Schlösser Berlin-Brandenburg

Fürstlich feiern, stilvoll tagen

Ein Jubiläum steht an? Oder eine Klausur mit leitenden Mitarbeitern? In Brandenburg gibt es für jeden Anlass das passende Schloss
Schloss Ziethen: Privates Hotel mit dem diskreten Charme der Aristokratie. Die Ursprünge des Herrenhauses gehen auf das 14. Jahrhundert zurück. Foto: promo

Vorstandsmitglied Hildegard Schumann schwärmt heute noch von dem Fest ihrer Firma im Juli. Ihr Unternehmen, der Beamten-Wohnungs-Verein zu Köpenick eG, ist im Frühjahr 100 Jahre alt geworden. Das sollte mit den Mitarbeitern und den Genossenschaftsmitgliedern gefeiert werden. Doch wo findet man Platz für ein paar tausend Gäste? Das Hundertjährige feiert man schließlich nicht auf dem Firmenparkplatz. „Wir haben uns für Diedersdorf entschieden, weil es dort genug Platz gibt und das Schloss im Süden Berlins für unsere Mitglieder leicht erreichbar ist“, sagt Hildegard Schumann. „Es war ein tolles Fest mit 3500 Gästen, wir haben den ganzen Tag gefeiert und vor 22 Uhr ist keiner gegangen.“

Tagen und feiern kann man fast überall, aber ein Schloss gibt jeder Firmenveranstaltung einen besonderen Rahmen. Ob eine arbeitsintensive Klausur für den harten Kern der Führungsmannschaft oder eine fröhliche Party mit Belegschaft und Gästen: Für jeden Anlass findet sich in Brandenburg ein passendes Schloss.
Seit der Wiedervereinigung sind Jahr für Jahr weitere Häuser restauriert worden, viele davon werden als Hotels und Restaurants betrieben. Von Touristen können sie nicht leben, die Betriebe zehren im Sommer von Hochzeiten sowie Firmenfesten und im Winter von Tagungen. Die Konkurrenz ist groß, die Qualitätsunterschiede sind es auch. So schwankt die Klasse der Küche je nachdem, wer gerade die Chefmütze auf hat.
Bernd Matthies, renommierter Restaurantkritiker des Tagesspiegel, klagt über die recht hohe Fluktuation der Küchenchefs im Berliner Umland: „Man kann sich nicht darauf verlassen, dass die Küche eines einmal empfohlenen Hauses beim nächsten Besuch noch überzeugt.“
Daher lohnt es sich bei wichtigen Anlässen in jedem Fall, den Ort vorab aufzusuchen, Küche und Service zu testen. Von den vielen Angeboten rund um die Hauptstadt hat Berlin maximal fünf Häuser ausgewählt, die einen guten Überblick über das Angebotsspektrum geben, vom diskreten, exklusiven Tagungshotel bis zum Hochleistungs-Festbetrieb, der bis zu fünf Hochzeiten an einem Tag bewältigt.

Schloss Ziethen im Nordwesten

Eines der ältesten als Hotel genutzten märkischen Herrenhäuser liegt in Groß-Ziethen. Der Ursprung des Hauses liegt im 14. Jahrhundert, es wurde immer wieder umgebaut und erweitert. Gegründet von der Familie von Bredow, wechselte das Haus mehrfach den Besitzer. 1879 fiel es an die Familie von Bülow, die das Gut bis zum Einmarsch der roten Armee 1945 bewirtschaftete. Zu DDR-Zeiten unter anderem von Umsiedlern „zwischengenutzt“, übernahm 1994 Edith Freifrau von Thüngen, eine geborene von Bülow, mit ihrer Familie das baufällige Anwesen, das einst ihren Vorfahren gehörte. „Wir sind hier nicht wie die Gutsherren aufgetreten, sondern haben uns bemüht, einen Ort des Austauschs zwischen Ost und West zu schaffen“, sagt Edith von Thüngen.

Das Haus wurde restauriert und behutsam zum Hotel umgebaut, das 1997 eröffnet wurde. Es hat 39 Zimmer und sieben Tagungsräume. Das Haus liegt in einem schönen Landschaftspark, so dass man im Sommer unter Bäumen oder am nahen Waldsee tagen kann. Auch das Restaurant „Orangerie“ kann für Feierlichkeiten angemietet werden. Hier finden die Gäste eine „moderne, ausgereifte Küche zu vernünftigen Preisen“, wie Tagesspiegel-Experte Bernd Matthies kommentiert.
Die Tagungsgäste entstammen der Inhaberin zufolge meist der Führungsebene von Unternehmen. Auch Parteien, Ministerien und Bundeskanzlerin Angela Merkel hätten hier bereits getagt. „Unsere Gäste wissen den privaten Charakter unseres Hauses zu schätzen“, sagt Freifrau von Thüngen. Der Besuch lohnt sich auch unabhängig von Tagungsabsichten: Das Schloss lockt mit Lesungen und Konzerten.

Schloss Ziethen, 53 km vom Roten Rathaus
Adresse: 16766 Kremmen, OT Groß Ziethen
Telefon: 033055 / 950
Web: www.schlossziethen.de

Neuhardenberg im Osten

„Neuhardenberg liegt nicht einfach am Weg. Wer hierher kommt, der fährt ganz gezielt, der muß suchen. Doch wenn er den Ort gefunden hat, dann erwartet ihn ein Geschenk.“ Das sagte der damalige Bundespräsident Johannes Rau zur Wiedereröffnung des restaurierten Schlosses im Mai 2002. Am kurz vor der polnischen Grenze gelegenen Neuhardenberg wirkten große Namen: Karl Friedrich Schinkel sorgte für den Umbau des Gebäudes im klassizistischen Stil. Peter Joseph Lenné und Hermann Fürst von Pückler-Muskau gestalteten den wunderbaren Landschaftpark. Seinen  heutigen Namen erhielt das Schloss durch den preußischen Reformer Fürst von Hardenberg. „Mit ihm ziehen Urbanität, Grazie und Lebensgefühl als Lebensmaximen in das märkische Kleinod ein“, heißt es es in der Schlosschronik.

Nach der Wiedervereinigung kauft und saniert der Sparkassen- und Giroverband das Anwesen. Heute trägt die Stiftung Schloss Neuhardenberg GmbH die Verantwortung für das Tagungsgeschehen, den Hotelbetrieb und das anspruchsvolle Kulturprogramm. Zurzeit läuft etwa die Ausstellung „Was für ein Kerl“ über die Vereinnahmung Heinrich von Kleists im Dritten Reich.
54 Zimmer hat das Hotel, getagt werden kann in elf Räumen und in der Orangerie. Der große Saal fasst rund 180 Personen. Im Restaurant „Orangerie“ führt Küchenchef Sebastian Gier die Regie. Georg Meiwes, als stellvertretender Direktor für die Tagungsarrangements zuständig, erzählt, dass Neuhardenberg vor allem von kleineren, exklusiven Runden genutzt wird.
Eine von diesen Runden war 2003 die Kabinettsklausur unter dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder, der seine Minster an einer Gartentafel um sich versammelte. Die Nachrichtenbilder waren die bisher wohl wirksamste Werbung für den Hotel- und Tagungsbetrieb. Wer sonst noch hier tagt, wird aus Diskretionsgründen nicht verraten. Wem die Anfahrt zu weit erscheint, der kann den zum Schloss gehörenden Hubschrauberlandeplatz ansteuern.

Schloss Neuhardenberg, 70 km vom Roten Rathaus
Adresse: Schinkelplatz, 15320 Neuhardenberg
Telefon: 033476 / 6000
Web: www.schlossneuhardenberg.de

Hubertushöhe im Südosten

Schloss Hubertushöhe am Storkower See hat eine weniger fürstliche Geschichte. Das malerische Anwesen im romantischen Phantasiestil wurde von einem Druckereibesitzer zur vorigen Jahrhundertwende angelegt, um den Lebensstil der aristokratischen Elite nachzuahmen. Während die Geschichte nicht allzuweit zurückreicht, ist die Liste der angebotenen exklusiven Vergnügungen lang: Gäste können per Hubschrauber oder Wasserflugzeug anreisen. An Bord des Bootsklassikers „Riva Aquarama“ kann man die umliegenden Seen erkunden. Besucher können hier auch Golf und sogar Polo spielen und sich im ambitionierten Restaurant Windspiel kulinarisch verwöhnen lassen.

Arbeiten soll man hier auch können: Tagungsräume gibt es für 6 bis 250 Personen. „Die direkte Lage am Storkower See mit eigener Badestelle und eigenem Hafen bietet Ihnen die Möglichkeit, ein Teil Ihres Events auf dem Wasser zu verbringen“, bieten die Hausherren an.

Schloss Hubertushöhe, 68 km vom Roten Rathaus
Adresse: Robert-Koch-Str. 1, 15859 Storkow
Telefon: 033 678 / 430
Web: www.hubertushoehe.de

Diedersdorf im Süden

Großveranstaltungen wie die eingangs erwähnte 100-Jahr-Feier des Beamten-Wohnungs-Vereins zu Köpenick mit 3500 Gästen finden auch hier nicht alltäglich statt. Aber Schloss Diedersdorf ist ein gut organisierter Veranstaltungsbetrieb, der auch Feste mit tausenden Gästen zu stemmen weiß. Wenn die Kapazitäten nicht von einem Event ausgeschöpft werden, finden auf dem weitläufigen Gelände eben mehrere Feste gleichzeitig statt, ohne dass sich die verschiedenen Partygäste ins Gehege kommen. „Manchmal“, berichtet Geschäftsführer Henri Schröder, „haben wir hier an einem Tag fünf Hochzeiten“.

Für Feste, Tagungen und Mischformen zwischen beiden gibt es verschiedene Räumlichkeiten. Vier Salons gibt es in dem Hauptgebäude von 1798. Die Markthalle mit bis zu 400 Plätzen ist für größere Privatfeiern oder Betriebsausflüge geeignet. Der rustikal ausgebaute Kuhstall nimmt bis zu 300 Gäste auf, in der Schmiede finden noch 150 Personen Platz. Daneben gibt es noch kleinere Räumlichkeiten wie die Bäckerei oder die Schlossbrennerei, in der auch noch Schnäpse gebrannt werden. Wer den gesamten Gutshof anmietet, kann ein vielseitiges Programm mit Gruppenspielen, buntem Markttreiben und regionalen Speisen buchen. Einschließlich der genannten Räumlichkeiten können so bis zu 5000 Personen verköstigt und unterhalten werden, verspricht Henri Schröder. Zudem gibt es regelmäßig besondere Veranstaltungen wie den Ritterschmaus im Mittelalter-Stil oder das Oktoberfest (26. September bis 18. Oktober 2008).

Schloss Diedersdorf, 26 km vom Roten Rathaus
Adresse: Kirchplatz 5–6, 15831 Diedersdorf
Telefon: 03379 / 353 50
Web: www.schlossdiedersdorf.de

Schloss Kartzow im Westen

Wie Schloss Hubertushöhe wurde auch Schloss Kartzow in Potsdam-Fahrland Anfang des 20. Jahrhunderts für einen Industriellen errichtet. Die laufenden Renovierungsarbeiten wurden bisher nur im Erdgeschoss abgeschlossen, die obere Etage folgt, dann ist auch ein Hotelbetrieb mit 17 Zimmern vorgesehen. Vier Appartments wurden bereits fertig gestellt. „Unser Angebot für Hochzeiten wird schon jetzt sehr gut angenommen, bis Ende Oktober sind wir ausgebucht“, sagt Geschäftsführerin Ina Sonntag.  Im großen Saal finden 120 Personen Platz, mit Nebenräumen können 160 Gäste feieren. Auch für Betriebsfeiern sei das Schloss gut geeignet, sagt Sonntag. „Sie haben das ganze Haus für sich.“

Den Tagungsbereich will die Schlossherrin in den nächsten Monaten entwickeln, wenn weitere Räumlichkeiten fertig renoviert sind. Insgesamt sollen rund drei Millionen Euro investiert werden. Als großen Standortvorteil für ihr Schloss sieht Ina Sonntag die Nähe zu Potsdam und Berlin: „Je nach Verkehr sind Sie vom Ku‘damm in 30 bis 40 Minuten bei uns.“

Schloss Kartzow, 37 km vom Roten Rathaus
Adresse: An der Dorfstraße, 14476 Kartzow
Telefon: 033232 / 23 89 50 oder 033208 / 203 26
Web: www.schloss-kartzow.de

Alexander Visser

Aus der Ausgabe 8 / 2008

Zurück