Freizeittipps - Nur für Männer
Boxen, Baggern, Pokern oder Quadfahren: Berlin maximal stellt Orte vor, an denen Manager noch Mann sein dürfen. Oder wenigstens spielen wie kleine Jungs
|
Rainer Klettke, Architekt, fotografiert beim "Spassbaggern" mit einem 30 Tonnen FIATALLYS-Bagger im Baggerland Herzfelde nahe Rüdersdorf.
Foto: Thilo Rückeis |
Berlin maximal hat auf diesen Seiten schon über lauschige Bootspartien, entspannte Yogatechniken und Wellnesshotels in Brandenburg berichtet. Damit ist jetzt Schluss – diese Ausgabe bringt Freizeittipps für echte Kerle. Denn es gibt noch Orte, an denen ein Manager noch ein Mann sein darf. Wo Wagemut gefragt ist, körperliche Härte, Gespür für Technik oder Lust auf sinnlosen Benzinverbrauch. „Haben Frauen auch“, denken Sie? Okay, dann gelten die Tipps auch für Sie. Aber jammern Sie hinterher nicht, wenn es doch zu hart war – wir haben Sie gewarnt!
Tipp 1: Baggern für Einsteiger
Von klein auf sind Männer vom Baggern begeistert, Jungs können dem schweren Gerät stundenlang bei der Arbeit zusehen. Aber nur wenigen ist es vergönnt, später Baggerführer zu werden, die meisten von uns landen in irgendeinem Büro. Wer sich dennoch mal an einem Bagger versuchen will, muss sich nicht umschulen lassen: Im „Baggerland“ in Herzfelde bei Berlin wartet ein kleiner Gerätepark darauf, ausprobiert zu werden. „Die Idee ist, dass Männer hier ihren Spieltrieb ausleben können“, sagt Christine Schultz, die das Spaßbaggern für die Firma Alpha Baumaschinenvermietung organisiert. Nur etwa zehn Prozent der Gäste sind Frauen.
Als das Vermietungsgeschäft Ende der neunziger Jahre schlecht lief, kamen ein paar Mitarbeiter auf die Idee, wenig benutzte Geräte stundenweise an unausgelastete Büromenschen zu vermieten. Die Idee kam gut an, aus dem ganzen Land reisen Hobbybaggerführer mittlerweile an. Sogar aus Österreich, Dänemark und den Niederlanden zieht es immer mehr Baggerfreunde ins Spaßbaggerland. „Die meisten sind Bürojobber, wie Rechtsanwälte, Ärzte, Banker, Architekten oder Webdesigner“, erzählt Christine Schultz. Viele kommen mit einem Gutschein, den sie geschenkt bekommen haben, die Baggerstunde kostet 110 Euro.
Dafür können vier Geräte erprobt werden: zwei kleinere Bagger mit Rädern beziehungsweise Ketten, ein Sieben-Tonnen-Radlader und ein gewaltiger 30-Tonnen-Kettenbagger. „Den haben wir extra für das Baggerland angeschafft, an Baustellen vermieten wir den nicht“, sagt Schultz. Schließlich wolle man den Besuchern etwas besonderes bieten. Mit dem Gerät kann man Gruben ausheben und wieder zuschaufeln – letzteres erfordert weitaus mehr Fingerspitzengefühl, weiß Christina Schultz. „Viele Hobbybaggerfahrer haben danach großen Respekt vor den Profis, denn ganz so einfach, wie es aussieht ist das Baggern nicht.“
Alpha Baumaschinen
Adresse: Ahornstraße 3,
15378 Herzfelde
Telefon: 033434 / 89 67
Web: www.baggerland.de
Tipp 2: Quad-Tour querfeldein
Nicht Auto, nicht Motorrad, aber jede Menge Fahrspaß: Quads fetzen, vor allem, wenn man auf interessanten Strecken querfeldein fahren kann. Dazu gibt es gerade in Brandenburg viele Angebote. Zum Beispiel durch die ehemaligen Tagebaugebiete in der Lausitz. Hier haben die Riesenbagger eine zerklüftete Landschaft wie vom anderen Ende der Welt hinterlassen. Startpunkt ist der Gasthof zum Anker in Klein Partwitz bei Großräschen an der sächsisch-brandenburgischen Landesgrenze. Das „Motorrad auf vier Rädern“ ist nach wenigen Proberunden gut zu beherrschen. „Voraussetzung ist ein Pkw-Führerschein“, sagt Veranstalter Andreas Ittmann. „Außerdem ist natürlich der Schutzhelm Pflicht.“
Ittmann führt kleine Gruppen von sechs Quads mit je ein oder zwei Personen durch die abwechslungsreiche Landschaft. Steile Anstiege werden mit grandioser Aussicht belohnt. Auf der einen Seite liegt der aktive Tagebau Welzow-Süd, während daneben schon die neue Landschaft wächst. In die bis zu 60 Meter tiefen Gruben fließt nach dem Ende des Kohleabbaus Wasser. Der Partwitzer See, auf dessen künftiger Uferstrecke die Quads ihre ganze Stärke beweisen, gehört zur künftigen Lausitzer Seenkette aus rund 20 Gewässern. Die Quadfahrer erleben aber zunächst noch die „Zwischenlandschaft“.Vom Regen ausgewaschene Abraumhalden wirken wie Felswände, während auf wüstenartigen Flächen keine Pflanze wächst. In rasanter Fahrt entdecken die Teilnehmer immer neue Aus- und Einblicke. Schnupperfahrten von 90 Minuten kosten 49 Euro, längere Touren ab drei Stunden kosten 99 Euro pro Person, Beifahrer zahlen die Hälfte. Die Frauenquote liegt hier bei rund 30 Prozent, schätzt Ittmann. „Die fahren oft besser, da viele Männer versuchen, die Quads wie Motorräder zu fahren.“
Gasthof Zum Anker
Adresse: Lindenallee 5,
02979 Elsterheide (Ortsteil Klein Partwitz)
Telefon: 0162 / 406 73 81
Web: www.gasthof-zum-anker.de
Tipp 3: Boxen für Manager
Wirtschaft ist Krieg. Aber leider kriegt man den Gegner so selten in die Finger. Das ist beim Boxen Mann-gegen-Mann ganz anders. Managerboxen ist auf die Bedürfnisse des Bürokriegers zugeschnitten: Als Ausgleich für Menschen, die sich zu wenig bewegen und oft mehr einstecken müssen als sie austeilen dürfen. „Hier kommen schon mal Chefs hin, die gerne ihre Mitarbeiter erwürgen würden“, sagt Olaf Schwiemann vom Kampfsportverein Randori e.V. in Steglitz. „Hier können sie erstmal Aggressionen abbauen.“ Allerdings sollen die Hobbyboxer nicht nur kurzfristig ihren Frust bekämpfen. „Ziel ist es, zu lernen, im Stress nicht aus der Haut zu fahren“, sagt Schwiemann. Für viele ist das Manager-Boxen der Einstieg in eine anspruchsvollere Kampfsportart wie Jiu Jitsu oder Kung Fu. Eine Trainingseinheit Manager-Boxen mit persönlichem Coach kostet 100 Euro.
Randori im Steglitzer Kreisel
Adresse: Kuhligkshofstraße 4 (1. Stock),
12165 Berlin
Telefon: 030 / 79 70 15 09
Web: www.randori-berlin.de/steglitz
Tipp 4: Immer an der Wand lang
Wer in der Firma Verantwortung übernimmt, hat nicht viel Freizeit. Umso effizienter müssen die wenigen Stunden genutzt werden, die verbleiben, um mal abzuschalten. Am effizientesten bläst man sich den Kopf mit einer großen Portion Adrenalin frei. Die holt man sich zum Beispiel, wenn man von der Dachterrasse im 37. Stockwerk des Park Inn Hotels am Alexanderplatz herunterläuft. Nein, nicht im Treppenhaus: auf der Außenseite. „House Running“ heißt der steile Spaziergang beim Veranstalter Jochen Schweizer.
Dafür wird man in ein spezielles Gurtsystem gesteckt, das auf dem Dach befestigt ist. Mit dem läuft man im rechten Winkel zur Fassade abwärts. „Den meisten Mut erfordert es, sich oben auf der Hauskante nach vorne kippen zu lassen“, sagt Jana Haubold, Sprecherin der Jochen Schweizer GmbH. Manch einer dreht vorher ab. Doch wer diesen ersten Kick hinter sich gebracht hat, kann sich auf ein einmaliges Vergnügen freuen: 98 Meter in die Tiefe Laufen. Wer schnell läuft, ist in weniger als zwei Minuten unten. Wer unterwegs ein bisschen die Aussicht genießen will, braucht ein paar Minuten länger. Mit allem drum und dran dauert das Ganze etwa eine halbe Stunde. Der Nervenkitzel kostet 69 Euro und lässt sich auch als Firmenevent planen. Übrigens ist die Frauenquote bei dieser Veranstaltung recht hoch, etwa 40 Prozent der Mutigen, die sich für den Lauf in den Abgrund anmelden, sind weiblich.
Park Inn
Adresse: Alexanderplatz 7,
10178 Berlin
Telefon: 0180 / 560 60 84
Web: www.jochen-schweizer.de
Tipp 5: Pokern mit Stil
Bei der Poker Cigar Night liegt die Frauenquote bei null Prozent. „Frauen sind willkommen, aber bisher haben sich immer nur Männer angemeldet“, sagt Michael Diersch, Inhaber des Zigarrenhandels Miguel Private Cigars, der regelmäßige Pokerabende mit Zigarrengenuss organisiert. Die Spieler kaufen sich für 25 Euro ein, Sachpreise winken. Zigarren rauchen bis zum Abwinken, dazu passender Rum und ein gediegenes Spielchen: So ungesund können nur Männer entspannen. Alexander Visser
Miguel Private Cigars
Adresse: Berliner Str. 1,
10715 Berlin-Wilmersdorf
Telefon: 030 / 75 65 08 03
Web: www.privatecigars.net
