Liebhaberstücke
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Eigenwillige Kreation: Beim Goldschmied Leon Lazar & Semper können Paare ihre Eheringe selbst entwerfen. Foto: Thilo Rückeis |
Wahre Schätze
„Es gibt nichts Besseres, als etwas zu fertigen, was glücklich macht!“ Panagiotis Tsavdaridis ist Goldschmied. 1993 eröffnete er eine Goldschmiede in Berlin-Kreuzberg und benannte sie nach seinem Großvater Leon Lazar. In dessen kleiner Werkstatt in dem griechischen Dörfchen Kozani ist Tsavdaridis bereits mit 16 Jahren auf den Geschmack gekommen. „Alles was mein Großvater angefasst hat, bekam ästhetische Form“, schwärmt er. Vor vier Jahren zog das Geschäft nach Schöneberg und wurde mit einer neuen Geschäftspartnerin zu Leon Lazar & Semper. Drei Goldschmiede, ein Uhrenmacher, ein Verkäufer und eine Auszubildende werkeln hier. Betritt man das Geschäft, kann man in deckenhohen Glasvitrinen einzigartige Schmuckstücke bewundern. Durch das Geschäft hindurch im hinteren Teil befinden sich Goldschmiede und Uhrenwerkstatt.
Hier werden Anfertigungen auf Kundenwunsch geschmiedet. Ein Highlight sind die Goldschmiedekurse. Besonders beliebt ist es, Eheringe selbst zu schmieden. Erst ab Februar gibt es wieder freie Plätze. 150 Euro kostet so ein Kurs. Hinzu kommen noch die Kosten für das Material, ab 100 Euro. Bei teuren Steinen ist man aber auch schnell mit 2000 Euro dabei. Besonders viel Wert legt die Goldschmiede auf die familiäre Atmosphäre dieser Kurse. Und wer sich nicht selbst in der Schmiede üben will, kann sich auch für eine Maßanfertigung eines Schmuckstücks beraten lassen. Dann wird gemeinsam entschieden, welches Material zu Haut und zum Typen passt. „Etwas völlig Neues kann kreiert werden.“ Skizzen werden gefertigt bis der Kunde zufrieden ist. Nach zwei bis drei Wochen hält der Kunde das Schmuckstück in seinen Händen.
Ein besonderer Auftrag waren zwei zweifarbige Ringe in Weißgold und Gelbgold, die die Geschichte des Pärchens erzählen. Ein Saphir und ein Rubin stellen Augen dar, die symbolisieren, dass sich das Paar auf einem Konzert zum ersten Mal gesehen hat und in die Ringe eingravierte Palmenblätter, dass sie sich unter Palmen näher gekommen sind. Diese Anfertigung kostete rund 12 000 Euro.
Ganz zufällig ist die Partnerschaft Lazar & Semper entstanden. Eines Tages stand Judith Semper im Geschäft und fragte nach einem Job. Die Goldschmiedin bewährte sich in der Probezeit. Panagiotis Tsavdaridis gefiel die Arbeit der 37-Jährigen, und es gab einfach zuviel zu tun.
„Echter“ Tee
„Meine Kunden sind mir dankbar, dass ich ihnen gezeigt habe, was ‚echter’ Tee ist.“ Vor drei Jahren gründete Maru Winnacker Seasons Tea und bietet damit in Deutschland eine völlig neue Kategorie von Tee an. „Tee wird oft mit Krankheit in Verbindung gebracht“, sagt Winnacker. Das wollte die BWL-Absolventin ändern.
Seasons Tea hat ein kleines Sortiment von elf Teesorten. Ausgewählt hat Winnacker sie nach Herkunft und Qualität: drei Grüne, drei Schwarze, drei Kräuter und zwei Weiße. Dazu gehört der Jade Oolong, ein klassischer grüner Tee aus den Bergen Taiwans, der Assam Hunwal, ein schwarzer Tee aus der Provinz Assam im Norden Indiens und der Pai Mu Tan White Tea, ein seltener weißer Tee aus dem Südosten Chinas. Alle elf Teesorten werden speziell angebaut und nur einmal im Jahr geerntet. 100 Gramm Pai Mu Tan White Tea kosten 60 Euro. Ihren Tee bezieht das Berliner Unternehmen über einen großen Händler. Winnacker weiß aber genau, von welchem Teebauern die Produkte stammen.
Ihren Tee vertreibt Winnacker deutschlandweit in Feinkostläden wie Käfer und beim KaDeWe. „Der hochwertige Tee passt einfach nicht in den Supermarkt“, sagt Winnacker. Trotzdem mussten die Händler erst einmal überzeugt werden, den Tee zu probieren. „Das ist wie bei Wein, wer erstmal von einer Sorte überzeugt ist, nimmt immer wieder die gleiche Flasche.“ Auch Online kann man den Tee kaufen.
„Ich wollte schon immer eines Tages ein eigenes Produkt und eine eigene Marke auf den Markt bringen“, erklärt die junge Geschäftsführerin. Ein Freund schwärmte nach einem Sabbatjahr in Asien von Tee, wie es ihn hier einfach nicht zu trinken gibt. Die Idee zu Seasons Tea entstand. Man kann sich selbst auf einer der Verkostungen überzeugen. Sie finden im Herbst und Winter alle zwei Monate statt.
Schuhe nach Maß
„Ich habe Schuhgröße 42 und habe nie schöne Schuhe gefunden.“ Deswegen ist Marlen Meier, 48, Schuhmacherin geworden. Christine Schöpf, 49, hat Schuhdesign in London studiert. Zufällig waren beide vor 19 Jahren gleichzeitig mit der Ausbildung fertig. Sie gründeten die Maßschuhmacherei „Meier & Schöpf“ an der Manteuffelstraße in Kreuzburg.
Betritt man den gemütlichen kleinen Laden, kann man zahlreiche Werke bewundern: eine bunte Auswahl von Holzschuhen und maßgeschusterten Stiefeln, Stiefeletten und Halbschuhen. Halbfertige Schuhe und solche, die darauf warten, von ihrem neuen Besitzer abgeholt zu werden. Einige Stufen höher geht es in die kleine Werkstatt. Hier hängen unzählige Leisten in den verschiedensten Größen und Formen an den Wänden.
„Das Besondere an uns ist, dass wir keine bestimmte Richtung haben, sondern für alles offen sind.“ Gerade Frauen könnten sich gut darauf einlassen, was der Kunde will, ohne sich selbst zu sehr einzubringen, sagt Marlen Meier. Die Kunden reichen von alten Damen, die orthopädische Schuhe brauchen, bis hin zu jungen Leuten, die einfach nichts nach ihrem Geschmack im herkämmlichen Schuhladen finden. Und natürlich all diejenigen, die außergewöhnliche Füße haben, die nicht so recht zum Standardschuh passen, also zu breit, zu lang oder zu dünn sind.
Adresse: Manteuffelstr. 41,
10997 Berlin
Mitarbeiter: 2
Telefon: : 030 / 611 57 18
Web: www.meier-schoepf.de
Öffnungszeiten:
Di.–Fr. 10.00–18.30 Uhr
Sa. 10.00–13.00 Uhr
Seasons Tea GmbH
Geschäftsführerin: Maru Winnacker
Adresse: Lobeckstraße 30–35,
Loft 301 Aqua Carrè Berlin,
10969 Berlin
Mitarbeiter: 2
Telefon: 030 / 322 97 05 00
Web: www.seasonstea.com
Leon Lazar & Semper
Goldschmiede, Uhrmacher, Meisterwerkstatt
Adresse: Goltzstraße 34,
10781 Berlin-Schöneberg
Mitarbeiter: 6
Telefon: 030 / 21 96 19 06
Web: www.leonlazar.de
Öffnungszeiten:
Mo.–Fr. 12.00–20.00 Uhr
Sa. 11.00–17.00 Uhr
Das Unternehmen bildet aus.
Auch bei Film und Theater sind die maßgefertigten Schuhe sehr beliebt. Neben Goebbels’ Schuhen in „Der Untergang“ und den Tretern für das „Sams“ sind auch schon Teufelsschuhe für das Deutsche Theater kreiert worden. Der verrückteste Auftrag waren Sneaker in der Form eines Herzens. Man schlüpfte einfach in die Herzkranzgefäße. Heute sind sie im Museum of Modern Art in New York zu bewundern. Ausgefallen war auch die Anfertigung von Pumps aus Hühnerfußleder mit einem hühnerfußförmigen Absatz aus Bronze.
Die handgefertigten Kunstwerke kosten ab 1100 Euro inklusive Leisten. Halbschuhe und Stiefel gibt es ab 1400 Euro. Hinzu kommen Aufpreise für Sonderwünsche wie Plateaus, exotisches Leder oder Applikationen. Der teuerste Schuh war für etwa 2000 Euro eine Stiefelette mit Einarbeitungen aus australischem Warzenkrötenleder. Von einem Lederhändler kaufen die beiden Ladeninhaberinnen je nach Bedarf drei größere Mengen Leder vom Känguruh, von der Warzenkröte oder gegerbte Hühnerfüße.
Für einen Schuh nach Maß wird eine Leiste erstellt und ein Probeschuh produziert. Der muss gefallen und vor allem passen. Insgesamt dauert der gesamte Herstellungsprozess durchschnittlich sechs Monate, bis die individuellen Schuhmodelle fertig sind.
Reich macht das Geschäft auch bei den saftigen Preisen nicht. Bei dem Arbeitsaufwand kommen die Schuhmacherinnen auf keinen Stundenlohn von 20 Euro. Und einen maßgefertigten Schuh herzustellen, sei richtige Knochenarbeit, sagen die beiden Geschäftsinhaberinnen.
Young-Sim Song
Aus der Ausgabe 10 / 2009

