Hauptsache gesund

Berlins Öko-Szene wächst und wächst und erobert nach den Supermärkten jetzt auch Restaurants und Fast Food-Ketten
Olaf Ruppe, Geschäftsführer Jouis Nour, Biorestaurant in Berlin Kreuzberg.
Foto: Mike Wolff
In den hölzernen Kisten liegen Äpfel und Bananen, im Kühlregal stehen Joghurts und Bio-Limonade und aus den Lautsprechern klingt leise, entspannende Musik. In der Ecke sitzt ein junges Pärchen auf Ledersesseln, schlürft Milchkaffee, eine Mutter schiebt ihren Kinderwagen durch die gläserne Eingangstür zur Theke. Im Jouis Nour kann man sehen, dass der Bio-Boom sein Ende längst noch nicht erreicht hat: Nach den Supermärkten erobern die Ökos jetzt auch die Gastronomie-Szene. Die Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg e.V. listet auf ihrer Webseite schon 42 Bio-Restaurants, Imbisse oder Cafes auf, sowie 21 Catering- und Partyservices.

Jouis Nour-Geschäftsführer Olaf Ruppe eröffnete seinen ersten Laden im August 2007 in der Rudi-Dutschke Straße, zwei weitere folgten schnell. Rund 25 sollen es insgesamt in Berlin werden. Der Name der Restaurantkette leitet sich aus den französischen Worten für Genuss, „jouissance“, und Ernährung, „nourriture“, ab.
Ruppes Geschäftskonzept ist eine Restaurantkette für gesundes und preiswertes Essen. Das gibt es auch zum Mitnehmen, „to go“, oder per Lieferung nach Hause und zu Firmenfesten. Auch wenn es in der ursprünglichen Planung gar nicht vorgesehen war: Inzwischen läuft das Catering- und Liefergeschäft von Jouis Nour so gut, dass es ein fester und wichtiger Bestandteil der Firma geworden ist. In den Restaurants, in denen man nebenbei auch einkaufen kann, liege der Schwerpunkt noch auf dem Mittagsgeschäft mit täglich wechselnden Menüs, erklärt Ruppe. Sein Ziel: künftig mehr Kunden nachmittags und zum Frühstück in seine Restaurants zu locken.

Der Trend zur gesunden Ernährung mit biologisch erzeugten Lebensmitteln Essen sei ungebrochen, sagt der Unternehmer. Der Markt der Berliner Bio-Gastronomien wächst, „schon seit Jahren“, bestätigt Klaus-Dieter Richter, der Vizepräsident des Berliner Hotel- und Gaststättenverbandes.

Vor allem die Lebensmittelskandale der vergangenen Jahre hätten die Menschen für gesunde Ernährung sensibilisiert. Viele achteten nun vermehrt auf die Inhaltsstoffe dessen, was sie täglich essen – auch außer Haus.
Jouis Nour sieht hier den eigenen Vorteil: „Wir erklären, was in den Produkten und Gerichten steckt“, sagt Ruppe. Insgesamt 13 Köche bereiten die Gerichte in einer zentralen Küche in Adlershof vor. Von dort werden sie in die einzelnen Restaurants gebracht, wo sie weiterverarbeitet und schonend erwärmt werden. Die Küchenchefs sprechen ihre Gerichte mit Ernährungsberatern ab. Die geben Tipps: hierzu lieber Kartoffeln, dazu besser Reis, hier Sahne, dort lieber nicht.

Die biologisch angebauten Rohstoffe, welche Jouis Nour verwendet, kommen – soweit möglich – aus der Region. Damit wirbt auch junge Berliner Bio Fast Food Kette Gorilla. Mehr noch: in den fünf Geschäften, die es davon bereits in der Stadt gibt, werden bald Fotos der zuliefernden Landwirte ausgestellt. Eine Art „Heldengalerie“ sagt Jens Bäumer, einer der zwei Geschäftsführer von Gorilla.
Im Gegensatz zu Jouis Nour, wo auch Buletten und künftig sogar Wild auf dem Menüplan stehen werden, gibt es bei Gorilla allerdings nur vegetarisches Essen. Eine Spezialität sind daher Salate. Auch hier werden die Gerichte in einer Zentralküche vorbereitet.
Und auch wenn „Bio“ und „Fast Food“ als eigentümliche Kombination erscheinen: Bäumers Partner Matthias Rischau sieht das anders. Schließlich seien zum Beispiel Früchte das „klassische Fast Food“. In den kommenden Jahren, so glaubt Rischau, werde die Nachfrage nach gesunder und regionaler Kost noch wachsen: „Der Markt ist noch lange nicht gesättigt.“
Auch Gorilla schmiedet schon Expansionspläne. Bio-Restaurants und Gastronomien, die überwiegend „gesundes“ und regionales Essen anbieten, seien „ganz bestimmt ein Trend“, sagt auch Andreas Truglia. Er ist Ausbildungsberater für gastronomische Berufe bei der Industrie- und Handelskammer in Berlin. Derzeit eröffneten in der Stadt ständig neue Läden. Die Menschen ernährten sich bewusster, zudem sei der Preisunterschied zwischen herkömmlichen und Bio-Produkten nicht mehr so gravierend.
Auch Jouis Nour versucht, den Kunden die gesunde Nahrung zu erschwinglichen Preisen anzubieten. Eine Suppe zum Mittag kostet hier 3,60 Euro, ein „herzhafter Pilz-Nudel-Auflauf“ ist für fünf Euro zu haben. Um das gesunde Essen auch außerhalb des Restaurants verkaufen zu können hat sich Jouis Nour inzwischen einen Partner gesucht: „The Coffee Shop“. In dessen Filiale am Neuen Kranzler Eck gibt es neuerdings zum Milchkaffee also auch gesunde Snacks aus der Jouis Nour Küche.

Katja Reimann

Jouis Nour GmbH
Geschäftsführer:
Matthias Filipczyk,
Olaf Ruppe
Adresse: Rudower Chaussee 14,
12489 Berlin
Umsatz: 150 000 Euro pro Monat
Mitarbeiter: 25 Telefon: 030 / 403 04 47 20
Web: www.jouis-nour.com

Aus der Ausgabe 7/2008
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