Nur Grünes auf die Hand

Die Zahl der Bio-Imbissbuden steigt, weil die Zutaten billiger geworden sind und die Menschen stärker auf ihre Ernährung achten
Mit Siegel: Theke einer Imbissbude, die mit Bio-Lebensmitteln arbeitet.
Foto: Kai-Uwe Heinrich

Der Arbeitstag im Büro ist geschafft, auf dem Weg nach Hause meldet sich knurrend der Magen, schließlich liegt die Mittagspause schon Stunden zurück. Jetzt wird es Zeit für einen schnellen Imbiss. Eva Eisenhardt geht zum Wittenbergplatz und bestellt bei „Fritz & Co.“ eine Currywurst. „Der Geschmack ist intensiver, die Brötchen sind gut und das Fett ist täglich frisch“, sagt sie. Currywurst isst sie nur dort. Der Grund: Das Fastfood hat Bio-Qualität.

Seit 2003 bietet der Imbiss der Firma Witty’s Bio-Produkte an: Curry-, Brat- und Wienerwürste, Hamburger, Pommes und Saucen. Nach Aussage des Inhabers Ernst-Hermann Exter ist das Flaggschiff der Witty’s-Familie der erste Bio-Imbiss Deutschlands. Heute gibt es eine Filiale am Gendarmenmarkt, am neuen Flughafen Berlin-Brandenburg-International soll ein weiterer Bio-Imbiss eröffnen.

„Unsere Currywurst hat nur einen Fettanteil von 22 Prozent, das schmeckt einfach besser und man muss anschließend nicht ständig aufstoßen“, sagt Mitarbeiter Jörg Ertel. Eine konventionelle Currywurst habe 35 Prozent Fett. Die Wurst wird in einer eigenen Manufaktur nach einem Rezept hergestellt, das mit dem Sterne-Koch Michael Hofmann vom Restaurant Margaux entwickelt wurde. Bio-Fleisch und -Gewürze werden bei regionalen Partnern eingekauft, das Frittier- und Bratfett hat Bio-Qualität. Der Imbiss erfüllt neben den Qualitätskriterien des staatlichen sechseckigen Bio-Siegels auch die des Anbauverbands Bioland.

Das Bio-Siegel kennzeichnet Produkte und Lebensmittel, die nach den Vorschriften der Europäischen Gemeinschaft für ökologischen Landbau produziert und kontrolliert wurden. Nach diesen ist beispielsweise die Anwendung von Gentechnik und mineralischem Stickstoffdünger verboten. 95 Prozent der Zutaten landwirtschaftlichen Ursprungs müssen aus dem ökologischen Landbau stammen. Heute tragen 60 000 Produkte von 3700 Unternehmen das sechseckige Zeichen. Das nach einer Umfrage des Marktforschungsunternehmens Konzept & Analyse unter deutschen Verbrauchern bekannteste Ökozeichen wird seit Juli 2010 durch ein neues EU-Bio-Siegel in Form eines Blattes ersetzt. Die Umstellung hat eine Übergangsfrist von zwei Jahren.

Die Anforderungen der deutschen Anbauverbände des ökologischen Landbaus, etwa Demeter, Bioland und Naturland, sind strenger. Die Produkte müssen bespielsweise zu 100 Prozent aus dem Ökolandbau stammen.

Adressen
| Fritz & Co. |
Adresse: Wittenbergplatz 5,
10789 Berlin
Telefon: 030 / 211-94 94
oder -94 96

Yellow Sunshine
Adresse: Wiener Straße 19,
10999 Berlin
Telefon: 030 / 69 59 87 20
Web: www.yellow-sunshine.com

Supergood
Adresse: Friedrichstraße 103,
10117 Berlin
Telefon: 030 / 93 62 69 77
Web: www.supergood.com

Nach Sven Cornelius von der privaten Bio-Kontrollstelle Agro Öko Consult GmbH in Berlin, die im staatlichen Auftrag Bio-Betriebe zertifiziert und kontrolliert, gibt es in Berlin knapp 50 Bio-Gastronomiebetriebe. Auslöser sei der Boom der Bio-Supermärkte und Bioläden zwischen 2003 und 2005 gewesen. Spätestens seitdem Bio-Produkte zum Angebot der Discounter gehören, seien viele Restaurant- und Imbissbudenbesitzer auf den Bio-Trend aufgesprungen. „Heute haben wir ein solides Wachstum“, sagt der Lebensmitteltechnologe. Jährlich kämen etwa sechs Bio-Adressen dazu. Dennoch glaubt er nicht, dass die Bio-Gastronomie künftig den Markt beherrschen wird. „Es wird immer zwei Segmente geben, die einen leisten sich Bio-Qualität, weil sie ihnen etwas Wert ist, die anderen gucken nur aufs Geld“, sagt er.

Erfolg mit Bio-Produkten hat seit sechs Jahren auch Björn Kruse, der Inhaber des Fastfood-Bistros „Yellow Sunshine“ in der Wienerstraße in Kreuzberg. Zum Angebot gehören Burger, Bio-Pommes und -Salat. Seit einem Jahr setzt auch das Fastfood-Restaurant „Supergood“ in der Friedrichstraße auf gesunde Snacks, deren Zutaten von Bio-zertifizierten Lieferanten kommen. Inhaber Christian Baha zufolge ist die Aufmerksamkeit für bewusste Ernährung in Berlin sehr groß. Das ist Grund für den österreichischen Unternehmer, weitere Standorte in der Stadt zu planen.

Katja Gartz


Aus der Ausgabe 12 / 2010 / 1 / 2011

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