Der Dollar vor dem Abstieg?
|
Aus dem Gleichgewicht: Die Wechselkurse zwischen Euro und Dollar schwankten zuletzt stark. Foto: ddp |
Einen Verlierer der Weltwirtschaftskrise haben die Ökonomen bereits ausgemacht: den US-Dollar. Zwar hat sich die wichtigste Währung der Welt in den vergangenen sechs Monaten etwas von ihrer extremen Schwächephase erholt, doch viele Experten sagen ihr mittelfristig einen steilen Absturz voraus. Der könnte auch den ohnehin gebeutelten Exportunternehmen schwer zu schaffen machen.
So warnen etwa die Währungs-analysten der Schweizer Bank UBS in ihrer jüngsten Studie vor dem „Risiko einer erneuten Abwertung“. Hintergrund ist die aggressive amerikanische Krisenpolitik. Durch seine Konjunkturprogramme verschuldet sich der Staat so stark wie noch nie. Das erhöht die Unsicherheit der Anleger. Sie fragen sich, wie der Staat das riesige Defizit je wieder abtragen will. Eine mögliche Antwort darauf gibt die Notenbank Fed: Sie hat den Leitzins, zu dem sich Banken Geld leihen können, bereits auf nahe null gesenkt und will für eine Billion Dollar Wertpapiere ankaufen, darunter Staatsanleihen im Wert von 300 Milliarden Dollar. „Somit wirft die Fed quasi die Notenpresse zur Finanzierung des Staatshaushaltes an“, erklärt Christian Apelt von der Landesbank Hessen-Thüringen. Die natürliche Folge sei eine Abwertung des Wechselkurses. Ähnlich argumentieren die Experten von der UBS. Der Überhang an Liquidität, der durch die Maßnahmen der amerikanischen Notenbank Fed in das System gepumpt wurde, werde den Dollarkurs belasten, sobald die Konjunktur wieder anspringe, schreiben die Ökonomen. Zudem werde die Europäische Zentralbank womöglich stärker darauf achten, die Inflation im Zaum zu halten, als andere Notenbanken, die eher versucht seien, über Inflation die öffentlichen Haushalte zu sanieren. „Dies würde den Euro gegenüber dem US-Dollar stärken“, heißt es in der Studie.
Gefahr - Die Politik der USA könnte den Wechselkurs drücken
Wäre die Lage so klar, könnten sich die Unternehmen zumindest auf die anstehenden Veränderungen einstellen. Doch es gibt auch andere Stimmen. „Wir erwarten auf längere Sicht einen festeren Dollar“, sagt etwa Oliver Borgis, Leiter des Portfoliomanagements bei der Weberbank in Berlin. Man dürfe den Dollar nicht als Währung auf dem absteigenden Ast sehen, warnt der Experte. Die US-Wirtschaft sei als erste in die Krise geschliddert und werde nach aller Wahrscheinlichkeit auch als erste wieder herauskommen. Sicher seien solche Prognosen jedoch nicht, räumt Borgis ein. „Derzeit ist alles mit einer extrem großen Unsicherheit behaftet. Fest steht eigentlich nur, dass es weiter erhebliche Schwankungen bei den Wechselkursen geben wird.“
Vorstand: Stephan Mies
Adresse: Breitenbachstraße 1–6,
13509 Berlin
Umsatz: 28–31 Millionen Euro
Mitarbeiter: ca. 170 in Berlin,
weitere im Ausland
Telefon: 030 / 435 76-0
Web: www.korsch.com
Für Unternehmen dürfte es deshalb in Zukunft umso wichtiger sein, sich gegen diese Schwankungen abzusichern. Das betrifft zu allererst diejenigen, die Geschäfte im Dollarraum betreiben, also etwa Maschinen dorthin verkaufen. Sinkt der Wert des Dollar gegenüber dem Euro, werden ihre Waren in den USA erheblich teurer. Die Wettbewerbsfähigkeit sinkt.
Auch Berlin wäre von einer solchen Entwicklung getroffen. Von der Hauptstadt aus gingen vor der Krise elf Prozent der Exporte in den Dollarraum – mehr als im Bundesdurchschnitt. Aktuelle Daten, wie sich die Anteile in der Krise verändert haben, gibt es noch nicht.
Ein Beispiel ist die Firma Korsch, die sich auf die Herstellung von Tablettenpressen für pharmazeutische und chemische Produkte spezialisiert hat. „Ein Drittel bis die Hälfte unserer Exporte geht in den Dollarraum“, sagt Ingo Stammnitz, Vertriebsleiter bei der Korsch AG. „Wechselkursschwankungen machen uns das Leben damit natürlich schwer.“
Bei Korsch habe man die Erfahrung gemacht, dass sich die Schwankungen, entgegen vieler Expertenmeinungen, nicht zuverlässig vorhersehen ließen. „Wir sind in der Planung und Einschätzung eher auf uns allein gestellt“, klagt Stammnitz.
Korsch sichert sich bei vorhersehbaren größeren Dollargeschaften rechtzeitig gegen Verluste ab. Experten raten dies auch anderen Firmen. „Im Moment ist es sogar recht günstig, sich gegen Währungsschwankungen abzusichern“, sagt Oliver Borgis von der Weberbank. Wichtigstes Instrument seien dabei sogenannte Devisentermingeschäfte. Dabei wird der Tausch zweier Währungen mit einer bestimmten Mindesterfüllungfrist vereinbart. Je nach Erwartung, welche Währung im Wert steigt oder fällt, lässt sich so also ein bestimmter Kurs für die Zukunft festschreiben.
Sicherheit - Mit Termingeschäften lassen sich Risiken mindern
Ein Beispiel: Ein Berliner Unternehmer will Maschinen im Wert von 100 000 Euro in die USA verkaufen. Den dortigen Abnehmer kosten die Maschinen beim derzeitigen Wechselkurs etwa 130 000 Dollar. Zwischen Vereinbarung des Geschäfts und der tatsächlichen Zahlung können aber mitunter Monate liegen. Um sich dagegen abzusichern, dass der Dollar in diesem Zeitraum weiter fällt und die eigene Marge schrumpft, kann der Berliner Exporteur den aktuellen Kurs festschreiben lassen.
Diese Sicherheit hat jedoch ihren Preis. Zum einen verzichtet der Unternehmer auf die Chance, dass sich der Wechselkurs im Zeitraum zu seinen Gunsten verbessert. Zum anderen verlangen die Banken für die Absicherung Gebühren. Als Faustregel gilt: Je länger der Zeitraum, desto teurer wird es.
Flexibler funktioniert die Absicherung mit Devisenoptionsgeschäften. Dabei erwirbt der Käufer das Recht, jedoch nicht die Pflicht, eine Währung zu einem bestimmten Wechselkurs an einem bestimmten Termin zu kaufen oder zu verkaufen. Der Käufer bezahlt dem Verkäufer für dieses Recht eine Prämie.
Erwartet der Unternehmer zum Beispiel einen sinkenden Dollarkurs, so kann er sich mit einer Put-Option ein Verkaufsrecht zum aktuellen Kurs sichern. Tritt der Kursverfall wie erwartet ein, ist er also abgesichert. Entwickelt sich der Kurs jedoch entgegen seinen Erwartungen nach oben, kann er auf die Ausübung der Option verzichten. In diesem Fall hat er die Prämie umsonst bezahlt.
Am Schwierigsten bleibt am Ende die Einschätzung für den Unternehmer, in welche Richtung es tatsächlich geht. Auch die Berliner Korsch AG tue sich mit Prognosen schwer, sagt Vertriebsleiter Stammnitz. „Aus unserer Sicht ist ein schwächerer Dollar mittelfristig aber gut möglich.“
Stefan Kaiser
Aus der Ausgabe 5 / 2009
