Lernen wie man langsam fährt
Hohe Benzinpreise belasten das Budget, umweltschonendes Fahren entlastet es. In Eco-Trainings lernt man zu sparen
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Fuß vom Gas: Bei Tempo 80 ist alles im grünen Bereich. Foto: promo |
Doch oft zeigt sich, dass das angeblich so sparsame Auto viel mehr schluckt als in den Technischen Daten angegeben. Anders ausgedrückt: Die so genannten Normverbrauchswerte liegen erheblich unter dem tatsächlichen Verbrauch. Das ist kein Betrug durch die Autohersteller, sondern rührt daher, dass diese Werte nach einem von der Europäischen Gemeinschaft gesetzlich festgelegten und für alle Fahrzeuge einheitlichen Verfahren auf dem Rollenprüfstand ermittelt werden. Das erbringt zwar zuverlässige Vergleichswerte, um sparsame und durstige Autos zu erkennen. Doch die Verbrauchswerte bei der so genannten Typprüfung und in der Realität können erheblich voneinander abweichen.
Hauptgrund dafür ist allerdings weniger die Technik der Fahrzeuge, sondern die Bedingungen, unter denen das Fahrzeug bewegt wird. Und eine herausragende Rolle hierbei spielt: der Gasfuß. Wird der nämlich gedankenlos eingesetzt, wird selbst ein ausgewiesenes Sparauto schnell zum Säufer. Wer also spritsparend unterwegs sein will, sollte deshalb den richtigen Umgang mit dem Gaspedal trainieren.
Damit er erfährt, worauf es dabei tatsächlich ankommt, empfiehlt es sich, dieses Training unter Anleitung eines erfahrenen Instruktors zu machen. Ob das nun Spritspartraining, Spritsparstunde, Eco-Training, Eco-Driving oder ähnlich heißt und ob es von Autoclubs, von TÜV oder Dekra, vom Deutschen Verkehrsicherheitsrat (DVR) oder diversen Autoherstellern angeboten wird – inhaltlich sind alle diese Kurse, bei denen man sparsames Fahren erlernt, weitgehend identisch. Und, das ist überraschend für viele, auch ganz einfach. Denn es sind gerade einmal fünf Grundregeln, die man erlernen muss, um zu einem für die meisten mehr als überraschenden Ergebnis zu kommen.
Denn nach einer ersten 20-Kilometer-Runde im gewohnten Stil, einer knappen theoretischen Unterweisung und einer zweiten Runde im neuen Fahrstil, bei der ein erfahrener Instruktor wertvolle Praxistipps gibt, fahren die meisten bereits mit 15 Prozent weniger Verbrauch. Nach ein wenig Übung lassen sich diese Einsparungen auf bis zu 30 Prozent steigern.
Grundregel eins, um dorthin zu kommen, lautet „schalten Sie schnell“. Denn der höhere Gang ist immer der sparsamere. Fahren Sie Tempo 30 im dritten, Tempo 40 im vierten und Tempo 50 im fünften Gang. Niedertouriges Fahren stört moderne Motoren überhaupt nicht. Ebenso wichtig wie schnelles Hochschalten ist, mit Vollgas anzufahren und, kurz, mit Vollgas zu beschleunigen.
Hat der Fahrer sein Tempo erreicht, sollte er, und damit sind wir bei Grundregel zwei, das Fahrzeug ruhig einmal ohne Gas rollen lassen. Vor allem, wenn man bereits absehen kann, dass die nächste Ampel rot leuchtet. Beim Rollen tritt bei heutigen Autos die Schubabschaltung in Funktion, die die Spritzufuhr ausschaltet.
Vorausschauendes Fahren, so Grundregel drei, bedeutet aber auch, intelligent im Verkehr mitzuschwimmen. Dazu braucht man ausreichenden Abstand, um kurzfristige Temposchwankungen mit einem einfachen „Fuß vom Gas“ auszugleichen, statt mit dem spritfressenden „Bremsen und Beschleunigen“.
Und wenn Sie dann an einer Ampel mit langer Phase stehen, so Grundregel vier, dann schalten Sie ruhig den Motor aus. Das gilt auch für das Halten vor Bahnübergängen. Aber nicht übertreiben: Während der normalen Fahrt sollte man den Motor immer eingeschaltet lassen.
Gelassen fahren, heißt Grundregel fünf. Hektisches Beschleunigen und Bremsen und permanente Spurwechsel in der Stadt kosten ebenso Sprit wie ständig wechselndes Tempo auf Landstraßen und Autobahnen. Wer eine Stunde lang Tempo 130 fährt, legt dieselbe Strecke zurück wie ein Fahrer, der eine halbe Stunde Tempo 160 und eine halbe Tempo 100 fährt – aber mit weniger Stress und deutlich weniger Verbrauch. So viel zur schnell erlernbaren spritsparenden Fahrtechnik, die nicht mehr Zeit kostet als der gewohnte Fahrstil und auch keinen Verzicht auf Fahrfreude verlangt.
Doch richtig Sinn macht diese Fahrtechnik erst, wenn man auch ein paar Grundregeln beachtet, die das Fahrzeug selbst betreffen. Mehr als stiefmütterlich behandeln die meisten Autofahrer nämlich ihre Reifen. Doch bereits ein 0,2 bar zu niedriger Druck bedeutet ein Prozent Mehrverbrauch. Wer also mit vielen Passagieren und vielleicht auch noch viel Gepäck unterwegs ist, sollte die Reifen entsprechend aufpumpen. Und beim Reifenkauf sollte man gezielt nach rollwiderstandsarmen Reifen fragen, was bis zu drei Prozent Verbrauchseinsparung bringen kann.
Eine Menge Energie und damit Sprit kosten zusätzliche Verbraucher wie Heckscheibenheizung, Sitzheizung und leistungsstarke Audio-Anlagen. Besonders viel Sprit frisst die auf voller Leistung laufende Klimaanlage, die schnell einen Mehrverbrauch von 2,0l/100 km verursacht.
Ebenfalls in dieser Größenordnung liegt der Mehrverbrauch bei Tempo 100 mit drei Fahrrädern auf dem Dach. Fährt man so Tempo 160, muss man sogar mit doppelt so hohem Verbrauch wie ohne Dachlast rechnen. Aus diesem Grund sollten nicht erforderliche Dachträger abgebaut werden. Bis zu 0,3 l/100 km zusätzlich kosten 100 Kilogramm unnötiger Ballast, wie er sich in vielen Handschuhfächern und Gepäckräumen findet.
Unnötig Sprit verbraucht auch, wer auf moderne Leichtlauföle verzichtet, die sich angesichts längerer Ölwechselintervalle trotz höherer Preise schnell bezahlt machen. Auch wer extrem bei den Wartungskosten spart, darf sich nicht wundern, wenn er dafür mehr verbraucht.
Spritsparkurse sind für Privatfahrer eine freiwillige Angelegenheit. Für Berufskraftfahrer sind sie im Abstand von fünf Jahren inzwischen durch das Berufskraftfahrer-Qualifikations-Gesetz vorgeschrieben und werden zum Teil sogar gefördert. Doch ob freiwillig oder Vorschrift – wer ökonomisches Fahren beherrscht, bekommt das vom ersten Kilometer an in klingender Münze vergolten und trägt auch noch dazu bei, unsere Umwelt zu entlasten.
Ingo von Dahlern
Weitere Infos zu Spritspartrainings
» www.adac.de
» www.dekra.com
» www.ecodrive.org
» www.eco-driving.de
» www.fahrsicherheit.de
» www.fahrspartraining.de
» www.ford.de
» www.greener-driving.net
» www.mercedes-benz.de
» www.nabu.de
» www.neuesfahren.de
» www.spritsparstunde.de
» www.svg-berlin.de
» www.tuv.com
» www.volkswagen.de
Aus der Ausgabe 4 / 2008
