Guter Rat Auto

Salatöl tanken

Sprit ist so teuer wie nie. Sparsames Fahren, neue Technik und alternativer Treibstoff helfen sparen
Teure Tankfüllung: Bio-Treibstoffe kosten zum Teil deutlich weniger als herkömmlicher Sprit. Foto: ddp
Sprit ist so teuer wie noch nie und die Preise werden mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter steigen. Den Kraftstoffverbrauch und damit die Spritkosten zu senken, wird daher immer wichtiger. Das gilt nicht nur für private Fahrzeugnutzer, sondern vor allem auch für gewerblich eingesetzte Fahrzeuge, deren Betriebsausgaben angesichts der hohen Kraftstoffkosten kontinuierlich steigen.

Jeder Tipp, diesen Trend zumindest zu bremsen, ist da hilfreich. Und es gibt mehr Möglichkeiten zu sparen, als viele auf den ersten Blick vermuten. Die Palette solcher Maßnahmen fängt beim verbrauchsarmen Fahren an. Es gibt aber auch gegenüber Benzin und Diesel sehr viel preisgünstigere alternative Kraftstoffe. Schließlich können bestimmte technische Ausstattungen der Fahrzeuge Sprit sparen.

Wie sehr der Verbrauch eines Fahrzeugs davon abhängt, wie dessen Lenker seinen „Gasfuß“ einsetzt, darüber haben wir in unserer vorletzten Ausgabe ausführlich berichtet. Schon ein kurzes aber intensives Eco-Training kann dazu beitragen, den Verbrauch um bis zu 30 Prozent zu senken. Problemlos erlernen kann man das sowohl bei Autoclubs, bei TÜV oder Dekra, beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat und auch bei diversen Fahrzeugherstellern.

Neben der Sprit sparenden Fahrtechnik kommt der Einsatz alternativer Kraftstoffe in Frage: Autogas oder Liquefied Petroleum Gas (LPG) ist der schon seit Jahrzehnten angebotene Alternativkraftstoff für Benziner, mit dem man angesichts einer bis 2018 gesetzlich festgeschriebenen verminderten Mineralölsteuer praktisch zum halben Preis von Benzin tankt.
Allerdings nur, wenn das Fahrzeug auch entsprechend umgerüstet ist. Diese Umrüstung bieten heute zahlreiche Hersteller wie Chevrolet, Fiat, Ford, Kia, Lada, Opel, Subaru und Volkswagen für Pkw und Ford und Mercedes-Benz auch für Transporter an. Die Mehrkosten von rund 2500 bis 3700 Euro für die Autogasanlage sind insbesondere bei viel genutzten Fahrzeuge relativ schnell amortisiert.

Das gilt auch für das zu vergleichbaren Preisen als zweitem gasförmigen Kraftstoff angebotene komprimierte Erdgas (Compressed Natural Gas = CNG). Mit Blick auf die für Erdgas erforderlichen größeren Drucktanks sollte man Erdgasfahrzeuge grundsätzlich mit Umrüstung ab Werk erwerben. Wichtigste Anbieter sind hier Citroen, Fiat, Ford, Mercedes-Benz, Opel und Volkswagen. Erdgas und Autogas sind, auch wenn die eigentlichen Gasanlagen sehr ähnlich sind, nicht mischbar – man muss sich also vor dem Umrüsten für das eine oder andere Gas entscheiden. Ein großer Pluspunkt für Autogas sind dabei die angesichts der einfacheren und meist größeren Tanks auch größeren Reichweiten von Autogas-Fahrzeugen, für das es auch ein erheblich dichteres Tankstellennetz gibt – und dass auch in allen europäischen Nachbarländern. Aber mit inzwischen mehr als 730 Erdgastankstellen ist auch dieser Kraftstoff bei uns heute flächendeckend verfügbar. Zudem kann man die meist bivalenten Fahrzeuge problemlos auch mit Benzin betreiben.

Autogas und Erdgas sind allerdings nur eine Alternative für Benziner. Wer einen Diesel fährt, hatte bis zum vergangenen Jahr bei vielen Modellen die Alternative, preisgünstigen Biodiesel-Kraftstoff zu tanken. Doch angesichts der eingeführten Besteuerung für Biodiesel ist dieser Preisvorteil inzwischen aufgehoben. Allerdings bietet sich für Diesel-Fahrer eine ganz andere Möglichkeit – das „Tanken“ im Supermarkt-Regal.
Denn viele Dieselmotoren, insbesondere auch viele Nutzfahrzeug- Motoren, lassen sich nach entsprechender Umrüstung mit ganz normalem Pflanzenöl betreiben. Damit beim „Pölen“ – so nennt man das Fahren mit Pflanzenöl – keine Probleme auftreten, müssen allerdings eine ganze Menge Details beachtet werden. Ja selbst mit altem Frittieröl kann man fahren. Wer mehr wissen will, findet Infos unter „Fahren mit Salatöl“ (www.fmso.de), Pf lanzenöl statt Diesel (www. fmpo.de) und Tankstellen (www. biotanke.de).

Als f lüssige Alternative zu Benzin und Diesel wird vor allem in Schweden aber inzwischen auch an rund 100 deutschen Tankstellen Bioethanol E85 angeboten. Problemlos verbrennen können den sogenannte FlexiFuel-Fahrzeuge, wie sie Ford, Volvo und Saab bereits ab Werk anbieten. Die Mehrzahl der Benzineinspritzer lässt sich zudem für Kosten ab rund 800 bis 1000 Euro je nach Zylinderzahl nachrüsten. Da Bioethanol derzeit rund 0,90 Cent/l kostet, bedeutet das trotz eines Mehrverbrauchs gegenüber dem Betrieb mit Benzin einen spürbaren Kostenvorteil (www.ethanoltanken. com und www.e85.biz).

Der dritte Weg zum kostengünstigen Fahren sind schließlich Fahrzeugtechniken, die den Verbrauch niedrig halten. Dazu gehören zum Beispiel Programme wie Blue Motion von Volkswagen und EfficientDynamics von BMW oder auch Hybridfahrzeuge, wie sie Toyota, Lexus und Honda im Programm haben. Ein Schritt zur Hybridtechnik in der Form so genannter Micro- und Mild-Hybride sind in Europa Klein- und Kompaktwagen mit der sogenannten Stop-und-Start-Technik. Die wird seit Jahren bereits von Citroen und neuerdings auch von BMW und Mercedes-Benz angeboten – und das zum Beispiel auch für Transporter wie den Sprinter. Denn ein Motor, der an der Ampel nicht läuft, verbraucht auch keinen Sprit. Zwischen fünf bis knapp zehn Prozent lassen sich auf diesem Weg einsparen, wenn man viel im Stadtverkehr und dementsprechend in zähem Verkehrsfluss unterwegs ist. Aber auch schon solche Techniken, wie eine elektrisch betriebene Servolenkung statt einer hydraulischen, die nur dann Energie verbraucht, wenn sie wirklich aktiv ist, oder eine intelligente Kühlluftsteuerung können dazu beitragen, den Verbrauch zu senken.

Einen erheblichen Beitrag zum sparsamen Fahren kann sogar eine so einfache Einrichtung wie eine Schaltpunktanzeige im Armaturenbrett leisten. Und wer statt selber zu schalten diese Aufgabe gerne einer Automatik überlässt, sollte sich genau überlegen, für welche Art von Automatik er sich entscheidet. Denn eine klassische Automatik mit Wandler verbraucht zwangsläufig zusätzliche Energie, auch wenn moderne Wandlerüberbrückungen diesen Verlust dramatisch reduzieren.

Als echte Entscheidung für sparsames Fahren können sich die inzwischen von zahlreichen Herstellern angebotenen automatisierten Schaltgetriebe erweisen. Deren Elektronik erkennt nämlich sehr viel genauer als der durchschnittliche Fahrer den optimalen Schaltzeitpunkt, so dass solche Fahrzeuge im Automatikmodus sogar sparsamer sind als wenn sie mit der Hand geschaltet werden.

Dank der modernen Doppelkupplungs- Getriebe, wie sie seit längerem der Volkswagen-Konzern und seit jüngstem auch Volvo anbieten, glänzen sie mit einem optimalen Schaltkomfort. Sie schalten absolut ruckfrei, auch wenn man beim Beschleunigen mit dem Bleifuß auf dem Gaspedal bleibt. Das konnten bisher nur stufenlose Schaltgetriebe (CVT-Getriebe), die inzwischen zum Beispiel bei Audi, Nissan oder auch Mercedes-Benz höchste Perfektion bieten.

Es muss nicht immer Hightech sein: Selbst die Reifen können ihren Teil zum Sprit Sparen beitragen. Zum einem dadurch, dass man dafür sorgt, dass sie stets ausreichenden Druck haben und deshalb nicht unnötig Energie zur Verformung verschwendet wird. Und zum zweiten durch besonders rollwiderstandsarme Konstruktionen, wie sie jüngst zum Beispiel Michelin mit seinem neuen Sommerreifen Energy Saver herausgebracht hat.

Nicht vergessen sollte man schließlich, dass unnötiger Ballast im Kofferraum und Handschuhfach auch unnötig Sprit kostet. Dass Dachgepäckträger und der Radtransport auf dem Dach den Spritverbrauch enorm in die Höhe treiben können, ist inzwischen weitgehend bekannt. Gleiches tun allerdings auch Strom verbrauchende Elemente von der Klimaanlage über die bei Tag eingeschalteten Schweinwerfer bis zur oft die Umwelt erschütternden Hochleistungs-Audio- Anlage. Denn jedes zusätzliche Watt Strom will erzeugt werden – und dafür braucht das Auto Sprit. Und so will auch jeder Schalterdruck ebenso genau überlegt sein wie jeder Tritt aufs Gaspedal.

Ingo von Dahlern


Aus der Ausgabe 6 / 2008
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