Mehr als nur Hin und Weg
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Lebensmittel-Discounter bieten inzwischen auch Pauschalreisen an. Foto: dpa |
Mit Beginn der Winterferien werden sich viele Berliner auf den Weg in den Urlaub machen. Über Reisebüros können Abstecher nach Österreich zum Skifahren oder nach Kalifornien zum Strandurlaub gebucht werden. Für die klassische Reisebranche bedeutet das aber nicht immer ein großes Umsatzplus. In den vergangenen Jahren hatten Reisebüros neben Buchungseinbrüchen auf Grund von terroristischen Anschlägen und der Wirtschaftskrise auch mit wachsender Konkurrenz zu kämpfen. Online-Anbieter wie Expedia und Discounter wie Aldi, Lidl und Penny steigen verstärkt in den Reisemarkt ein. Wie die Reisebüros vermitteln sie Angebote von Veranstaltern an Reisende.
Das führt zum Schwund von Reisebüros. In Berlin hält dieser Negativtrend seit fünf Jahren an. Im Vergleich zum Jahr 2008 gab es 2009 drei Prozent weniger Neueröffnungen von Reisebüros. Etwa 200 Reisebüros mussten schließen. Um dem entgegenzuwirken und sich von der Konkurrenz abzuheben, bieten einige Reisebüros zusätzlich zum Reiseangebot spezielle Dienstleistungen für ihre Kunden an.
Die Preise, die der Discounter anbietet, sind dieselben wie im Reisebüro
Das Reisebüro Travelbox zum Beispiel stellt einen kostenlosen Transfer zum Abflughafen bereit. „Wir waren eines der ersten Reiseunternehmen, das diese Dienstleistung für seine Kunden angeboten hat“, sagt Geschäftsführer Jens Lange. Das vor 15 Jahren eröffnete Büro konnte so seinen Kundenstamm ausbauen und festigen. Mittlerweile hat Travelbox vier Standorte in und um Berlin. Andere Reisebüros wie die Reiseagentur für barrierefreies Reisen von Carsten Müller bieten einen speziellen Service für ihre behinderten Kunden an. Rollstuhlfahrer werden beispielsweise mit speziellen Bussen zum Flughafen gefahren. Denn aufgrund ihrer besonderen Bedürfnisse ist es für Menschen mit einer Behinderung schwer, eine passende Reise zu finden.
Viele Kunden buchen ihre Reisen laut Stiftung Warentest beim Discounter, da dieser vermeintlich billigere Angebote hat. Nur noch 60 Prozent der Reisen werden laut Marktumfrage der DER, eines Touristik-Unternehmens der Rewe Gruppe, in einem Reisebüro gebucht. Von diesen Kunden sind mehr als ein Drittel so genannte Besserverdienende mit einem Netto-Einkommen von mehr als 2500 Euro. Daher wirken Discounterangebote vor allem auf junge Leute und Familien mit wenig Einkommen verlockend.
Laut Stiftung Warentest sollten die Angebote von Discountern genau geprüft werden. Oft muss man die Verpflegung und Ausflüge extra bezahlen. „Unüberschaubare Kosten im Urlaub sind eine der Hauptursachen, warum Kunden bei der nächsten Buchung lieber ein Reisebüro aufsuchen“, sagt Lange.
Geschäftsführer: Jens Lange
Adresse: Einkaufszentrum
Welse Galerie 2, 13057 Berlin
Umsatz: k. A.
Mitarbeiter: 6
Telefon: 030 / 92 79 90 20
Web: www.travelbox.de
Hinter den Reiseangeboten der Discounter stehen meist größere Veranstalter. So ist Reisewelt der Kooperationspartner von Penny und Paneuropa der von Lidl. Das bedeutet, dass Reisen nicht direkt in den Filialen, sondern nur telefonisch oder im Internet über den Kooperationspartner gebucht werden können. „Die Preise, die der Discounter anbietet, sind dieselben wie im Reisebüro. Das Reisebüro berät den Kunden aber zusätzlich über ähnliche Angebote oder Mehrleistungen“, sagt dazu Geschäftsführer Jens Lange.
Die Kunden nutzen Angebote von Discountern aber auch wegen Zeitmangels. Etliche Reisebüros schließen bereits um 18 Uhr, wenn viele Menschen noch im Büro sind. Discounter haben dagegen meist bis 20 Uhr oder noch länger geöffnet. Das Internet steht rund um die Uhr zur Verfügung. Seit 2002 bietet die Travelbox daher den „Haustürservice“ an. Ein Mitarbeiter des Reisebüros führt das Beratungsgespräch beim Kunden zu Hause. Auch andere Unternehmen, wie das mobile Reisebüro Berlin, bieten diese spezielle Dienstleistung an.
Laut der Marktumfrage von DER sind Beratung und Hilfe bei der Angebotsauswahl die wichtigsten Gründe für die Nutzung eines Reisebüros bei der Buchung eines Urlaubs.
In den vergangenen Jahren sind vor allem Kurreisen bei den Kunden beliebt geworden, so Lange. Für die wachsende Zahl älterer Menschen in Deutschland sind Kurreisen als Mischung aus Urlaub und medizinischer Pflege interessant. Außerdem hat diese Altersgruppe meist das Geld, um regelmäßig zu verreisen.
Lange hat auf diesen Trend reagiert und 2009 als eigener Veranstalter einen Katalog für Kurreisen auf den Markt gebracht. Zusätzlich bietet er im Internet unter kurwelten.de eine breite Auswahl an Kurreisen an. „Mittlerweile erwirtschaften wir damit 50 Prozent des Umsatzes“, sagt er. Besonders in den umsatzschwachen Monaten könnten dadurch die Verluste abgefangen werden.
Judith Ratajczak
Aus der Ausgabe 2 / 2010

