Oasen des Sports

Die Golfplätze in Brandenburg zählen zu den schönsten in Deutschland. Für Meisterschaftsplätze wie die in Bad Saarow, Michendorf und Wilkendorf reisen Golfer aus ganz Europa an
Schön Sandig: Der Sandy-Lyle-Platz in Wilkendorf ist ein wahres Meisterwerk der Formen. Foto: promo

Nicht einen einzigen Golfplatz gab es in der DDR. Der Arbeiter- und Bauernstaat und der feine, gern verpönte Sport, das passte einfach nicht zusammen. Umso bemerkswerter ist es heute, dass einige der Golfanlagen, die nach der Wiedervereinigung im Berliner Umland geschaffen wurden, zu den Topadressen in Deutschland zählen. Kunstwerke aus Rasen, Sand und Wasser sind das, entworfen von Weltklassegolfern. 20 solcher 18-Loch-Plätze gibt es in Berlin und Brandenburg. Aus ganz Deutschland und aus dem Ausland kommen Golfer, um hier die Natur zu genießen und sich den sportlichen Herausforderungen zu stellen. Die größte wartet in Bad Saarow: Der Nick Faldo Course des Sporting Club Berlin ist der schwierigste Golfplatz Deutschlands. Eine einzigartige Begegnung bietet auch der Südplatz des Golf- und Country Clubs Seddiner See mit seiner unvergleichlichen Bunkerlandschaft. Der Sandy-Lyle-Platz in Wilkendorf entzückt mit Ausblicken auf Wälder und Seen. Wer schon Golfer oder Golferin ist, sollte diese Plätze auf jeden Fall gespielt haben. Wer bisher gezögert hat, sollte zum Schläger greifen. Die Bedingungen in der Region sind exzellent.

Nick Faldo Course Bad Saarow
An schlechten Tagen spielt hier nicht der Golfer, sondern der Platz – mit dem Golfer. Die besondere Herausforderung dieser preisgekrönten 18 Löcher sind die 135 kreisrunden Topfbunker, manche zu tief, um erhobenen Hauptes herauszuschauen. Die Fairways, also die Spielbahnen, schlängeln sich so schmal über die hügelige Landschaft, dass es eine Augenweide ist. Spielerisch kann dieser Minimalismus ein Horror sein. Ein schlechter Schlag und die hohe, säumende Wiese verschluckt den Ball auf Nimmerwiedersehen.
 
An guten Tagen aber vermag der Nick Faldo Course Golfern ein unendliches Selbstvertrauen zu schenken. Schließlich gibt es in Deutschland keine Golfanlage mit höherem Schwierigkeitsgrad. Wer hier besteht, kann sagen, ich schaffe es überall. „Selbstbewusstsein ist auf diesem Platz sehr wichtig“, betont der Schotte Jake McEwan, seit 1994 Headgreen-keeper in Bad Saarow. Ständig gelte es knifflige Entscheidungen zu treffen: Risiko oder Sicherheit? Wen das Selbstbewusstsein zu Übermut verleitet, den lehrt der Platz ganz schnell Demut. Die 62 Schläge, mit denen der Engländer Gary Evans 1998 den Platzrekord aufstellte, sind für Hobbygolfer so unerreichbar wie die Sterne.

„Obwohl der Nick Faldo Course anspruchsvoll ist, handelt es sich um einen fairen Platz ohne versteckte Tücken“, findet McEwan. Blinde Schläge, bei denen man das Ziel nicht sieht, gibt es allenfalls aus den Topfbunkern. Diese sind wie das Golfspiel an sich eine schottische Erfindung. Der ganze Nick Faldo Platz, vom gleichnamigen Weltklassegolfer entworfen, ist den typischen Links-Courses nachempfunden. Das sind Plätze, die sich in das Dünenland der rauen britischen Küste schmiegen, stets windumtost. „Wir haben hier quasi einen Links-Course ohne Küste“, erklärt McEwan.

Südplatz Seddiner See
Wer auf den ersten Löchern dieses außergewöhnlichen Golfplatzes mit seinem Ball noch nicht in einem der Sandbunker gelandet ist, um den wird es spätestens am siebten Loch geschehen sein. Vom Abschlag aus ist mehr Sand als Rasen zu sehen. Ein Sinnbild für den Südplatz des Golf- und Country Clubs Seddiner See, dessen schier endlosen kleeblattförmigen Bunker sich auf eine Sandfläche von mehr als 16 000 Quadratmetern summieren. „Mir fällt kein Platz ein, der mehr hat“, sagt Clubmanager Horst Schubert. 1997 wurde der Südplatz nach einem Entwurf des US-Amerikaners Robert Trent Jones Junior fertiggestellt, und obwohl dafür eine Menge Erde bewegt wurde, wirkt der wellige Platz sehr natürlich. Wie zum Beweis ist die Artenvielfalt mit Bau des Golfplatzes, seinen Wäldern, Wiesen und Teichen um ein Vielfaches gestiegen.

Adressen
| Sport und SPA Resort
A-Rosa Scharmützelsee |
Parkallee 1 | 15526 Bad Saarow
Telefon: 033631 | 626 82
Web: https://resort.a-rosa.de/scharmuetzelsee

Golf- und Country Club
Seddiner See AG

Zum Weiher 44 | 14552 Michendorf
Telefon: 033205 | 73 20
Web: www.gccseddinersee.de

Golfpark Schloss Wilkendorf
Am Weiher 1 | 15345 Altlandsberg
Telefon: 03341 | 330 96 00 30
Web: www.golf-wilkendorf.de

Das schönste Loch des Südplatzes ist die Nummer elf, bei dem man von einem Hügel hinab auf das Grün zielt, 136 Meter weit entfernt. Wer hier bei einem Turnier ein Hole-in-one schlägt, also mit dem ersten Schlag ins Loch trifft, gewinnt ein Wochenende für zwei in einem Hotel einer rennommierten Kette. „Pro Saison passiert das etwa zweimal“, berichtet Schubert. Wer nicht trifft, den entschädigt zumindest der tolle Ausblick vom Abschlag hinunter auf den Seddiner See.

Wer die Schnelligkeit der Grüns für ein entscheidendes Qualitätsmerkmal eines Golfplatzes hält, kommt am Seddiner See voll auf seine Kosten. Der Ball rollt und rollt und rollt – wie auf Marmorfliesen. Spektakulär wirkt das vor allem bei den Löchern 9 und 18, deren gemeinsames Doppelgrün allein 2000 Quadratmeter misst. Dort kann zum krönenden Abschluss der Runde auch mal ein 20-Meter-Putt nötig sein – in ein 10,8 Zentimeter kleines Loch. Was für eine Aufgabe.

Sandy-Lyle-Platz Wilkendorf
Ein Makel junger Golfplätze ist, dass ihnen ihre Unreife oft anzusehen ist. „Der Sandy-Lyle-Platz ist zwar erst 15 Jahre alt, könnte aber gut auch 80 sein“, sagt Thomas Schumann, Clubmanager des  Golfparks Schloss Wilkendorf bei Strausberg. Der Platz mit seinen großzügigen 120 Hektar Fläche ist von jahrhundertealtem Baumbestand umrundet und ein wahres Idyll – kein Straßenlärm, kein Fluglärm. Gleichzeitig ist er dank seiner Geländewellen anspruchsvoll und abwechslungsreich.

Loch Nummer 16 wurde schon zur schönsten Spielbahn in Berlin und Brandenburg gewählt. Das 488 Meter lange Par 5 hat terrassenförmig angelegte Abschläge und bietet einen gleichsam traumhaften wie für Golfer einschüchternden Blick auf einen lang gezogenen See, der die Spielbahn auf der Rechten bis zum Grün begleitet. Hier sind schon viele Bälle abgetaucht. Beim folgenden Loch 17 führt nur ein Schlag über den See direkt aufs Grün. Wasserscheu darf man hier nicht sein.

Arne Bensiek
arne.bensiek@tagesspiegel.de


Aus der Ausgabe 6 / 2012

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