Telefondraht aus Mexiko

Das Sortiment der Berliner Museumsshops ist so vielfältig wie das der Mutterhäuser. Die Kundschaft kauft – trotz Wirtschaftskrise
Stöbern und schmökern: Berlin-Besucherin Mija Krämer liebt Museumsshops. Foto: Thilo Rückeis

Wer Museen liebt, der hat es gut in Berlin. Rund 200 private und staatliche Besichtigungsstätten zählt die Hauptstadt. In der Vielfalt stehen die Berliner Museumsshops den Ausstellungshäusern in nichts nach: Fast jedes Museum in der Stadt hält inzwischen für seine Besucher unter demselben Dach einen Museumsladen bereit. Das Sortiment der Geschäfte orientiert sich neben „Klassikern“ wie Postkarten, Plakaten und Fachbüchern zumeist an der Ausrichtung des jeweiligen Hauses: Wer also beispielsweise den Museumsladen einer Kunstsammlung aufsucht, darf in erster Linie auch mit allerlei rund um die Kunst rechnen.

Firmeninfo
| Bücherbogen |
Laden-Chef: Sven Wallrodt
Adresse: Potsdamer Straße 50,
10785 Berlin
Umsatz: k. A.
Mitarbeiter: 2
Telefon: 030 / 261 10 90
Web: www.buecherbogen.com

So hat sich der Museumsshop in der Neuen Nationalgalerie an der Potsdamer Straße im Wesentlichen auf Bücher beschränkt. Seit 1989 finden Touristen und Berliner im „Bücherbogen“ im Souterrain des Hauses rund 5000 Titel zum Thema Moderne Kunst. Es ist eine bunte und gut sortierte Mischung, die die Kundschaft in dem rundum verglasten Laden erwartet: Neben zahlreichen Monografien über Künstler wie Paul Cézanne, Frida Kahlo oder Andy Warhol finden Besucher hier auch Architekturführer, Bücher über Kunsttheorie oder Mode- und Innendesign. Einen großen Teil der Literatur gibt es nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Englisch, Spanisch oder Italienisch – schließlich steht und fällt das Geschäft mit den ausländischen Touristen, die die Neue Nationalgalerie besuchen. Sie kaufen vor allem das, was nicht zu viel kostet und im Koffer keinen Platz wegnimmt“, sagt Buchhändlerin Anna Boneberger. Und sie geben Geld aus – trotz Wirtschaftskrise. Zu den besten Kunden der Museumsbuchhandlung gehören laut Laden-Chef Sven Wallrodt Touristen aus Skandinavien und Japan: Bücher sind in Deutschland erheblich günstiger als in den Heimatländern dieser Besucher.

Neben den Büchern hat das Museumsgeschäft an der Potsdamer Straße auch Kunstpostkarten, Notizbücher, Magnete und ein Kunst-Quiz im Kartenformat zu bieten. Neuerdings verkauft der „Bücherbogen“ sogar Literatur für Kinder: 3D-Bücher zum Aufklappen, „Van Gogh für Kinder“, Malbücher und dergleichen. „Dafür geben die Eltern gerne Geld aus“, sagt Laden-Chef Sven Wallrodt.

Unsere Kunden kaufen gerne Dinge, über die sie im Museum etwas gelernt haben

Eines der beliebtesten Museen Berlins ist nach wie vor das Museum am Checkpoint Charlie. Wie der „Bücherbogen“ in der Neuen Nationalgalerie hat sich auch der dazugehörige Shop thematisch spezialisiert. In dem Geschäft an der Friedrichstraße dreht sich alles um die Berliner Mauer und den Checkpoint Charlie. Im Gegensatz zum „Bücherbogen“ gibt es in dem Laden nur wenig Gedrucktes zu kaufen – und dafür jede Menge Kleinkram. „You are leaving the American Sector – Vous sortez du secteur americain – Sie verlassen den amerikanischen Sektor“ ziert Kühlschrankmagnete, Aufkleber, Bleistifte, Kugelschreiber, Kaffeetassen, Schokoladentafeln, Streichhölzer. Außerdem gibt es auf den Regalen und Tischen diverse T-Shirts mit Aufdruck (z.B. „Ich bin ein Berliner. 20 Jahre Fall der Mauer“) und Originalstücke der Berliner Mauer in verschiedenen Größen.

Wie man hört, ist der Museumsshop vor allem bei Amerikanern sehr beliebt: Wenn sie einkaufen, schlagen sie gleich richtig zu und geben schon mal dreistelllige Summen aus.

Bunt geht es im Museumsladen des Ethnologischen Museums in Dahlem zu. Neben einer großen Auswahl an Büchern über Architektur, Kunsthandwerk, Fotografie, Malerei aus Asien, Afrika, Südamerika und Ozeanien gibt es hier im „Artshop“ vor allem Schmuck und Kleinigkeiten aus außereuropäischen Regionen zu kaufen.

Ob knallbunte Babyrasseln aus Mexiko, Teeschälchen aus Japan, Armreifen aus Kuhhorn (Südafrika) oder Telefondraht (Mexiko): Die Waren, die auf einem Tisch und in Vitrinen feilgeboten werden, sind zum Teil Unikate, die hauseigene Ethnologen für den Museumsshop aus fernen Ländern mitbringen. „Wir achten darauf, dass unser Sortiment zu den jeweiligen Ausstellungen im Haus passt“, sagt Tina Buchen, die die zum Artshop gehörende Fachbuchhandlung führt. „Museumsbesucher kaufen gern Dinge, über deren Geschichte und Herkunft sie im Museum etwas gelernt haben.“

Sarah Kramer


Aus der Ausgabe 10 / 2009

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