Hygiene

Keine saubere Sache

Pankow will hygienische Gaststätten mit Aufklebern auszeichnen und Mängel online anprangern. Die Wirte sehen die Idee skeptisch
Sven und Roland Albrecht vor dem Zander: »Die Smileys sind ein Ansporn.« Foto: Kai-Uwe Heinrich

Aufkleber mit einem lachenden Gesicht sollen in Prenzlauer Berg bald besonders hygienische Lokale kennzeichnen. Die Wirte können die „Smileys“ freiwillig an der Eingangstür anbringen und den dazugehörigen Hygienepass am Tresen auslegen. Betriebe, bei denen Lebensmittelkontrollen erhebliche Mängel zeigen, will das Bezirksamt Pankow dagegen im Internet anprangern. Laut Verbraucherschutzstadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne) beginnt das Pilotprojekt gegen Jahresende. Rund um den Kollwitzplatz zeigen sich die meisten Gastronomen jedoch skeptisch und auch der Hotel- und Gaststättenverband Berlin lehnt die Idee ab.
Zu den Fürsprechern gehören die Betreiber des Restaurants „Zander“ in der Kollwitzstraße: „Der Gast kann sich sein Restaurant besser aussuchen und die Kontrollen nachvollziehen“, sagt Sven Albrecht, Küchenchef und Sohn des Wirtes Roland Albrecht. Die Smileys seien zudem „ein Ansporn für die Gastronomie“. Die Sauberkeit in seinem Betrieb beweise schon jetzt die im Speiseraum eingebaute „offene Küche“, wo jeder Gast den Köchen zusehen kann.

Wenn wegen Personalmangel kein Prüfer kommt, ist man das Opfer


„Unprofessionell“ findet die Idee dagegen Ilja Kaplan, der Wirt des Restaurants Pasternak am Wasserturm in der Rykestraße. Theoretisch seien die Hinweise „gut für die Kunden“. Doch befürchtet er, dass aus Personalmangel nicht regelmäßig geprüft werde. „Wenn keiner kommt, ist man das Opfer.“ Gäste könnten fehlende Smileys dann als Zeichen mangelnder Hygiene missdeuten.
Ähnlich sehen es Harkan Celan vom Café „Kollberg 35“ am Kollwitzplatz und Thomas Jähnke vom benachbarten Restaurant „1900“. Laut Celan werden manche Lokale bisher „jedes halbe Jahr kontrolliert und andere fünf Jahre lang nicht“. Jähnke sagt, er habe „nichts zu verbergen“, bezweifelt aber, dass ein Smiley mehr Gäste anlocken würde.
Auch Hans Nübel vom „Gugelhof“ am Kollwitzplatz teilt als Mitglied des Gaststättenverbandes dessen Sorge, dass „Imbisse und Gaststätten monatelang auf einen Prüfer warten“ müssten und es so zu „Wettbewerbsverzerrungen“ kommen könne. Um dies zu vermeiden, ist das Modellprojekt zunächst nicht in ganz Pankow geplant, sondern nur im Ausgeh- und Szeneviertel Prenzlauer Berg.
 Den Anstoß für die Initiative gab das seit Mai geltende Verbraucherinformationsgesetz. Bürger haben nun ein Recht darauf, zu erfahren, zu welchen Ergebnissen die Lebensmittelkontrolleure gekommen sind. Die Smileys sollen die Übersicht erleichtern. In Düsseldorf und Zwickau in Sachsen gibt es ähnliche Kennzeichnungen — und in Dänemark weisen sogar zwangsweise angebrachte Aufkleber mit betrübten Mondgesichtern auf Mängel hin.
Mit den anderen Bezirken wurde das Pilotprojekt im Rat der Bürgermeister abgesprochen. Der Charlottenburg-Wilmersdorfer Wirtschaftsstadtrat Marc Schulte (SPD) will sich „möglichst bald anschließen“. Nach einem Test in Prenzlauer Berg sei ein „berlineinheitliches Verfahren sinnvoll“. Derzeit prüfe das Rechts-amt in der City-West, ob die Auflistung mangelhafter Betriebe im Internet rechtlich zulässig sei. Verstöße gegen Hygienevorschriften sollten im Detail erklärt werden, findet Schulte, es könne also beispielsweise auf „Rattenbefall oder Fleisch auf dem schmutzigen Fußboden“ hingewiesen werden. Zuvor müssten Lokale aber Gelegenheit bekommen, die Zustände zu ändern. Erfahrungsgemäß seien festgestellte Mängel meistens bis zur nächsten Kontrolle beseitigt.
In Pankow zeige bisher fast jede zweite Überprüfung hygienische Missstände auf, sagt Stadtrat Kirchner. Nach Lokalen und Imbissläden  möchte er später auch Lebensmittelläden kennzeichnen.
Doch dort gibt ebenfalls Widerstände, wie Schulte in Charlottenburg-Wilmersdorf feststellen musste. Nach seinen Worten hat eine Berliner Supermarktkette gerade die sogenannten Probenscheine, auf denen getestete Waren beurteilt werden, per Stempelaufdruck zum „Betriebsgeheimnis“ erklärt. Angeblich enthielten sie „wettbewerbsrelevante Informationen“. Schulte argwöhnt, dass es vielmehr nur darum gehe, dass neue Verbraucherinformationsgesetz auszuhebeln.

Cay Dobberke

Firmeninfo

Zander Restaurant
Geschäftsführer:
Roland Albrecht
Adresse: Kollwitzstraße 50, 10405 Berlin
Umsatz: k.A.
Mitarbeiter: 5
Telefon: 030 / 44 05 76 78
Web: www.zander-restaurant.de


Aus der Ausgabe 8 / 2008

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