Heiß, heißer, Berlin
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Südsee an der Spree: In Berlins Strandbars lässt sich der Sommer aushalten. Foto: Mike Wolff |
Busladungen voll mit grölenden, jugendlichen Touristen, die vor einem Hostel ausgekippt werden und sich anschließend volltrunken auf den Weg machen, die im Reiseführer ausgewiesene Partymeile zu erobern: eine Horrorvorstellung für jeden friedliebenden Berliner, der in Ruhe seinen Sommer und sein Feierabendradler genießen will.
Elmar Bassen kennt solche Bilder und will dafür sorgen, dass sie in Berlin nicht die dominierenden werden. Deshalb ist die Kampagne „Summer of Berlin“ nicht nur eine, die um junge Besucher aus dem In- und Ausland wirbt, sondern auch eine, die sich an die Berliner selbst richtet. „Ich möchte nicht, dass der Stadt ein Image aufgepfropft wird, das an den Bewohnern völlig vorbeigeht“, sagt Bassen, der Kampagnenmanager bei der Music Commission ist. Die Genossenschaft vernetzt kleine und größere Partyveranstalter, Strandbars und Clubbetreiber und arbeitet beim „Summer of Berlin“ zusammen mit den Hauptstadtwerbern Berlin Tourismus Marketing GmbH (BTM) und Berlin Partner.
Wir wollen das Flair des Berliner Sommers auch nach innen tragen
Die Besucher sollen strömen und Berlins vitale Clubkultur und Szenelandschaft kennen lernen – die Berliner wiederum sollen dabei mitfeiern und nicht am Rande stehen. „Wir wollen eine positive Stimmung kommunizieren und das Flair des Berliner Sommers auch nach innen tragen“, sagt Bassen. Multikulturell, weltoffen, jung und fröhlich – das sind die Attribute, mit denen der Sommer in Berlin in Verbindung gebracht werden soll. Nirgendwo sonst in der Stadt ist diese Atmosphäre wohl so deutlich zu spüren wie in den zahlreichen Strandbars vom Yaam bis zum Bundespressestrand, wo in lauen Sommernächten zu loungiger Musik und mit Blick auf die Spree Cocktails geschlürft und die Füße im weißen Sand vergraben werden können.
So waren es auch die Betreiber der Bars, die Ende April gemeinsam mit BTM-Chef Burkhard Kieker auf dem Partyschiff Hoppetosse den „Summer of Berlin“ ausriefen. Kieker selbst ging anschließend auf Tournee, um das „Berlin-Gefühl“ international zu vermarkten. „Wir wollen neue Zielgruppen in verschiedenen Ländern ansprechen“, erklärt BTM-Sprecher Christian Tänzler. Beispielsweise sei man mit einem Berlin-Abend auf der Expo in Shanghai vertreten. In Tel Aviv gibt es am 11. Juni anlässlich des dortigen Christopher Street Days eine Party in einem Schwulenclub. In Wien wiederum haben die Berlin-Werber eine Strandbar für einen Abend gemietet und einen Berliner DJ mitgenommen, der den Österreichern das Berliner Clubleben nahebringen soll. Mit einer emotionalen Ansprache statt sonst üblicher Präsentationen sollen neue Touristen angelockt werden. Neben den Veranstaltungen werde es innerhalb Deutschlands auch eine Anzeigenoffensive im Rahmen der bestehenden BTM-Kampagne „Von Berlin hat man mehr“ geben. Großveranstaltungen wie der Karneval der Kulturen, der Christopher Street Day oder die Fanmeile zur Fußball-WM werden dazu in die Vermarktung einbezogen. Darüber hinaus bekommt der Internetauftritt www.visitberlin.de Mitte Juni ein neues Aussehen, verspricht Tänzler.
Vorstand: Stephan Rombach
Adresse: Hirtenstraße 18, 10178 Berlin
Telefon: 030 / 86 43 15 15
E-Mail:
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Web:
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Natürlich gehe es bei der Kampagne darum, die Besucher- und Übernachtungszahlen zu steigern. Rund 480 000 Touristen halten sich an einem Durchschnittstag laut BTM in Berlin auf. Von allen Besuchern bilden schon heute die 20- bis 29-Jährigen mit 26 Prozent die größte Gruppe. Die Berlin-Touristen sind also bereits jünger als die Besucher anderer Städte. Dass ihre Zahl weiter steigen soll, habe auch Nachhaltigkeitsgründe, sagt Tänzler: „Die Jungen und jung Gebliebenen, die heute nach Berlin kommen, werden später auch mit ihren Kindern und Enkeln wiederkommen.“ So kümmere man sich schon heute um die Gäste von morgen.
Das Bild von der Partymetropole oder „Europas Hauptstadt der Coolness“, wie BTM-Chef Kieker Berlin nennt, widerspreche dem Bild des historischen Berlins übrigens nicht. „Beides passt hervorragend zusammen.“ Er vergleiche Berlin gern mit dem Reichstagsgebäude: „Von außen eine sehr schöne, alte Fassade und von innen topmodern.“ Die Kombination von Moderne und Historie sei es, die Berlin besonders dynamisch und attraktiv mache.
Die Hälfte der Gäste komme ohnehin nach Berlin, um sich die reichhaltige Museums-, Ausstellungs- und Bühnenlandschaft anzuschauen. Auch Elmar Bassen ist überzeugt davon, dass die Hochkultur weiterhin „sehr wichtig“ für Berlin bleiben werde. Dass die jüngere Kulturszene nun als weiterer Schwerpunkt anerkannt und vermarktet werde, sei eine große Bereicherung für die Hauptstadt, aber keine Konkurrenz für Museumsinsel und Co.
Ulrike Thiele
Aus der Ausgabe 6 / 2010
