Nie mehr anecken

Moderne Einparkhilfen schonen die Nerven des Fahrers und helfen dabei, die Reparaturkosten der Fahrzeugflotte zu senken
Von Geisterhand: Volkswagen arbeitet an Einparksystemen, die selbstständig ihren Weg in Parkbuchten und enge Garagen finden.
Foto: PROMO
Auf der Suche nach einem Parkplatz fahren wir mit dem Passat Variant langsam an den quer zur Fahrbahn parkenden Fahrzeugen vorbei. Da – eine Lücke. Auf dem Monitor des Navigationssystems erscheint die Information: Die reicht. Wir entscheiden: Die nehmen wir. Ich bestätige das Angebot, stelle den Wählhebel der Automatik auf „P“ und wir steigen aus. Die Türen fallen ins Schloss und ich drücke auf die Fernbedienung. Der Kombi setzt wie von Geisterhand zurück, rollt vollautomatisch in die Lücke, stellt den Motor ab und verriegelt sich. Ein Traum für Einparkmuffel!

 Tatort für diese Demonstration unter dem Titel „Park Assist Vision“ war das VW-Testgelände in Ehra-Lessien nahe Wolfsburg. Was heute nach Science Fiction klingt, könnte schon in naher Zukunft Realität werden.

Denn nachdem Volkswagen den halbautomatischen Parklenkassistenten „Park Assist“ für parallel zur Fahrbahn liegende Parklücken im Touran, Tiguan, Passat und Passat Variant bereits eingeführt hat, arbeiten die Wolfsburger nun mit Hochdruck an einem System, das auch Parklücken quer zur Fahrbahn meistert. Bei diesen Systemen ist VW nicht allein. Denn auch Audi, Skoda, Toyota/Lexus und Mercedes bieten bereits heute Parkassistenten an, deren Fähigkeiten in Zukunft erweitert werden sollen.

Berlin maximal hat sich einmal genauer umgesehen, welche Techniken bereits heute verfügbar sind. Denn Einparken ist nicht nur lästig, sondern kann zu teuren Beulen oder Lackschäden führen. Gerade für Firmen mit vielen Mitarbeitern im Außendienst, die mit repräsentativen Dienstwagen zum Kunden fahren, lassen sich so die Reparaturkosten deutlich reduzieren.

Die erste Generation von Einparkhilfen waren vor rund zwei Jahrzehnten von Hella und Bosch entwickelte und seitdem perfektionierte Systeme, die mit in die Stoßfänger integrierten kleinen Ultraschallsensoren arbeiten. Sie werden unter verschiedenen Bezeichnungen wie ParkPilot, Parktronic, APS (Acoustic Park System) oder PDC (Park Distance Control) angeboten. Ihre Sensoren tasten den Bereich vor oder hinter dem Stoßfänger ab und melden jedes Hindernis – vom dicken Poller bis zu feinem Maschendraht. Diese Ultraschallsensoren sind nicht nur kompakt und preiswert, sondern auch unempfindlich gegen Verschmutzungen.

Gemeldet werden die vom Sensor erfassten Objekte und deren Entfernung zum Fahrzeug optisch, akustisch oder auch auf beiden Wegen zugleich. Dieses von den Fledermäusen bekannte „Sehen und Entfernungsmessen“ mit Ultraschall ist umso genauer, je mehr Sensoren eingesetzt werden. Deshalb sollte man, wenn man solche Systeme als Zusatzausstattung bestellt oder nachrüstet, lieber ein paar Euro mehr für mindestens vier Sensoren pro Stoßfänger ausgeben.

Einen zweiten Weg neben der Abstandsmessung mit Ultraschallsensoren geht Mercedes-Benz. Denn bei Modellen wie der S- und CL-Klasse, die bereits mit diversen Radarsystemen für die automatische Abstandsregelung (Distronic Plus) ausgestattet sind, werden die Antennen des sogenannten Nahbereichsradars auch gleich für die Assistenz beim Einparken mitbenutzt. Dank größerer Reichweite arbeitet dieser Radar-Parkassistent mit bis zu elf Meter Reichweite und warnt mit einem Öffnungswinkel von 40 Grad sehr viel früher vor einer möglichen Kollision.

Als zum Teil sehr preiswertes Nachrüstsystem wird schließlich eine weitere Technik eingesetzt: Antennen, die auf der Innenseite der Stoßfänger über die gesamte Fahrzeugbreite angebracht werden und ein elektromagnetisches Feld erzeugen, das bis zu 80 cm nach vorne und hinten reicht. Nähert sich ein Fahrzeug mit diesem Hochfrequenzfeld Gegenständen, dann wird das Feld beeinflusst und kann diese orten. Das funktioniert allerdings nur bei Bewegung. Im Stand können Hindernisse durch dieses System nicht angezeigt werden, das zudem Probleme mit dem Erkennen von reinen Kunststoff-Gegenständen hat.

Mit allen drei Systemen lassen sich beim Einparken andere Fahrzeuge sowie die meisten Hindernisse und der Abstand zu diesen erkennen, so dass man durch optische und akustische Signale unterstützt schrammenfrei einparken kann. Eine Investition, die sich bei Preisen zwischen 100 bis 350 Euro für die Mehrzahl solcher Systeme in den meisten Fällen bereits durch einen einzigen vermiedenen Parkrempler bezahlt macht und selbst für erfahrene Fahrzeuglenker eine echte Hilfe darstellt.

Wen die Warntöne dieser Systeme stören, der kann sie außerdem meist mit einem Knopfdruck abstellen und allein auf die optischen Anzeigen blicken. Doch nicht nur das Einparken bereitet Autofahrern Probleme. Vielen fällt es auch schwer, beim Vorbeifahren an parkenden Autos zu erkennen, ob die vorhandenen Lücken fürs Parken groß genug sind. Auch für dieses Problem gibt es inzwischen eine elektronische Lösung.

Denn immer mehr mit Einparkhilfen ausgestatte Fahrzeuge haben heute seitliche Zusatzsensoren, die Parklücken am Straßenrand erkennen und auch gleich ausmessen. Und auf einem Display im Fahrzeug zeigen sie dann, ob eine Lücke ausreichend groß ist. Gibt das System grünes Licht, kann man mit dem Einparken beginnen.

Um das noch sicherer zu machen, statten immer mehr Hersteller ihre Autos mit kleinen Rückfahrkameras am Heck aus. Und die nutzen dann etwa das Display eines Navigationssystems oder andere geeignete Bildschirme, um nach Einlegen des Rückwärtsgangs dem Fahrer ein Bild von der Situation hinterm Fahrzeug zu zeigen. Viele lassen es inzwischen nicht beim Bild, sondern errechnen auch gleich den optimalen Weg, auf dem man das Fahrzeug in die Lücke einrangieren kann. Durch farbige Linien auf dem Display geben sie den geeigneten Kurs vor.

Ein positiver Nebeneffekt solcher Rückfahrkameras ist insbesondere bei Transportern, dass man so auch optimal rückwärts an Rampen heranfahren kann. Der neueste Stand der Entwicklung sind Systeme, die halbautomatisch einparken, ohne dass der Fahrzeuglenker das Lenkrad betätigt. Denn immer mehr Fahrzeuge verfügen über eine elektrische Servolenkung. Und wenn ein Einparksystem eine geeignete Lücke erkannt und den besten Weg in sie errechnet hat, dann kann man mit diesen Daten natürlich auch die elektrische Lenkung steuern.

So parken VW Touran, Tiguan, Passat und Passat Variant sowie Skoda Superb und Mercedes B-Klasse heute mit automatisch bewegtem Lenkrad ein, während der Fahrer die Hände im Schoß liegen hat und lediglich das Gas- und Bremspedal betätigt. So einparken können auch der Toyota Prius und der Lexus LS 460 – allerdings mit der Einschränkung, dass vor dem Einparken der Weg in die Lücke auf dem Bildschirm justiert und bestätigt werden muss – und das kostet derzeit noch relativ viel Zeit.
Aus Sicherheitsgründen akzeptieren die halbautomatischen Systeme zudem nur Parklücken, die gut zwei Meter mehr als die Fahrzeuglänge messen, so dass man mit einem Zug in sie hineinfahren kann. Wer viel Übung beim Einparken hat, kommt – dann allerdings mit mehreren Zügen – auch in sehr viel kleinere Lücken hinein.

So faszinierend das automatische Einparken mit den neuesten Systemen auch ist – der routinierte Fahrer ist ihnen heute noch überlegen. Unsicheren Fahrern dagegen können sie bereits heute Angst nehmen und Zeit sparen. Und wenn sie schon bald das automatische Einfahren in enge Lücken quer zur Fahrbahn oder auch in enge Garagen beherrschen, werden sie ein echter Gewinn sein.

Ingo von Dahlern

Ohne Schramme durchs Parkhaus

Enge Auffahrten, zahlreiche Stützen und Säulen: Parkhäuser führen oft zu Schrammen und Schleifspuren.
Wirksame Hilfe beim Rangieren in engen Parkhäusern verspricht ein Parkhausassistent von Volkswagen. Seine Ultraschallsensoren sind so angeordnet, dass sie das gesamte Fahrzeugumfeld erfassen. Aus der Position möglicher Hindernisse und dem Fahrzeugkurs errechnet das System exakt, wo es zu einem ungewollten Kontakt mit Parkhauswänden und -pfeilern kommen könnte. Neben Warn- tönen gibt es ein Display, das die kritischen Punkte exakt anzeigt, so dass man als Fahrzeuglenker rechtzeitig reagieren und das Auto sicher um alle Hindernisse lenken kann.

Dieses System ist eine überzeugende Erweiterung der Fähigkeiten heutiger Einparkassis- tenten. Der Haken: Bislang wird das System noch getestet, Serienreife hat es noch nicht erreicht. ivd


Aus der Ausgabe 7/2008
Zurück