Guter Rat Auto

Bereit für den Matsch?

Der Winter ist zwar nicht mehr richtig kalt, aber immer noch gefährlich glatt. Wie Sie Ihre Dienstwagen und Transporter auf die rutschige Jahreszeit vorbereiten
Eine dichte Schneedecke hat es in Berlin lange nicht mehr gegeben, Frost oder Schneematsch sorgen jedoch regelmäßig für Auffahrunfälle und Staus. Foto: Volker Hartmann (ddp)
Servicefahrzeuge, Werkstattwagen, Paketauslieferungsfahrzeuge – sie müssen rollen, täglich und zu jeder Jahreszeit. Egal ob die Sonne scheint, es in Strömen regnet oder überraschender Neuschnee die Straßen schwer passierbar macht. Einen Pkw, den man vor allem für den Weg zur Arbeit und zurück nach Hause nutzt, kann man im Notfall ja einmal stehen lassen. Doch ein Transportfahrzeug für den täglichen Einsatz darf nicht stehen bleiben. Da schon bald wieder Eis und Schnee das Straßenbild bestimmen können, ist es höchste Zeit, sich darauf einzustellen und die Fahrzeuge auf den Winter vorzubereiten.

Die hierfür nötigen Kontrollen sind schnell erledigt, denn unsere heutigen Autos sind Ganzjahresautos, deren Technik bei Hitze
und Kälte funktioniert, wenn folgende Dinge stimmen: ausreichender Frostschutz in Motor und  Scheibenwaschanlage, ordentliche Scheibenwischer, ein auch für den Winterbetrieb geeignetes Motoröl, ein sauberer Motorraum und eine gut gefüllte Batterie. Bei regelmäßiger Wartung sind das Selbstverständlichkeiten, so dass bei gut gepflegten Einzelfahrzeugen ebenso wie bei größeren Fuhrparks zum Winterbeginn ein kurzer Fahrzeugcheck ausreichen sollte. 

Vorsicht: Die Kennzeichnung „M+S“ ist keine Garantie für Wintertauglichkeit

Etwas mehr Zeit und Aufwand sind für die wichtigste Wintervorbereitung nötig: die Montage von für die nasse und kalte Jahreszeit „geeigneten Reifen“. Wie es Paragraf 2 Absatz 3a der Straßenverkehrsordnung (StVO) seit Mai 2006 vorschreibt (s. Kasten). Auch wenn diese Formulierung keine besondere Reifenart vorschreibt, bleibt in unseren Breiten angesichts der für einen Winter normalerweise zu erwartenden Witterungsbedingungen nur eine Wahl: die Montage von Allwetterreifen oder Winterreifen. Sommerreifen sind, selbst wenn sie so gut wie neu und mit bestem Profil ausgestattet sind, für den Einsatz im Winter nicht geeignet. Der Grund dafür ist vor allem deren Gummimischung für die Laufflächen. Die wird bei tiefen Temperaturen so hart, dass sie ihre Griffigkeit verliert – im Gegensatz zu Winterreifen, deren Lauffläche auch bei tiefen Temperaturen noch griffig bleibt. Das gilt auch für die speziell geformten Profile von Winterreifen. Beides sorgt also für gute Haftung, wenn winterliche Fahrbahnen bei plötzlichem Schneefall oder Frost glatt werden.

Ausreden helfen nicht
| Geeignete Reifen stehen in der Straßenverkehrsordnung |
Seit Mai 2006 gilt Paragraf 2, Absatz 3 a der StVO: „Bei Kraftfahrzeugen ist die Ausrüstung an die Wetterverhältnisse anzupassen. Hierzu gehören insbesondere eine geeignete Bereifung und Frostschutzmittel in der Scheibenwaschanlage.“ Autofahrer, die bei winterlichen Verhältnissen wie Schnee, Matsch und Eis mit Sommerreifen unterwegs sind, müssen mit einem Verwarnungsgeld von mindestens 20 Euro rechnen. Wenn sie darüber hinaus den Verkehr behindern, werden 40 Euro fällig. Bei einem durch mangelnde Bereifung verursachten Unfall muss man sogar mit einem Strafpunkt in Flensburg rechnen

Auch Autos mit Allradantrieb brauchen gute Besohlung
Wagen mit Allradantrieb verfügen über mehr Traktion als konventionell angetriebene Fahrzeuge. Trotzdem kommen auch diese Autos nicht ohne Winterreifen durch die kalte Jahreszeit. Denn Sommerreifen können nicht genügend Seitenführung aufbauen, wenn es glatt ist, das Fahrzeug kann dann leicht ausbrechen. Auch die Bremswege verlängern sich – wegen der fehlenden speziellen Lamellen in den Winterprofilen – um 25 bis 50 Prozent. Zusätzlich verliert der Sommerreifen aufgrund seiner härteren Laufflächenmischung bei niedrigen Tempera-turen an Grip, was ebenfalls zu kritischen Situationen führen kann.

Während Autos mit Sommerreifen dann nicht mehr vorankommen und sich auch nicht mehr sicher beherrschen lassen, haben solche mit Winterreifen ausreichend Traktion und bleiben kontrollierbar. Und damit leisten Winterreifen zugleich einen entscheidenden Beitrag zur Verkehrssicherheit. Für gewerblich eingesetzte Fahrzeuge, die unter allen Witterungsbedingungen rollen müssen und nicht für einige Tage abgestellt werden können, gibt es also keine Alternative zu Winterreifen. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die Haftpflichtversicherung auch dann zahlt, wenn Sommerreifen aufgezogen sind. Probleme mit der Leistungspflicht vor allem der Kaskoversicherung kann es allerdings geben, wenn man dem Fahrer grobe Fahrlässigkeit vorwerfen kann.

Ein ganz anderes Problem besteht darin, dass es keine gesetzliche Definition für Winterreifen gibt. Die von den meisten als eindeutiger Hinweis auf Winterreifen verstandene Kennzeichnung „M+S“ kann jeder Hersteller anbringen, ohne dass dabei irgendwelche rechtlichen Grundlagen beachtet werden müssen. So tragen zum Beispiel in den USA fast alle Reifen diese Kennzeichnung, auch wenn sie keine Winterreifen sind. Sehr viel aussagekräftiger ist das seit fünf Jahren verwendete und sich immer mehr durchsetzende Schneeflockensymbol. Das darf nur nach einer standardisierten Prüfung verwendet werden, bei der Reifen ihre Wintertauglichkeit unter Beweis stellen müssen. Damit ist es praktisch ein Gütesiegel für Winterreifen.

Winterreifen gebe es zwar für Pkw, aber nicht für Nutzfahrzeuge wie zum Beispiel Transporter, kann man immer wieder hören. Diese Behauptung ist schlicht falsch. So bieten große Reifenhersteller wie Continental oder Michelin spezielle Winterreifen für Transporter an.

Transporter können ebenfalls mit speziellen Winterreifen ausgerüstet werden

Für alle Winterreifen gilt allerdings, dass sie ihre Wirkung nur dann optimal entfalten können, wenn sie nicht zu weit abgefahren sind. Das bedeutet, wie in Österreich sogar gesetzlich vorgeschrieben, eine Mindestprofiltiefe von 4,0 Millimeter. Und auch das Reifenalter spielt eine wichtige Rolle. Denn mit zunehmender Alterung der Laufflächenmischungen nehmen deren Winterqualitäten ab. Experten raten deshalb, Winterreifen nicht älter als vier bis fünf Jahre werden zu lassen.

Wenn alle Winterchecks erledigt, die richtigen Reifen aufgezogen und auch das wichtigste Winterzubehör und je nach Einsatzgebiet auch Schneeketten an Bord sind, dann ist das Fahrzeug rundum winterfit. Doch das ist nur ein Aspekt fürs Fahren in der kalten Jahreszeit. Denn sicheres Fahren im Winter ist auch eine Frage der Einstellung des Fahrzeuglenkers. Wenn der gedanklich nicht auf Winter programmiert ist, hilft auch die beste Technik nichts und er landet schon beim ersten überraschenden Glatteis im Straßengraben.

lesen Sie auch zum Artikel www.berlin-maximal.de/guter-rat/auto/art167,570

Ingo von Dahlern


aus Ausgabe 9/2008 
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