Das Öko-Labyrinth
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Umweltfreundliche Autos kommen in Fahrt - falls die Neuwagenkäufer einen Weg durchs Feld der Eco-Label finden. Foto: ddp |
Die staatliche Abwrackprämie treibt seit Wochen Kunden in die Autohäuser, die meist seit einem Jahrzehnt oder länger nicht darüber nachgedacht haben, sich einen Neuwagen zu kaufen. Auf der Suche nach besonders sparsamen und emissionsarmen Modellen, die nach Möglichkeit auch besonders günstig in der Besteuerung sind, kann bei der Flut von Eco-Begriffen schnell der Durchblick verloren gehen.
EfficientDynamics bei BMW, BlueEfficiency bei Mercedes-Benz, BlueMotion bei Volkswagen und Toyota Optimal Drive nennen sich die Öko-Konzepte. Diese zu verstehen und zu unterscheiden ist für den Laien kaum möglich.
Eine ganz besondere Herausforderung für die Kunden sind schließlich die verschiedensten „Eco“-Kombinationen, die Wirtschaftlichkeit, Sparsamkeit und Umweltfreundlichkeit suggerieren sollen. Doch wer sich etwa zwischen EcoLogic (Chevrolet), eco-drive (Fiat), eco2 (Renault und Dacia), ecoFlex (Opel) und EcoFuel (Volkswagen) zu orientieren versucht, verliert in diesem Begriffsdschungel selbst als Fachmann schnell die Orientierung. Denn leider sind die wenigsten dieser Begriffe miteinander vergleichbar, wie der folgende Versuch von Berlin maximal, ein wenig Klarheit in das offensichtliche Gewirr zu bringen, schnell erkennen lässt.
Beginnen wir mit dem letzten Begriff. Wenn Volkswagen von Fahrzeugen wie dem Touran EcoFuel, dem Caddy EcoFuel oder dem jüngst vorgestellten Passat TSI EcoFuel mit Turbomotor spricht, dann sind damit die für den Betrieb mit Erdgas ausgerüsteten Versionen dieser beiden Modellreihen gemeint. Wer statt an Erdgas (CNG = Compressed Natural Gas) allerdings an Autogas (LPG = Liquefied Petroleum Gas) denkt, muss bei VW nach BiFuel suchen und stößt dabei auf den im Dezember vorgestellten Golf BiFuel, der sowohl mit Autogas als auch mit Benzin betrieben werden kann.
Eco-logisch kann ein Auto mit Erdgas, aber auch ein sparsamer Diesel sein
Wer besonders sparsame VW-Modelle sucht, die nicht mit alternativen Kraftstoffen laufen, sollte sich dagegen das Stichwort BlueMotion merken. Vom Polo BlueMotion bis zum Passat Variant BlueMotion steht dieser Begriff für Autos, die gezielt auf Sparsamkeit ausgerichtet und deshalb mindestens einen halben Liter sparsamer als das vergleichbare Serienmodell sind. Die niedrigen Verbrauchs- und damit CO2-Werte werden durch ein perfektes Zusammenspiel von Motor, Getriebe, Aerodynamik und Reifen mit niedrigem Rollwiderstand erzielt.
BlueMotion ist also ein ganzes Bündel von zum Teil kleinen Einzelmaßnahmen, die in der Summe beachtliche Verbrauchssenkungen ergeben. Das gilt im Prinzip auch für das, was BMW unter EfficientDynamics versteht. Das allerdings nicht nur für einzelne Modelle, sondern praktisch für das gesamte Fahrzeugprogramm. Deshalb sucht man bei BMW auch vergebens nach speziellen EfficientDynamics-Modellen. Denn das Prinzip „weniger Verbrauch, mehr Fahrfreude“ gilt generell für alle BMW-Modelle.
Wir wenden uns noch einmal dem Begriff „Eco“ zu. Wer, wie derzeit etwa zehn Prozent aller Chevrolet-Käufer in Deutschland, ein EcoLogic-Modell wählt, entscheidet sich für eine Autogas-Version. Dabei wird die Autogas-Ausrüstung in Sonderaktionen zeitweise sogar ohne Aufpreis angeboten, was zwischen 2000 und 2500 Euro Ersparnis bedeutet. Um Autogas-Versionen geht es schließlich auch, wenn Subaru von ecomatic-Versionen spricht.
Ford als besonders großer Anbieter von Gasfahrzeugen versteckt sich hinter keiner dieser undurchsichtigen Formulierungen, sondern gibt Autogasmodellen die Zusatzbezeichnung LPG und Erdgasmodellen die Zusatzbezeichnung CNG. Wenn Ford allerdings von seinen econetic-Modellen spricht, dann geht es um hochmoderne und extrem sparsame Diesel, wie den neuen Ford Focus Econetic. Mit diesen Modellen zeigt Ford, dass auch Fahrzeuge mit konventioneller Antriebstechnik sehr niedrige CO2-Werte erreichen können. Eine Spezialität von Ford sind außerdem diverse Flexi-Fuel-Modelle, die Alkoholkraftstoffe wie 85-prozentiges Ethanol (E85) sowie jede Mischung von E85 und Benzin verbrennen können. Den Begriff FlexiFuel verwendet auch die schwedische Ford-Tochter Volvo, die ihre besonders ökonomischen Diesel als DRIVe-Modelle bezeichnet. Die Kombination von FlexiFuel mit Autogas nennt Volvo schließlich MultiFuel.
In der Kombination ecoFlex taucht der Begriff „Eco“ auch bei Opel auf. Er steht seit 2007 für eine Umweltinitiative, in deren Rahmen für jede Baureihe ein besonders emissionsarmes ecoFlex-Modell eingeführt wird. Diese ecoFlex-Modelle können Diesel, wie der neue Insignia ecoFlex sowie der Corsa und Astra ecoFlex, Benziner, wie der Agila 1.0 ecoFlex oder auch Erdgasfahrzeuge wie der aufgeladene Zafira 1.6 CHG ecoFlex sein.
Eco2 schließlich spielt bei Renault und der rumänischen Tochter Dacia eine große Rolle in der Werbung. Hinter diesem Begriff verbirgt sich allerdings keine spezielle Technik. Denn eco2 ist ein Gütesiegel, das Fahrzeuge erhalten, die weniger als 140 g CO2/km emittieren, unter strengen Umweltauflagen produziert werden und zu 95 Prozent recycelt werden können.
Steigerung von Dynamik und Effizienz – auch das steckt oft hinter dem Wort „Eco“
Ganz neu unter den Eco-Begriffen ist schließlich ecoDrive bei Fiat. Das steht für eine im Internet herunterladbare spezielle Software für ein neuartiges Fahranalyse-Programm. Das lässt sich derzeit im Fiat 500 und Grande Punto und künftig in weiteren Fiat-Modellen mit dem Telematiksystem Blue&Me installieren. Mit ihm kann die Fahrweise des Fahrers aufgezeichnet und später am Computer ausgewertet werden, so dass sich daraus konkrete Empfehlungen und Tipps zum wirtschaftlichen Fahren ableiten lassen.
Wenn Fiat aktuell allerdings vom Ecoplus-Bonus spricht, ist etwas völlig anderes gemeint: eine Zulage von 2200 bis 3460 Euro für besondere Aktionsmodelle zur staatlichen Abwrackprämie. Und noch einen anderen Begriff hat Fiat parat: die Pur O2-Modelle, für die es sogar ein spezielles Logo gibt. Sie zeichnen sich durch niedrige Emissionen und Verbräuche aus und bieten spezielle Eco-Packs, zu denen Reifen mit niedrigem Rollwiderstand, Leichtlauföle, Aerodynamik-Sets, spezielle Getriebeabstufungen und in der Regel auch kleine Turbomotoren gehören, die trotz geringen Hubraums eine hohe Leistung liefern. Der Fiat 500 Pur O2 ist außerdem das erste Fiat-Modell mit der neuen Start-Stopp-Automatik.
Diese Technik sorgt dafür, dass während des Halts an der Ampel, vor Bahnübergängen oder im Stau der Motor automatisch abgeschaltet wird. Ebenso automatisch wird er dann wieder gestartet, wenn die Fahrt fortgesetzt werden kann. Citroen bietet diese Technik bereits seit Jahren für die Modelle C2 und den C3 und künftig auch für den C3 Picasso an.
Neben Start&Stopp verwendet nicht nur Citroen, sondern auch Smart den Begriff Micro-Hybrid. So heißt der entsprechend ausgestattete Smart Fortwo „mhd“ für „micro hybrid drive“. Die Motorabschaltung im Stand bietet inzwischen auch Mercedes-Benz als Eco Start-Stopp-Funktion für die Modelle A150 und A170 sowie B150 und B170 an.
auch mit kleinem Motor |
Für besonders sparsame und umweltverträgliche Modelle mit einem ganzen Bündel von Maßnahmen zur Effizienzsteigerung hat Mercedes-Benz den Begriff BlueEfficiency geschaffen. Solche Modelle gibt es inzwischen in der A-, B- und C-Klasse. Nicht verwechselt werden darf BlueEfficiency allerdings mit BlueTec. Denn dieser Begriff steht für extrem saubere Diesel mit drastisch gesenkten Stickoxidemissionen, wie sie selbst den strengsten amerikanischen Normen gerecht werden.
Einen ganz anderen Weg neben dem vielen Eco und Blue schlägt die tschechische VW-Tochter Skoda ein. Wer hier ein besonders umweltfreundliches und sparsames Fahrzeug sucht, sollte den Begriff GreenLine kennen. Solche Modelle gibt es sowohl vom Fabia als auch vom Superb.
Und zum guten Schluss werfen wir einen Blick auf einen großen japanischen Hersteller: Toyota Optimal Drive steht ähnlich wie EfficientDynamics von BMW für ein ganzes Bündel von einzelnen Maßnahmen zur Steigerung von Dynamik und Effizienz der neuen Toyota-Modelle.
Toyota ist derzeit neben der Toyota-Edelmarke Lexus und Honda bei uns immer noch der einzige Anbieter von vollwertigen Hybridfahrzeugen, die einen Elektroantrieb mit einem Verbrennungsmotor kombinieren. Doch das ist ein eigenes Thema.
Fazit aus diesen verschiedenen Beispielen: Die Fülle verschiedenster Begriffe rund um sparsame und saubere Automodelle macht es dem Käufer ausgesprochen schwer zu erkennen, was die verschiedenen Modelle tatsächlich bieten. Wer ohne Nachfrage einem schnell vom Verkäufer in die Debatte geworfenen „Eco“, „Blue“ oder „Green“ blind vertraut, darf sich deshalb nicht wundern, wenn er statt fortschrittlicher Technik nichts weiter bekommt als ein Software-Paket oder gar nur ein attraktives Gütesiegel.
Ingo von Dahlern
Aus der Ausgabe 3 / 2009
