Buntes Erfolgsrezept

In der Weltküche servieren Menschen aus verschiedenen Nationen Gerichte aus ihrer Heimat. Mit der Gründung des Restaurants haben sie sich einen Arbeitsplatz geschaffen
Küchen der Welt: Hier kommen landestypische Gerichte aller Nationen auf den Tisch. Foto: promo

Duftende orientalische Gewürze liegen in der Luft. Die Holztische und Wände sind in freundlichem Hellbau und Violett gehalten. Es ist Mittagszeit, und langsam füllen sich die Tische des Restaurants „Die Weltküche“ in der Graefestraße in Kreuzberg. Alle Gerichte auf der täglich wechselnden Karte stammen aus den Herkunftsländern der  Mitarbeiter, die aus der Türkei, Ecuador, Ägypten, Aserbaidschan, Indien und dem Kongo kommen.

Es gab Frauen mit nur vier Jahren Schulbildung

Die Weltküche wurde 2009 von neun arbeitslosen Migrantinnen gegründet, die sich in Integrationskursen kennenlernten. Über ihre Deutschlehrerin kamen sie mit der Berliner Entwicklungsagentur für soziale Unternehmen und Stadtteilökonomie (BEST) in Kontakt. Schnell entstand die Idee, ein eigenes soziales Unternehmen zu gründen, um so berufliche Perspektiven zu schaffen. Im Sommer 2008 begannen die ersten Arbeitstreffen. „Viele Monate haben wir uns regelmäßig getroffen, um die Fähigkeiten und Fertigkeiten der Beteiligten zu analysieren“, berichtet Heike Birkhölzer von BEST, die den Frauen auch vermittelte, wie ein Unternehmen aufgebaut wird. „Darunter waren Frauen, die nur vier Jahre Schulbildung hatten“ erklärt Annette Jankowski. Die gebürtige Griechin ist ebenfalls im Graefe-Kiez groß geworden. Als Unternehmensberaterin, die in leitenden Positionen bei der Deutschen Bahn beschäftigt war, unterstützt sie Weltküche ehrenamtlich.

Die Migrantinnen überlegten, was sie am besten können. Ihre Antwort lautete: kochen. „Daraus entstand die Idee, ein Restaurant zu eröffnen“, berichtet Sevgi Bayram. Die gebürtige Türkin kam als Vierjährige nach Deutschland. Nach dem Hauptschulabschluss brach sie mehrere Ausbildungen ab, ist inzwischen geschieden und hat zwei Kinder. Bei einem Kooperationspartner, den Kiezküchen, absolvierte sie eine Ausbildung zur Gastronomiefachkraft und begann in der Weltküche im Service. Seit Anfang März ist die 38-Jährige Geschäftsführerin.

Um Kooperationspartner zu gewinnen, gründeten die Migrantinnen parallel den Verein „Graefewirtschaft“. Dieser steht unter der Schirmherrschaft von Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne). Der Verein ist außerdem Träger des Projekts „bridge“ – Berliner Netzwerk für Bleiberecht, das den Arbeitsmarktzugang von Bleibeberechtigten und Flüchtlingen fördert. In Trägerschaft des Vereins ist auch das Projekt „Innovativ wirtschaften für mehr Beschäftigung: Soziale Unternehmen für junge Migranten“. Beide Projekte werden durch das Bundesarbeitsministerium und den Europäischen Sozialfonds gefördert.

Firmeninfo
| Die Weltküche UG |
Geschäftsführerin: Sevgi Bayram
Adresse: Graefestraße 18
10967 Berlin
Umsatz: k. A.
Mitarbeiter: 10
Telefon: 030 | 61 67 14 03

Nach Machbarkeitsstudien, Vermarktungstest und Finanzierungskonzept konnte die Weltküche als Unternehmergesellschaft loslegen. Das Startkapital von 20 000 Euro steuerte Annette Jankowski bei. „Ich bin selbst Migrantin, hatte aber das Glück, dass meine Eltern immer großen Wert auf Bildung gelegt haben“, sagt die 49-Jährige, die andere unterstützen möchte, die keine Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Gemeinsam mit Heike Birkhölzer übernahm sie das Interimsmanagement für die Weltküche. Die Gründerinnen wurden „on the job“ qualifiziert. Sie werden nach Tarif bezahlt, verdienen monatlich 1300 Euro brutto und haben 30 Tage Urlaub. Zu dem Restaurant gehören inzwischen auch ein Catering-Service und ein Geschirrverleih. Außerdem versorgt die Weltküche zwei Grundschulen mit frischem Essen, weitere sollen folgen. Die Weltküche finanziert sich durch die Einnahmen des Restaurants und über Projektmittel des Vereins.

Birkhölzer bedauert, dass nur einzelne Personen von der Arbeitsagentur, aber keine Gründungen, die den Zugang auf den ersten Arbeitsmarkt ermöglichen, gefördert werden. Einige Mitglieder der Weltküche haben inzwischen ein eigenes Unternehmen gegründet oder sich beruflich weiterentwickelt.

Katja Gartz
redaktion@berlin-maximal.de


Aus der Ausgabe 6 / 2012

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