregister um Kunden tobt schon seit Jahren. Der Verband Deutscher Auskunfts- und Verzeichnismedien (VDAV) warnt auf seiner Internet- seite vor unseriösen Anbietern und listet im Gegenzug alle 160 Mitgliedsunternehmen auf, denen man vertrauen könne (www.vdav.de). Zudem bietet der Verband einen Prüfkatalog an, neun einfache Fragen, anhand derer man die Seriosität abklopfen kann, wie: Kennen Sie den Absender? Sind sie bereits Kunde?
Man muss sein Unternehmen auch nicht in einem gelben Verzeichnis eintragen, um gefunden zu werden. Es gibt Anbieter, die ganz spezielle Nischen besetzen, wie die Hamburger „Wer liefert was? GmbH“, die seit 75 Jahren ihr Verzeichnis herausgibt, das sich nicht an Endverbraucher, sondern ausschließlich an Unternehmer richtet. Das aktuelle Verzeichnis führt 380 000 Unternehmen auf, davon über 12 000 aus Berlin und 10 000 aus Brandenburg.
Aber auch in der Nische ist man nicht sicher: Markus Mattuscheck von „Wer liefert was?“, klagt ebenfalls über zwielichtige Wettbewerber. „Dabei werden nicht nur die Namen seriöser Unternehmen zu unlauteren Zwecken missbraucht, es gibt im Markt auch unseriöse Anbieter, die Unternehmen unter Vorspiegelung falscher Tatsachen zu zahlenden Kunden machen wollen.“ Es wird auf dem Markt wohl immer schwarze Schafe geben. Mattuschek rät Unternehmern, die Zweifel haben: Rechnung zahlen, den Vertrag aber anfechten, und einen Anwalt nehmen.
Kevin Hoffmann
Haushaltwerbung Walter Berlin
Geschäftsführer: Sven Walter
Adresse: Coppistraße 7, 10365 Berlin
Umsatz: 6 Millionen Euro
Mitarbeiter: 20
Telefon: 030 / 505 09 30
Web: www.walter-werbung.de
Aus der Ausgabe 5 / 2008

