Mit Pelle oder ohne?

Geliebt, lange auf den Hüften und seit einem Jahr mit eigenem Museum: Die Currywurst ist in Berlin eine unverzichtbare Marke
Im Museum dudelt Herbert Grönemeyers Song »Currywurst« aus Ketchupflaschen. Foto: dpa

Im Sommer ist Grillsaison, während der Fußballweltmeisterschaft gehören Würstchen und Bier zur Grundausstattung. Eine Wurst liegt jedoch saisonunabhängig in Berlin immer im Trend: Die Currywurst. Mit oder ohne Darm werden in Deutschland 800 Millionen Currywürste pro Jahr verspeist, allein 70 Millionen davon in der Hauptstadt. Um diesen Hunger zu stillen, brutzeln 2000 Buden in Berlin die Currywurst, traditionell in Erdnussöl.

Eine davon ist das Familienunternehmen „Krasselts Imbiss“ in Steglitz. Im Dezember 1959 baute Herbert Krasselt einen Stand auf. Seitdem können hier Currywürste verspeist werden – als ganze Wurst. Die Würste werden hier nicht geschnitten, sondern mit zwei Holzspießchen serviert. Diese Art der Darreichung war gängig, bis Plastikgabeln produziert und die Currywürste in Stücke geschnitten wurden. Nicht nur die Würstchen, auch die Bedienung ist hier urberlinerisch. Lange Reden gibt es hier nicht, der Stammkunde kommt gleich zum Punkt: „Zwei mal zwei mit zwei Brötchen zum Mitnehmen.“ Aus dem Stand wurde bald ein fester Imbiss, und die Soße ist seit Eröffnung bei vielen so beliebt, dass sich zum 50-jährigen Firmenjubiläum eine große Schlange bildete.

Erfindung - Hamburger und Berliner streiten,
wer die Wurst zuerst hatte


Wer seine Wurst lieber geschnitten serviert bekommen möchte, sollte etwa zum Mehringdamm fahren. In Kreuzberg ist „Curry 36“ der Kultimbiss. Hier können sich Nachtschwärmer bis vier Uhr in der Früh noch stärken, ab neun Uhr morgens kann die Currywurst als Frühstück herhalten.

Wegen der langen Schlangen lohnt es sich, sich rechtzeitig anzustellen. Bei „Curry 36“ essen BVG-Mitarbeiter, Bundestagsabgeordnete, Polizisten und Bela B von den Ärzten. Um dem Ansturm gewachsen zu sein, sind täglich vier Fritteusen, fünf Grills und zwei Pfannen im Einsatz.

Adressen
| Currywurst |

Bier’s Kudamm 195
Kurfürstendamm 195,
10707 Berlin

Curry 36
Mehringdamm 36,
10961 Berlin

Dom Curry
Mohrenstraße 30,
10117 Berlin

Hotel Adlon Restaurant Quarré
Unter den Linden 77,
10117 Berlin

Konnopke’s Imbiß
Schönhauser Allee 44 a,
10435 Berlin

Krasselts Imbiss
Steglitzer Damm 22,
12169 Berlin

Um der Bedeutung der Currywurst gerecht zu werden, wurde ihr in Berlin auch ein Museum gewidmet. In Mitte eröffnete 2009 das erste Currywurstmuseum nach drei Jahren Planung und Umsetzung. Am 15. August feiert es einjährigen Geburtstag. Der Besucher erfährt, welche Imbisse es in Berlin gibt, was in die Soße gehört – manche Imbisse schmecken sie mit Cola ab – und wie ökologisch Pappschälchen sind. Genauso sind auch eigenwillige Produkte vertreten. Aus den USA stammt ein Wurstwasser, das sich echte Fans aufwärmen und trinken können. Der Kaloriengehalt sei ähnlich wie der einer echten Currywurst, sagen Experten.

In einem eigenen Raum wird die Geschichte von Herta Heuwer erzählt, die in Charlottenburg 1949 die Currysoße erfand. Im Januar 1959 meldete die Berlinerin die Soße als Patent an, unter dem Namen „Chillup“. Mit der Soße hatte Heuwer so einen Erfolg, dass sie in ihrem Imbiss zeitweise 19 Mitarbeiter einstellen konnte. Obwohl der Konzern Kraft anbot, ihr das Rezept abzukaufen, nahm Heuwer das Geheimnis um die genaue Zutatenmischung mit in ihr Grab, sodass die Stände heute eigene Soßenrezepte haben.

Zwar beanspruchen auch die Hamburger die Erfindung der Currywurst für sich, doch Museumsleiterin Birgit Breloh sieht das gelassen: „Natürlich waren wir nicht dabei, aber es ist historisch sehr gut nachvollziehbar, dass die Erfindung aus Berlin kommt.“ Dennoch wird im Museum auch die Hamburger Variante der Currywursthistorie erzählt.

Das Museum wird gut angenommen. Nach fast zehn Monaten wären schon über 40000 Besucher in der Ausstellung gewesen, freut sich Breloh. „Bei den deutschen Besuchern dominieren Berliner und Menschen aus Norddeutschland. International kommen Touristen vor allem aus der Schweiz, Österreich, den Niederlanden, Dänemark oder Finnland.“

Für Unternehmen bietet das Museum exklusive und öffentliche Führungen an, der Ausstellungsraum kann auch mit Catering gemietet werden. Als geschlossene Gesellschaft finden hier Firmenfeiern oder Buchpräsentationen statt. Breloh sieht in dem ungewöhnlichen Veranstaltungsort Vorteile: „Die kleinen Stehtische bringen eine andere Gesprächssituation, als wenn alle an einem großen Tisch säßen. Außerdem begeistern die interaktiven Spiele aus dem Museum auch Erwachsene.“

Katharina Kühn


Aus der Ausgabe 7 / 2010

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