Guter Rat Auto

Neues von der IAA

Die neuen Transporter müssen neben Platz und Leistung auch umweltfreundliche und sparsame Motoren bieten
Sitzt, passt, wackelt und hat Luft: Moderne Transporter wie der Berlingo von Citroën sind kleine Raumwunder und trotz großer Ladung citytauglich.
Foto: promo

Viele gewerbliche Fahrzeughalter in Berlin stehen zurzeit vor einem Neuwagenkauf. Die Gründe dafür sind vor allem die stark gestiegenen Kraftstoffkosten und höhere Betriebskosten bei Wartung und Reparaturen. Zudem droht mit der für 2010 geplanten zweiten Stufe der Umweltzone das Aus für alle Fahrzuge mit roter und gelber Feinstaubplakette.
Zwar hat die Umweltzone bislang keinen nachweisbaren Beitrag zur Senkung der Feinstaubemissionen leisten können; doch faktisch wirkt sie als schlichte Neuwagenzone. Alle derzeit angebotenen Neufahrzeuge erfüllen die Bedingungen zum Erhalt der grünen Feinstaubplakette, so dass sie auch bei Verschärfung der Fahrverbote für Altfahrzeuge problemlos in der Umweltzone fahren können.

Wer aus welchen Motiven auch immer, derzeit an den Kauf eines neuen Fahrzeugs denkt, hat noch bis zum 2. Oktober Gelegenheit, sich über das derzeitige Angebot und künftige Trends zu informieren. Bis dahin zeigt die soeben eröffnete 62. Internationale  Automobilausstellung (IAA) Nutzfahrzeuge in Hannover, was der Nutzfahrzeugmarkt zu bieten hat.
Ein Schwerpunkt neben den ganz großen Trucks, Baustellenfahrzeugen und schweren Spezialfahrzeugen sind in Hannover Transporter. Sie haben sich längst zum wichtigsten Verkehrsmittel für die Versorgung städtischer Gebiete entwickelt. Kein anderes Fahrzeug deckt ein so breites Aufgabenspektrum ab. Transporter befördern Möbel und Haushaltsgeräte, dienen dem Personenverkehr, fahren als Rettungs- und Krankentransportfahrzeuge und sind mobile Einsatzzentralen vieler Handwerker.
Eine immer wichtigere Rolle spielen sie zudem für Kurier-, Express- und Paketdienste, die immer mehr Produkte des täglichen Bedarfs direkt an die Haustür liefern.
Aus dem vor sechs Jahrzehnten bei Volkswagen an den Start gegangenen klassischen Transporter hat sich längst eine kaum noch überschaubare Vielfalt von Transportern aller Klassen entwickelt – von Maxi-Modellen mit bis zu drei Tonnen Nutzlast bis hin zu kompakten, flotten City-Transportern, deren kürzeste Versionen kaum einmal vier Meter lang sind. In dieser Klasse gibt es eine Fülle von Neuheiten.

Kooperation - Bei der Produktion tun sich oft verschiedene Hersteller zusammen

Nachdem Renault erst vor kurzem die zweite Generation des Renault Kangoo und dessen Nutzfahrzeug-Variante Kangoo Rapid vorgestellt hat, gehen nun die neuen Generationen von Peugeot Partner und dessen Schwestermodell Citroen Berlingo an den Start.
Gemeinsames Kennzeichen aller drei Modelle ist, dass sie in allen Dimensionen spürbar gewachsen sind und praktisch eine Klasse über den bisherigen Modellen liegen. Damit haben sie in etwa die Dimensionen, in denen auch der deutsche Marktführer VW Caddy sowie der italienische Fiat Doblò und der Ford Transit Connect antreten.
Für viele ist das allerdings eine Nummer zu groß. Da bei Renault die bisherigen Modelle erst einmal weiter produziert werden, kann man auf diese ausweichen, da sie günstiger sind. Dabei nimmt man jedoch in Kauf, dass ihre Technik nicht mehr dem neuesten Stand entspricht.
Die bessere Lösung sind da wohl die erst in diesem Jahr auf den Markt gekommenen neuen kompakten Transporter aus der Kooperation von Fiat mit PSA, die als Citroen Nemo, Fiat Fiorino und Peugeot Bipper antreten. Das sind drei technisch identische Modelle, die allerdings drei Markenzeichen tragen, was man in der Transporterbranche immer öfter findet. Auch Fiat Ducato,
Citroen Boxer und Peugeot Jumper rollen ebenso wie Fiat Scudo, Citroen Jumpy und Peugeot Expert als technisch gleiche Modelle von einem Band. VW Crafter und Mercedes Sprinter sind ebenfalls weitgehend identische Schwestermodelle. Das gilt auch für Renault Trafic, Opel Vivaro und Nissan Primastar.
Damit sind wir noch einmal bei den City-Transportern, zu denen VW in Hannover eine ganz neue Variante präsentiert. Nach der erst im Frühjahr eingeführten Langversion Caddy Maxi kommt nun der Caddy 4Motion als Allradversion hinzu, der damit der derzeit einzige Stadtlieferwagen mit vier angetriebenen Rädern ist.
Darüber hinaus wird neben die drei Modellreihen Caddy, Transporter und Crafter von VW-Nutzfahrzeuge bald eine vierte treten: Der VW-Pickup, der als erstes Modell dieser Art in der Ein-Tonnen-Klasse ab Ende 2009 in Argentinien vom Band laufen soll.

Erdgas - Die neuen Transporter werden durch Hybrid-Technik sparsamer sein

Als Concept-Car in Hannover präsentiert, zeigt er, dass Volkswagen in diesem bislang vor allem von japanischen Marken beherrschten Marktsegment künftig kräftig mitmischen möchte.
Weitere Schwerpunktthemen in Hannover sind neben der Vorstellung neuer Fahrzeuge auch die neuen Techniken zur Emissions- und Verbrauchssenkung. Bei den Transportern, deren Antriebsquelle nun einmal besonders kraftvolle und zudem sehr sparsame Dieselmotoren sind, steht dabei neben der Reduzierung der Partikel vor allem die Senkung der Stickoxidemissionen im Fokus. Während man die Partikel inzwischen mit Partikelfiltern sicher im Griff hat, verlangen die Stickoxide nach speziellen Techniken.
Hierbei setzt zum Beispiel VW bei dem in Hannover als Studie gezeigten Crafter BlueMotion auf die sogenannte AdBlue-Technik. Zusammen mit dem BlueMotion-Konzept erlaubt das dem größten Transporter aus dem VW-Programm, nicht nur die Grenzwerte der künftigen Nutzfahrzeug-Abgasnorm Euro V zu erfüllen, sondern senkt zugleich den Verbrauch um rund einen Liter.
Verbrauchssenkungen von 1,2 bis 1,6 Litern erreicht auch Mercedes-Benz beim Vito BlueEfficiency durch neu ausgelegte Getriebe und verbesserte Aerodynamik. Einen großen Schritt weiter geht der Vito mit einem Mild Hybrid und bringt es auf 2,0 Liter Verbrauchsminderung. Schon bald wird Mercedes-Benz für den jeweiligen Fahrzeugeinsatz maßgeschneiderte BlueEfficiency-Pakete anbieten.

Dass die Hybrid-Technik für Nutzfahrzeuge mitlerweile praktisch vor dem Serieneinsatz steht, zeigt die Konzeptstudie Canter Eco-D der Daimler-Tochter Mitsubushi Fuso. Ihr Antriebsstrang ist bereits seit Januar in England in der Kundenerprobung.
Mit dem Econic BlueTec Hybrid zeigt Mercedes einen bereits seriennahen Hybrid-Laster. Kombiniert mit Erdgas als Treibstoff wird daraus die Konzeptstudie Econic NGT Hybrid, mit dem sich die Kraftstoffkosten dank des günstigen Erdgaspreises gegenüber einem Dieselantrieb um bis zu 60 Prozent senken lassen.
Mit Erdgas als Kraftstoff auf die Kostenbremse treten kann man bei immer mehr Transportern. So bietet VW den Caddy auch als EcoFuel-Version für den Erdgasbetrieb an. Mercedes hat vom Sprinter NGT (Natural Gas Technology) nun auch ein besonders sauberes Modell nach der freiwilligen Norm EEV sowie eine Kraftstoff sparende Version mit Start-Stopp-Automatik im Programm. Eine ganze Palette von Erdgas-Transportern der Modellreihe Daily gibt es beim zur Fiat-Gruppe zählenden Nutzfahrzeughersteller Iveco. Fiat Professional präsentiert neben dem Erdgas-Doblò nun erstmals den Ducato und Fiorino Natural Power. Den Fiorino gibt es zum Jahresende zudem als Fiorino Electric erstmals auch mit Elektromotor und rund 100 km Reichweite.

Besonders genau achten sollten Transporter-Käufer schließlich auf die Sicherheits-Ausstattung ihrer Fahrzeuge. Neben der passiven Sicherheit geht es dabei vor allem um moderne elektronische Assistenzsysteme.
Während das ABS inzwischen Standard ist, muss die Fahrdynamikregelung ESP bei vielen Transportern noch extra geordert werden. Darauf sollte man nicht verzichten, denn als adaptives ESP berücksichtigt es auch die aktuelle Fahrzeugbeladung. Als Schutz gegen Auffahrunfälle bietet sich die adaptive Geschwindigkeitsregelung (ACC) an, die automatisch für ausreichenden Sicherheitsabstand zum vorausfahrenden Fahrzeug sorgt. Wer sicherheitstechnisch auf dem neuesten Stand sein will, kann zudem in den Spurhalteassistent investieren. Er warnt müde Fahrer, bevor sie von der Fahrbahn abkommen.

Ingo von Dahlern


Nachhaltig mobil sein

IAA Nutzfahrzeuge: Die 62. Auflage der Nutzfahrzeugmesse findet vom
25. September bis zum 2. Oktober auf dem Messegelände Hannover statt. Thematische Schwerpunkte sind in diesem Jahr die nachhaltige und umweltfreundliche Mobilität sowie die Steigerung der Transporteffizienz bei Nutzfahrzeugen. Zudem werden Kooperationsveranstaltungen mit Herstellern aus Russland, Indien und der Türkei angeboten. Neben den Seminaren und Foren können die Besucher leichte und schwere Nutzfahrzeuge probefahren. Rund 2000 Aussteller werden dieses Jahr auf der Messe vertreten sein.

Messedaten: Geöffnet ist täglich von 9.00 bis 18.00 Uhr. Die Tageskarte kostet an Werktagen (Montag bis Freitag) 19 Euro und an Wochenenden (Sonnabend und Sonntag) 11 Euro. Das nur an der Tageskasse erhältliche Nachmittagsticket für den Besuch ab 13 Uhr kostet 9,00 Euro. Das komplette Programm im Internet: www.iaa.de.


Aus der Ausgabe 8 / 2008

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