Der gute Ruf im Internet

Immer mehr Kunden informieren sich durch Blogs und Foren im Netz. Die Mundpropaganda ist für Firmen Chance und Risiko zugleich
Wissen Sie eigentlich, was man sich online so über Sie erzählt? Das Team der Firma Construktiv hilft, die Flüsterpost im Netz zu durchschauen.
Foto: Thilo Rückeis

Die Firma Travel Charme Hotel aus Berlin-Tegel vermittelt Hotels und Appartements von der Ostseeküste bis nach Sardinien. Anfang Januar hat sie einen Blog eröffnet (www.hotel-blog.de). „Da wollen wir nicht Travel Charme in den Vordergrund stellen, sondern interessante Themen für Menschen zusammentragen, die sich für Hotels allgemein interessieren“, sagt Dominik Sobotka, Leiter des Bereichs Online-Kommunikation. Er bezahlt einen freien Journalisten mit Textgefühl („keine Unsummen“), damit dieser auf den Seiten über einen Namensstreit des Hotels Adlon berichtet oder von einer Aktion, in der Greenpeace-Aktivisten in Spanien ein Hotel verhüllt haben, um gegen die Verschandelung der Küste zu protestieren. Durchaus kritische Texte sind dabei, aber eben auch interessante Themen, die immer mehr Leser anziehen dürften. Hier und da werde man auf die Angebote von Travel-Charme verweisen, kündigt Sobotka an. Das ist ja Sinn der Sache.

 Immer mehr Geschäftsführer ahnen, dass es heute mit einer schicken Homepage allein nicht mehr getan ist. Die Nutzer und möglichen Kunden googeln, bloggen und twittern, dass einem schwindelig wird. Doch wo im Internet muss man sich zeigen und wo will man lieber nicht gesehen werden?  Während die eigenen Leute noch an einer schicken Online-Präsentation arbeiten, um das neue Produkt vorzustellen, ist es vielleicht von Kunden beim Bewertungsportal ciao.de längst zerredet worden. Andere Interessierte googeln danach und finden negative Bewertungen bei den ersten Treffern. Dann ist es fast schon zu spät.

Mittlerweile gibt es verschiedene Dienstleister, die Firmenkunden helfen, das Internet-Chaos zu bändigen, selbst Initiative zu ergreifen. Die Agentur Construktiv für Online, Print und PR beschäftigt 60 Mitarbeiter in Berlin und Bremen.  Sie helfen, den Online-Auftritt fit für die Zukunft zu machen: Wie bindet man einen Blog, einen Twitter-Account oder Mister-Wong-Button ein? Das ist Fachchinesisch und steht für einige der Neuerungen, die man unter dem Schlagwort „Web 2.0“ zusammenfasst.

Grundsätzlich rät Construktiv-Sprecher Christian Clawien, den Internetauftritt suchmaschinenfreundlich zu gestalten. Das klingt banal, da fast jeder weiß, dass mehr als 90 Prozent der Internetnutzer über Google eine Seite finden. Viele Firmen verschwenden aber viel Energie mit der Gestaltung von Bildern und beweglichen Grafiken, dabei kann die Suchmaschine nur Text interpretieren. Man sollte auch an Vertipper denken. In Kanzleien weiß man, dass es juristisch korrekt „Schadenfall“ heißt. Aber fast jeder wird im Internet nach Hilfe im „Schadensfall“ suchen.

Firmeninfo
| Construktiv GmbH |
Geschäftsführer: Kai Tietjen
und Tobias Ihde
Adresse: Invalidenstraße 112,
10115 Berlin
Umsatz: 4,4 Millionen Euro
Mitarbeiter: 60
Telefon: 030 / 40 20 30 99-0
Web: www.construktiv.de

Ratsam sei auch ein Eintrag ins Google-Branchenregister, durch den man dann mit einem kleinen Fähnchen auf dem Stadtplan bei Google-Maps angezeigt wird.
Das zu den Grundlagen. Was aber ist mit den geliebten wie gefürchteten Produktforen wie ciao.de? Da könnte man doch einfach selbst einen positiven Produkttest reinschreiben. „Nein, Jubel-Berichte werden schnell enttarnt und wirken nicht authentisch“, warnt Clawien.

Dienstleister wie das Unternehmen Infospeed aus Köln gehen für ihre Kunden mehrstufig vor: Zuerst kommt die Identifikation. Welche Blogs und Portale befassen sich überhaupt mit der Firma? Es folgt die Analyse: Welche Meinung haben die User von der Firma? Dann kommt das Monitoring, bei dem auf Wunsch regelmäßig ein Dossier über das Erscheinungsbild der eigenen Firma erstellt wird. Und Infospeed ergreift auch „Maßnahmen“, hilft, die Internet-Community gezielt mit Informationen zu versorgen, wie es heißt.

Kevin P. Hoffmann


Aus der Ausgabe 3 / 2009

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