Was bleibt vom Web 2.0

Die Aufregung um Second Life und Co.ist abgeebbt. Haben sich die neuen Konzepte im Internet bewährt?
Geschäftsladen in Second Life: Mit neu entwickelten Browsern könnte die Grenze zwischen zwei- und dreidimensionalem Internet fallen. Foto: promo

Ganz schön einsam ist es bei der Weltzeituhr am Alexanderplatz. In der Ferne huschen dunkle Gestalten vorbei, denen man aber lieber nicht begegnen will. Die Baustellen sind verwaist, das Führerhaus der Straßenbahn verlassen. Nicht der kleinste Windhauch regt sich. Aus einem Hauseingang schallt Techno. Hier soll man Geld verdienen können?

Mit großem Aufwand kon­­stru­iert die Berliner Firma Youin 3D.com seit dem vergangenen Jahr die Berliner Innenstadt für das Online-Spiel Second Life. New Berlin heißt das Projekt. 

Die virtuelle dreidimensionale Welt galt als die Zukunft des Internets, als Flaggschiff des vielfach beschworenen Web 2.0, in dem der Internetnutzer nicht nur als Empfänger von Informationen betrachtet wird, sondern selbst Inhalte schafft.
Zwischen Oktober 2006 und August 2007 verachtfachte sich die Zahl der Second Life Nutzer auf acht Millionen. Spätestens als Ailin Gräf, im virtuellen Leben als Anshe Chung bekannt, ihre erste reale Dollar Million mit Second-Life-Immobilien verdiente, wurde aus Spiel Ernst. Viele Unternehmen eröffneten Dependancen.

Wie im richtigen Leben gibt es am New Berliner Alexanderplatz ein Alexa. TVBerlin hat Räume unterhalb des Fernsehturms gemietet. Doch es sind Zweifel aufgekommen, ob Second Life und Web 2.0 Größen wie Youtube, Flickr oder Myspace die an sie gestellten Hoffnungen erfüllen und wie sinnvoll es ist, als Unternehmer mit auf den Zug aufzuspringen. Die Statistik spricht noch nicht dafür. Gerade einmal 1500 Menschen suchen täglich New Berlin im Internet auf. Etwa drei Personen sind im Durchschnitt gleichzeitig vor Ort. Das Gefühl der Leere kommt nicht von Ungefähr.

 Dennoch schreibt Youin 3D.com schon schwarze Zahlen. Zum einen verkauft das Unternehmen virtuelle Immobilien, Kleidung, Möbel. Zum anderen werden Werbeflächen vermietet. Litfass­­­-­Säulen wie im richtigen Leben. „Der Werbeeffekt ist sehr viel größer als bei herkömmlicher Bannerwerbung“, sagt Arnold.

Denn das Erlebnis in einer dreidimensionalen Umgebung ist intensiver als auf einer einfachen Internet­seite. Noch ist Second Life im Gegensatz zu vielen anderen Web 2.0 Angeboten sehr schwerfällig. Bevor man in die virtuelle Welt einsteigen will, muss ein 34 Megabyte starkes Programm aus dem Internet geladen werden. Eine Schwelle, die viele vor der Nutzung abhält.

Doch inzwischen wird an Internetbrowsern gearbeitet, die auch dreidimensionale Seiten darstellen können. Von hier könnte ein entscheidender Impuls für den Markt kommen. Doch auch ohne dritte Dimension können Web 2.0 Anwendungen sinnvoll sein.
Beim Reiseportal Tripsbytips.com geben Nutzer Empfehlungen für Reiseziele ab. Werden Hotels besprochen, sind diese zu externen Anbietern verlinkt, bei denen man die Übernachtungen buchen kann. Dafür bekommt Tripsbytips.com ein Honorar. Weitere Einnahmen stammen aus Textinseraten von Google, die auf die Inhalte abgestimmt sind. „Webseiten, die Informationen liefern, haben es leichter, Geld zu verdienen“, sagt Geschäftsführer Uwe Frers. Reine Kommunikationsplattformen müssen diesen Nachweis noch erbringen. 

Henning Zander


Firmeninfos

Youin3D.com
Geschäftsführer: Jan Northoff, Tobias Neisecke, Jörn Arnold
Adresse: Hannoversche Str. 3, 10115 Berlin
Mitarbeiter: 15
Web: www.youin3D.com

Tripsbytips.com
Geschäftsführer: Uwe Frers
Adresse: Reichenberger Str. 113 a, 10999 Berlin
Mitarbeiter: 10
Telefon: 030 / 616 52 84 00
Web: www.tripsbytips.com


Aus der Ausgabe 4 / 2008

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