Alle Karten auf den Tisch

Wie überbringt man in schlechten Zeiten unangenehme Nachrichten? Ein paar Ratschläge für die Kommunikation in der Krise
Offensive Kommunikation: Zum Hörer greifen, aber auch mal zuhören
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Es war ihr Lebenswerk. Mehr als zwanzig Jahre hatte Gabriele Sawitzki ihren Handwerksbetrieb in Mariendorf geführt. Doch dann verspekulierte sie sich, machte zu hohe Investitionen zum falschen Zeitpunkt. Die Metallbauerin musste Insolvenz anmelden. Hätte sie die Krise frühzeitig erkannt, hätte sie vielleicht auch mehr Zeit gehabt, gegenzusteuern.

| Richtigstellung |
Die Insolvenz der Karamba Schmiede und Schlosserei GmbH musste im Jahr
2002 angemeldet werden. Die Ursachen der Insolvenz waren nicht, wie dargestellt, Fehlspekulationen (zum Beispiel an der Börse) sondern zu hohe Investitionen in den Umweltschutz in Hinblick auf die Verbesserung der Nachbarschaft von produzierendem Gewerbe, Büros und Wohnen sowie den nachhaltigen Klimaschutz. Parallel dazu erlitt der Bau- und Baunebenbereich einen deutlichen wirtschaftlichen Rückgang.

Das Lohnniveau im West-Betrieb mit tarifgerechter Entlohnung tat sein Übriges: Karamba scheiterte weil es die aufgenommenen Kredite nicht tilgen konnte.
In Folge des damaligen Diskussionsprozesses mit Wirtschaftsamt, Amtsgericht, Gläubigern und Insolvenzverwalter habe ich dann im Anschluss die Einzelunternehmung Gabriele Sawitzki gegründet, die bis heute erfolgreich mit sechs Mitarbeitern am Markt ist. Seit 2006 ist der Hauptfertigungsstandort des design-orientierten Metallbaus Mariendorf.

Gabriele Sawitzki


„Bei vielen Unternehmern überwiegt die ‚Wird schon‘-Mentalität“, sagt Sawitzki. Häufig fällt es ihnen schwer, die eigenen Fehler und Schwächen einzugestehen. Sie fühlen sich in der Krise wie gelähmt. „Ein Unternehmer ist nur dann einer, wenn er etwas unternimmt – nicht, wenn er etwas unterlässt“, sagt Peter Karg. Seit 25 Jahren zeigt der Unternehmensberater Firmen, mit welchen Kommunikationsstrategien sie Krisen meistern können. Vor allem die interne Kommunikation bleibt mitten in der Rezession bei vielen Betrieben auf der Strecke. Aber gerade dann verbringen Mitarbeiter viel Zeit damit, sich Schreckensszenarien auszumalen. Ein Management, das nicht offensiv und sachlich kommuniziert, riskiert, dass sich die Krise so verselbstständigt.

Nicht erst dann informieren, wenn die Gerüchteküche schon am Brodeln ist

Dabei kann die Krise auch ein produktiver Zustand sein – man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen. Das hat der Autor und Architekt Max Frisch behauptet. „Eine Unternehmenskultur wächst oft erst in turbulenten Zeiten“, sagt Peter Karg. Da sei man auf den sozialen Klebstoff und feste Spielregel im Umgang miteinander angewiesen.
Doch wie überbringt man schlechte Neuigkeiten? Karg empfiehlt, ruhig mit seinen Bedenken und Bauchschmerzen an die Mitarbeiter heranzutreten, sich aber nicht bei ihnen auszuheulen. „Die aktuelle Lage so schildern, wie sie ist – und Lösungen anbieten“, sagt der Kommunikationstrainer.

Wer harte Einschnitte machen und Personal entlassen muss, ist gut beraten, seine Entscheidungen klar und nachhaltig zu verkünden. Mit einer „Salami-Taktik“, bei der Informationen nur scheibchenweise an die Belegschaft weitergegeben werden, verliert das Management nur noch den Rest des Vertrauens seiner Mannschaft. Das sieht auch Unternehmensberater Karsten Ehlebracht so: „Initiativ und frühzeitig handeln – nicht erst, wenn die Gerüchteküche schon am Brodeln ist.“
Was sich laut Peter Karg des Öfteren bewährt hat, ist eine Kommunikationsplattform. Das kann im einfachsten Fall ein Briefkasten sein, in den die Mitarbeiter Kommentare und Vorschläge einwerfen können, oder ein Intranet. „Es lohnt sich, das Personal in die Problematik mit einzubinden – und auch mal zuzuhören“, sagt der Berater. Nicht nur einmal hat er einen Vorsitzenden vor der Belegschaft stehen sehen, zu Tränen gerührt über das Engagement der Angestellten. „Wer vorher auf sein Imagekonto einzahlt, bekommt es in der Krise oft doppelt zurück“, sagt Karg.

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| p.i.t.-Organisationsberatung |

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Adresse: Alt-Moabit 91 d,
10559 Berlin
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Doch das oberste Gebot der Krisenkommunikation lautet: Niemals versprechen, was man nicht halten kann. Das gilt nicht nur für den Umgang mit Mitarbeitern, sondern auch für Gespräche mit Lieferanten, Auftragnehmern und natürlich mit den Banken. Schließlich stehen Vertrauen und Glaubwürdigkeit auf dem Spiel. „Jeder hat mal Verständnis für ein Problem, aber nur dann, wenn die Zusagen auch eingehalten werden“, sagt Karsten Ehlebracht.

Das sieht Gabriele Sawitzki anders. Im Gegensatz zu Mitarbeitern höre bei Auftragnehmern und Lieferanten das Verständnis schnell auf, wenn kein Geld mehr fließe. „Man kann auch zu ehrlich sein“, sagt die Unternehmerin. Sie glaubt, dass es manchmal besser gewesen wäre, zu pokern – solange man sich nicht in Lügen verzettelt. „Es ist eine Gratwanderung“, sagt Sawitzki. Ihr Rat: Wer schlechte Nachrichten überbringen muss, sollte zuvor durch die Brille der anderen Seite auf den Sachverhalt schauen. „Und niemals schwierige Gespräche in emotional aufgeregter Situation führen“, empfiehlt die Metallbauerin.

Sachlich bleiben und einen kühlen Kopf bewahren – das ist auch eine wichtige Regel für den Umgang mit den Banken. Emotionen sind hier fehl am Platz. Einfacher gesagt als getan, denn der Druck, der auf manchen Unternehmern lastet, ist groß. „Deswegen ist es hilfreich, einen neutralen Berater dazwischen zu schalten, der nicht emotional am Betrieb hängt“, sagt Peter Karg. Als Unternehmer sei man oft zu naiv. Wie offen man seine Schwierigkeiten der Bank darlegen sollte, hängt laut Karg stark von der Branche ab: So sei etwa der Handel stärker von Bankkrediten abhängig als der IT-Bereich: „Dort ist es wichtiger, die Kunden mit ins Boot zu holen.“
Letztlich gilt für die Krisenkommunikation Karg zufolge, was schon J.H. Pestalozzi wusste: „Entschlossenheit im Unglück ist immer der halbe Weg zur Rettung.“

Laura Wieland


Aus der Ausgabe 2 / 2009

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