Würstchen statt Champagner

Auch in der Krise muss man nicht auf das Sommerfest verzichten. B-max verrät einige sparsame Varianten
Der Abteilungsleiter als Grillmeister: Stimmungsvolle Sommerfeste lassen sich auch auf kleiner Flamme feiern. Foto: dpa

Angela Merkel trank Weißwein mit Kurt Beck und plauderte über das EM-Finale: Das letzte Sommerfest der „Bild“-Zeitung war laut Eigenwerbung, „ein Sommermärchen in Rot und Weiß“. Das Märchen ist aus, eine Fortsetzung wird es vorerst nicht geben. Schuld daran ist Springer-Chef Mathias Döpfner: Er hat im vergangenen Dezember alle Veranstaltungen gestrichen und den Verlag in eine feierfreie Zone verwandelt. Seine Begründung: „Auch wir müssen sparen.“ Angesichts sinkender Werbeerlöse stecke das Unternehmen seine finanzielle Kraft lieber in Zeitungen, Zeitschriften und Online-Angebote. Sollten sich andere Unternehmen an Springer ein Beispiel nehmen? Ist es vielleicht sogar unanständig, in Krisenzeiten zu feiern?

„Auf gar keinen Fall“, sagt Dieter Leuthold, Professor an der Hochschule Bremen und Experte für interne Unternehmenskommunikation. „Feste ersatzlos zu streichen ist falsch und im Grunde auch ungerecht.“ Er höre zwar derzeit oft, dass Unternehmen Veranstaltungen absagen, das sei aber problematisch: „Die Mitarbeiter sind ja nicht schuld an der Krise, sie haben anständig gearbeitet“, sagt Leuthold. Deshalb habe die Belegschaft auch immer eine gewisse Erwartungshaltung, Krise hin oder her. Und die müssten Unternehmer ernst nehmen, sonst leide die Stimmung im Betrieb. Natürlich könnten Unternehmer von ihren Mitarbeitern Opfer verlangen, aber vor den Kopf stoßen dürften sie die Angestellten nicht.

Feste ersatzlos zu streichen ist falsch und im Grunde auch ungerecht

Leuthold rät Unternehmern, auch im Krisenjahr 2009 zu feiern. Denn derzeit seien Feste besonders wichtig. „Es ist falsch zu sagen, die Not schlägt uns alles weg.“ Sommerfeste seien nicht bloßer „Sozialklimbim“, sondern ein wichtiger Teil der Unternehmenskultur, weil sie die Mitarbeiter motivieren und den Zusammenhalt in der Belegschaft stärken. „Beides sind Dinge, auf die es gerade in Krisenzeiten ankommt.“

Leutholds Rat an die Unternehmer: Das Problem gegenüber dem Betriebsrat offen ansprechen. Gemeinsam findet sich meist auch eine Lösung für die Finanzierung. „Man kann solche Veranstaltungen auch mit geringen Kosten realisieren“, sagt der Experte. Letztlich gehe es bei den Festen ja nicht ums Geld, sondern um die Wirkung.

Wie ein Sommerfest für wenig Geld und mit viel Spaß aussehen kann, das zeigt die Wall AG jedes Jahr im grünen Herzen der Hauptstadt: im Tiergarten. Statt an Cocktails zu nippen und Häppchen zu knabbern, verbrennen die Wall-Mitarbeiter kräftig Kalorien. In Fünf-Mann-Teams laufen und schwitzen sie mit beim großen Staffel-Lauf der Berlin-Marathon-Organisatoren. Im letzten Jahr ackerten 20 000 Teilnehmer rund um den südlichen Tiergarten, darunter 150 Wall-Mitarbeiter. „Danach gibt es immer ein großes Picknick mit Catering und Getränken“, sagt Unternehmenssprecherin Beate Stoffers. Die Wall AG zahlt die Verpflegung und die Anmeldegebühr von rund 50 Euro pro Staffel.

Der Kontrast zur letzten Weihnachtsfeier der Wall AG könnte nicht größer sein. Da hat das Unternehmen traditionell groß aufgefahren. Die 450 Mitarbeiter waren geschlossen im Musical „Mama Mia“ am Potsdamer Platz und tanzten danach im Club  „Adagio“ durch die Nacht. Der Spaßfaktor sei aber beim Staffellauf genauso groß wie bei der Weihnachtsfeier, sagt Beate Stoffers, nur die Kosten seien deutlich geringer. „Die Veranstaltung wird von Jahr zu Jahr beliebter. Selbst Mitarbeiterkinder laufen in Wall-Shirts mit.“ Ihr Fazit: „ Man muss nicht unbedingt viel Geld in die Hand nehmen, es gibt viele gute Anlässe, die sich ideenreich nutzen lassen.“
Auf ihr sportliches Sommerfest wird die Wall AG auch in diesem Jahr nicht verzichten: „Mitarbeiterveranstaltungen wie der Lauf und das Picknick fördern den Teamgeist. Und der ist schließlich immer wichtig, in guten wie in schlechten Zeiten – nicht zuletzt auch für die Motivation und Kommunikation untereinander.“

Es würde sicherlich bitter aufstoßen, wenn bei der Feier Pomp und Gloria ausbricht

Sparfeste liegen im Trend, das spürt auch die Eventbranche: „Zu uns kommen auch Kunden, die mit kleinen Budgets Großes bewegen wollen“, sagt Claudia Nixdorf von der Firma „Die Eventagenten“ in Berlin. Am falschen Ende sollten die Unternehmer aber nicht sparen. „Es genügt nicht, Prosecco und Champagner durch Perlwein zu ersetzen und eine Hüpfburg auf die Wiese zu stellen“, sagt die Eventmanagerin. Aufgabe und Anspruch einer Agentur sei es, eine gewisse Qualitätsstufe zu sichern und diese nicht zu unterschreiten. „Ein Event, der rund ist und den Mitarbeitern in Erinnerung bleibt, kostet eben Geld“, sagt Nixdorf. Spartipps haben die Eventagenten trotzdem. Mit einem Buffet statt einem Menü spare man schnell 20 Euro pro Person. Ein weiterer Sparkniff: keine Cocktails und Longdrinks, denn an denen hängt meist Extra-Personal. Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Veranstaltungsort: „Wer die Feier auf dem Firmengelände ausrichtet, kann die Kosten enorm senken“, sagt Nixdorf.

Die BVG hat sich den Tipp zu Herzen genommen und feiert „auf Arbeit“. Der 80. Geburtstag der Verkehrsbetriebe findet in diesem Jahr in den eigenen Werkshallen statt: „Wer mit großen Wagen herumfährt, hat eben auch viel Platz zum Feiern“, sagt BVG-Sprecherin Petra Reetz.

Die Berliner Volksbank feiert zwar noch auswärts, drückt aber ebenfalls die Kosten. „Wir müssen ja immer einen Ort finden, wo rund 1500 Mitarbeiter rein- passen“, sagt Pressesprecherin Nancy Mönch. In diesem Jahr geht es auf das Krongut Bornstedt bei Potsdam. Die Mitarbeiter zahlen dafür eine „symbolische Selbstbeteiligung von 5 Euro“. Darin sind Bier, Wein und nichtalkoholische Getränke enthalten, alles andere kostet extra. „Damit haben wir vor sechs Jahren angefangen“, sagt Mönch. „Mittlerweile ist das voll akzeptiert, es gibt sogar Leute die sagen: für die Feier würde ich auch mehr zahlen.“

Ein Grund für die hohe Akzeptanz: Die Feier wird vom Betriebsrat organisiert und geplant. „Der kalkuliert mit sehr spitzem Bleistift.“ Und das ist gut so, sagt Mönch. „Es würde sicherlich bitter aufstoßen, wenn bei der Feier plötzlich Pomp und Gloria ausbricht.“ Auch anderswo herrscht bei der Volksbank das Do-It-Yourself-Prinzip: „Vieles machen wir auch selbst – zum Beispiel die Musik. Einige Mitarbeiter haben ihre eigenen Bands und spielen auf dem Fest.“ 

Die besten Möglichkeiten für ein Discount-Sommerfest haben natürlich kleine Unternehmen, die nicht so viele Kollegen bewirten müssen. So wie das Berliner Internet-Startup „Aka-Aki“. Wo gehen 15 Leute hin, die wenig Geld haben und trotzdem feiern wollen? In den Park. „Unser Maskottchen ist ein Comic-Elch, deshalb wollten wir uns im letzten Jahr zum Sommerfest einmal echte Elche anschauen“, sagt Firmensprecher Roman Hensler. Beim Picknick im Tierpark Friedrichsfelde sind sie fündig geworden. „Leider sind wir dabei völlig eingeregnet. Den Besuch bei den Elchen wollen wir trotzdem zu Tradition machen, eine Firma braucht ja Rituale.“
Noch besser als mit den Friedrichsfelder Elchen zu picknicken, wäre natürlich eine Tour nach Schweden, in die Heimat der Elche. „Das ist ein Traum, den wir uns leider nicht leisten können.“ Vielleicht klappt es ja nach der Krise, wenn der Aufschwung kommt.

Joachim Telgenbüscher


Aus der Ausgabe 5 / 2009

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