Geldspritze für den Mittelstand

Die Konjunkturpakete des Bundes enthalten milliardenschwere Kreditprogramme. Berlin maximal zeigt, wie man sie nutzt
Verordneter Kredit: Bis zu 40 Milliarden Euro stellt der Bund über die KfW für Unternehmen bereit. Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Die Konjunkturpakete stehen. Mit öffentlichen Investitionen und Steuererleichterungen will der Staat die deutsche Wirtschaft ankurbeln.Allein für Berlin gibt es im Rahmen des Konjunkturpaket II 632 Millionen Euro, die vor allem in Schulen, Kitas, Unis und Kliniken fließen sollen.
Möglichst viele Branchen sollen von den Konjunkturhilfen profitieren. Ökonomen meinen jedoch, dass vor allem eine Branche im Zentrum stehen wird. „Es ist erst einmal ein Projekt der Bauwirtschaft, aber auch vorgelagerte Bereiche wie Dienstleistungen,
Ingenieure oder die Banken können profitieren“, sagt Hartmut Mertens, Chefvolkswirt der Investitionsbank Berlin (IBB). Entscheidend für die Wirkung der Programme sei, wie lange die Ausschreibungsverfahren der Bauprojekte dauerten. Zudem spielten gerade in Berlin auch die Kapazitäten eine Rolle, die durch den Ausbau des Flughafens BBI bereits stark ausgelastet seien. „Wenn man alles zusammen nimmt, kann man zu dem Schluss kommen, dass zumindest dieses Jahr nicht mehr so viel bei den Unternehmen ankommt“, sagt Mertens.

Das Risiko der Kredite wird zwischen der Hausbank und der KfW aufgeteilt

Doch es gibt noch einen anderen Weg, um von den Konjunkturprogrammen zu profitieren — und zwar direkt. Beide Pakete beinhalten große Kreditprogramme, die von der staatlichen Förderbank KfW verwaltet werden. 15 Milliarden sind es allein aus dem ersten Konjunkturpaket. Das „KfW-Sonderprogramm 2009“ läuft bereits seit Ende vergangenen Jahres. Bis Anfang Februar wurden nach Angaben der KfW aber gerade mal 750 Millionen Euro abgefragt. Es bleibt also noch einiges übrig. Erst Recht, wenn bald, wie geplant weitere 25 Milliarden Euro aus dem Konjunkturpaket II hinzukommen. Das Kreditprogramm soll damit auf 2010 ausgedehnt und auch für größere Unternehmen geöffnet werden. Beide Pakete sollen die Kreditversorgung der Wirtschaft sichern. Berlin maximal beantwortet die wichtigsten Fragen für Unternehmer.

Wie funktionieren die Kreditprogramme?
Viele Banken haben wegen der Finanzkrise Schwierigkeiten, sich bei anderen Banken Geld zu leihen, Deshalb sind sie auch bei der Kreditvergabe an Unternehmen vorsichtiger geworden. Hinzu kommt, dass die Ausfallrisiken in der Wirtschaftskrise steigen. Und je höher das Risiko, desto mehr Eigenkapital müssen die Banken für jeden vergebenen Kredit bereithalten. Hier setzt das Programm an. Der Bund stellt frische Kredite über die KfW bereit. Vergeben werden sie zwar weiterhin von den Geschäftsbanken und Sparkassen, doch die KfW nimmt ihnen einen großen Teil des Risikos ab, bis zu 90 Prozent. Wegen dieser sogenannten Haftungsfreistellungen müssen die Banken weniger Eigenkapital aufwenden, die Kreditvergabe soll flüssiger werden.

Wer kann überhaupt Anträge für die Kredite stellen?
Ob Freiberufler, inländisches oder ausländisches Unternehmen: Wer in Deutschland investiert, kann einen Kreditantrag stellen. Das Programm aus dem Konjunkturpaket I ist auf kleinere und mittelständische Unternehmen zugeschnitten, bis zu einem Jahresumsatz von 500 Millionen Euro. Mit dem zweiten Paket soll diese Grenze wegfallen. Ausgeschlossen bleiben jedoch große Konzerne, die Zugang zum Kapitalmarkt haben, also zum Beispiel Unternehmensanleihen auflegen können. Auch Unternehmen, die bereits tief in Schwierigkeiten stecken, können nicht am Kreditprogramm teilnehmen. Für sie gibt es seperate Programme.

An wen muss man sich wenden?
Wer sich für die KfW-Programme interessiert, kann sich zunächst von der Staatsbank beraten lassen (siehe Info-Kasten). Der Antrag selbst läuft jedoch immer über die Hausbank oder Sparkasse. „Sie gehen zur Hausbank und stellen dort Ihren Kreditantrag“, erklärt KfW-Sprecher Wolfram Schweickhardt. Die Hausbank prüfe dann die Bonität des Antragstellers und leite den Antrag gegebenfalls an die KfW weiter. „Normalerweise geht das relativ schnell“, sagt Schweickhardt. Länger als 14 Tage sollte der Antrag nicht dauern.

Darlehen bis 250 000 Euro wird die IBB demnächst verstärkt vergeben

Was wird finanziert?
Finanziert werden nicht nur Investitionen, sondern auch Betriebsmittel. Darunter fallen Maschinen, aber auch Warenlager und Anschlussfinanzierungen. Pro Vorhaben werden Beträge bis zu 50 Millionen Euro vergeben. Bei Investitionen sind Haftungsfreistellungen bis zu 90 Prozent möglich, bei Betriebsmittelfinanzierungen derzeit bis zu 50 Prozent. Diese Grenze soll jedoch im Rahmen des zweiten Konjunkturpakets auf 60 Prozent erhöht werden.

Zu welchen Konditionen bekommt man den Kredit?
Das hängt von der eigenen Bonität und der Hausbank ab. Denn die prüft die Sicherheiten und die finanzielle Lage des Unternehmens und entscheidet dann über die Konditionen. Die KfW gibt jedoch bestimmte Preisklassen vor, die von 5,09 bis 8,08 Prozent reichen. Die Mindestlaufzeit der Kredite beträgt drei Jahre. So lange wird auch der Zinssatz festgeschrieben. Bei Investitionen können die Kreditverträge bis zu acht Jahre laufen, bei Betriebsmitteln bis zu fünf Jahre. In der Anlaufphase kann der Kredit bis zu ein Jahr lang tilgungsfrei gestellt werden.

Welche Sicherheiten sind nötig?
Auch für die KfW-Kredite verlangt die Hausbank bankübliche Sicherheiten, also zum Beispiel Immobilien (Grundschuld, Hypothek), Maschinen, privates Vermögen oder private Bürgschaften. Bürgschaften von Bürgschaftsbanken, Bund, Ländern oder anderen öffentlichen Institutionen werden bei Krediten mit Haftungsfreistellungen jedoch ausgeschlossen.

Lassen sich mehrere Förderprogramme kombinieren?
Grundsätzlich ja, doch es gibt viele Ausnahmen, So lassen sich die KfW-Kredite zum Beispiel nicht mit anderen KfW-Krediten kombinieren, wenn es in beiden Fällen Haftungsfreistellungen für die durchleitenden Banken gibt. Am besten erkundigt man sich
direkt bei der KfW, wenn man
bereits andere Förderprogramme in Anspruch nimmt.

Welche speziellen Programme gibt es für Berlin?
In Berlin laufen Förder- und Kreditprogramme grundsätzlich über die Investitionsbank Berlin (IBB). Die IBB hat bereits angekündigt, den Geschäftsbanken bei Bedarf zweckgebundene Globaldarlehen auszuteilen, um die Kreditvergabe an die mittelständischen Unternehmen sicherzustellen. Ein Globaldarlehen ist ein großvolumiges Darlehen, das die Geschäftsbanken in eine Vielzahl von kleineren Krediten stückeln und an Unternehmen weiterreichen. Konkrete Maßnahmen waren bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe jedoch noch nicht beschlossen. Zudem will die IBB bei ihren regulären Programme „Berlin Start“ und „Berlin Kredit“ flexibler werden. „Sollte eine Finanzierung nicht zustande kommen, wird die IBB verstärkt Darlehen bis 250 000 Euro direkt aus dem bestehenden Fonds für kleinere und mittlere Unternehmen vergeben“, sagt IBB-Sprecher Uwe Sachs. Zum Jahresanfang 2009 habe Berlin zudem den Förderhöchstbetrag für Darlehen und Beteiligungen im Rahmen des Programms ProFIT (Programm zur Förderung von Forschung, Innovationen und Technologien) von einer auf drei Millionen Euro erhöht.

Stefan Kaiser


Aus der Ausgabe 3 / 2009

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