Wochenende auf zwei Rädern
Auf dem Fahrrad kann man nicht nur schöne Touren durch das Umland machen, sondern auch Berlin neu entdecken.
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Foto: promo |
Das Fahrrad ist auf dem Vormarsch. Ob auf dem Weg zur Arbeit, zum Einkauf, bei Sonne oder Regen: Zehn Prozent der Hauptstädter besteigen täglich den Drahtesel. Das reicht zwar noch nicht für den Spitzenplatz unter den Europäischen Hauptstädten. Denn den hält nach wie vor Amsterdam: hier nutzen täglich 28 Prozent der Einwohner, im Innenstadtbereich sogar 50 Prozent, ihr Rad.
Der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) ist sich jedoch sicher, dass immer mehr Menschen das Rad nutzen werden. Bei zehn Prozent werde es nicht bleiben, prophezeit der Berliner Landesverband. Doch nicht nur in der Stadt, auch im Berliner Umland gibt es auf zwei Rädern viel Interessantes zu entdecken (siehe Tourenvorschläge auf Seite 88). „Einheimische buchen bei uns Touren, die ein wenig abseits des Standard-Sightseeings sind“, weiß BoB-Chef Martin Wollenberg.
Deshalb bietet er Spezialtouren an. Auf der Tour „Oasen der Großstadt“ zeigen die Berlinexperten ihren Gästen beispielsweise persönliche Lieblingsplätze und geheime Orte. Vor vier Jahren hat Wollenberger Berlin on bike gegründet. Mit anfänglich 16 Fahrrädern bot er Touren zu den geheimen Clubs und Szenebars der Hauptstadt an. Dabei blieb es nicht: Seine Flotte besteht heute aus 300 Fahrrädern, er bietet 30 öffentliche Touren an — pro Woche. Vier bis sechs Stunden dauert eine Tour, knapp 30 Guides fahren für ihn. Allein acht von davon sprechen niederländisch.
„Die Holländer sind eine Fahrradnation, wir werden dort häufig über Agenturen gebucht“, sagt Wollenberger. Für Massengruppen ist er allerdings nicht zu haben. Maximal 15 Teilnehmer soll ein Guide führen. Manchmal ist das für Wollenberger eine fast unlösbare Aufgabe. Erst kürzlich hat sich bei ihm eine Gruppe von 300 Personen angemeldet. Woher? Aus Holland natürlich.
„Auch Unternehmen nutzen das gemeinsame Radeln, damit sich ihre Mitarbeiter kennen lernen“, weiß Wollenberger. Für das so genannte Teambuilding bekommen die Teilnehmer auf den Touren Aufgaben gestellt, die sie dann gemeinsam lösen müssen. Dadurch werde die Kommunikation und Handlungsfähigkeit des Teams ausgebaut. Die Lösung der Aufgaben treibe die Teilnehmer manchmal zu Höchstleitungen: Mittels Herablassen eines Seiles sollten die Teilnehmer einer Gruppe die Tiefe eines Schachtes schätzen. Einer der Teilnehmer wusste seine exakte Körpergröße und legte sich auf den Erdboden. Das Seil wurde bis auf den Grund des Schachtes heruntergelassen. Mit der Körpergröße als Maßstab konnte dann die Länge des heruntergelassenen Seilstückes berechnete werden. „Die errechnete Schachttiefe stimmte“, berichtet Wollenberg, immer noch etwas erstaunt.
Touren fernab vom Brandenburger Tor, Reichstag und Alexanderplatz bietet auch die Fahrradstation mit dem Programm „berlin by bike“ an. Auf der „Frauen regiern’ die Welt“ -Strecke wird auf den Spuren berühmter Berlinerinnen geradelt: Von Helene Weigel über Rosa Luxemburg bis hin zur ersten weiblichen Eisenbahnbeamten.
Und wer Besuch aus dem Ausland hat, ist bei Fattire bike tours richtig. Die Touren dort werden ausschließlich in englischer Sprache gehalten — inklusive US-amerikanischem Service. Man kann dort nicht nur eine Radpartie buchen, sondern in der hauseigenen Waschmaschine auch seine dreckige Wäsche waschen.
Schmutzige Kleidung werden auch die Schüler von BoB-Guide Judith Anderssen nach ihrer Mauertour mit nach Hause bringen. Es regnet und ein Reifen ist auch noch geplatzt. So eine Panne ist für Radprofi Anderssen jedoch kein Problem: Sie hat Werk- und Flickzeug immer in ihrem Fahrradkorb dabei. Mit ein paar Handgriffen ist der Reifen abgeschraubt, der kaputte Schlauch entfernt und ein neuer aufgezogen. Für die 300 Holländer ist sie bestens gewappnet.
Simone Miesner
Weitere Tipps auf Seite 88
Geführte Radtouren durch Berlin
Wer mit dem Fahrrad bekannte und unbekannte Orte in Berlin entdecken möchte, ist bei Guides von Berlin on Bike (BoB) genau richtig. Kulturbrauerei Hof 4, Knaack- straße 97, Tel.: 030 / 43 73 99 99 Preis: 17 Euro inklusive Leihrad, 12 Euro mit eigenem Fahrrad www.berlinonbike.de
Vom Berlin der 20er Jahre bis zu den Spuren berühmter Berliner- innen: Die Fahrradstation macht‘s möglich. Friedrichstraße 95, Tel.: 0180-510 80 00, Preis pro Person und Tour: 15 Euro www.fahrradstation.com
Die kompaktesten Berlinpartien gibt es bei Berlin starting point. In zwei Stunden zeigen einem die Fahrrad-guides die Hotspots der Stadt. Tel.: 030 / 62 72 13 03 Preis: 12 Euro pro Person plus 6 Euro für ein Leihrad. www.berlin-starting-point.de
Die Touren von Fat Tire Bike tours sind in englischer Sprache und deshalb sehr zu empfehlen, wenn Besuch aus dem Ausland kommt. Panoramastraße 1 a, Tel.: 030 / 24 04 79 91 Preis:18–20 Euro pro Person www.fattirebiketoursberlin.com
Aus der Ausgabe 4 / 2008
