Zeit für eine Landpartie
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Sanftes Schaukeln: Wer Brandenburg auf dem Trampeltier erkundet, vergisst schnell die Hektik der Großstadt. Foto: Corinna Visser |
Kamelreiten in Nassenheide
Aladin ist sechs Jahre alt und geschätzte 800 Kilo schwer. Dennoch bewegt er sich fast lautlos auf seinen schwieligen Sohlen über die Äcker und Feldwege bei Nassenheide. Nichts scheint ihn und die beiden Trampeltierdamen Akmaja und Fatima aus der Fassung zu bringen. Sanft schaukeln sie beim gemächlichen Gehen hin und her. Die Pferde in der Koppel nebenan sehen aus, als würden sie sich gern der kleinen Karawane anschließen. „Die Ruhe der Trampeltiere überträgt sich sofort auf den Besucher“, sagt Gabriele Heidicke. „Wer hierher kommt, kann seine Beine und seine Seele baumeln lassen.“ Darum empfiehlt die Betreiberin des Fleckschnupphofs einen Ritt auf dem Trampeltier vor allem gestressten Großstädtern. Die verlassen den Hof dann immer gelassen und fröhlich.
Gestresst sind Anne (12), ihre Schwester Nele (10) und ihre Freundin Marie (7) nicht, aber fröhlich. „Das ist eine prima Lehne hier“, freut sich Marie, die in 1,80 Metern Höhe fast zwischen den beiden Höckern von Akmaja verschwindet. „Das wackelt so schön“, sagt sie. Reitkenntnisse sind nicht erforderlich für den Ausflug. „Egal, was ist: Immer ruhig und locker bleiben, dann bleiben auch die Tiere gelassen“, rät Pfleger Hannes, der die kleine Karawane begleitet.
Die Alte Schule Fürstenhagen bietet auch Kochkurse an
Geschäftsführer: Nadine Gala,
Florian Löffler
Adresse: Zur Alten Schule 5,
17258 Fürstenhagen/
Feldberger Seenlandschaft
Telefon: 039831 /220 23
Web: www.hotelalteschule.de
BRANDENBURG-TOURS
Geschäftsführer: Lutz Weichelt
Adresse: Mittelstraße 23,
15370 Fredersdorf bei Berlin
Telefon: 0173 / 611 10 27
Web: www.brandenburg-tours.de
FLECKSCHNUPPHOF
Geschäftsführer: Gabriele Heidicke
Adresse: Am Dorfanger 12,
16775 Löwenberger Land,
Ortsteil Nassenheide
Telefon: 0177 / 301 95 30
Web: www.fleckschnupphof.de oder
www.kamelreit-gutschein.de
Trampeltiere, das sind die Kamele mit zwei Höckern. Ursprünglich kommen sie aus Mittelasien, wo sie in Wüstengebieten leben. Eiseskälte im Winter und brütende Hitze im Sommer sind für die Trampeltiere mit dem dicken Fell kein Problem. Auch das Grün am Wegesrand schmeckt ihnen - zu gut sogar. Weil das Futter in der Mark viel nährstoffreicher ist als in den kargen Wüstengegenden, aus denen die Tiere kommen, muss Hannes eher darauf achten, dass Aladin, Fatima, Akmaja und die anderen nicht zu dick werden. Nur eines mögen die Trampeltiere nicht: Für Regen ist ihr Fell nicht gemacht.
Inzwischen leben neun Trampeltiere auf dem Fleckschnupphof in Nassenheide, nördlich von Oranienburg. Im Frühjahr wurde ein Fohlen hier geboren. Vier Trampeltiere sind als Reittiere ausgebildet. Seit 2006 bietet Gabriele Heidicke die Kamelausritte an. Ursprünglich war das gar nicht vorgesehen. Der Plan war, eine Kamelzucht aufzubauen und die Jungtiere zu verkaufen. „Aber es standen immer wieder Menschen am Tor, die wollten unbedingt die Tiere sehen“, sagt Heidicke. Also öffnete sie die Tore.
Ausreiten kann man täglich und das ganze Jahr hindurch – nur eben nicht, wenn es regnet. Etwa eine Stunde dauert der gemächliche Ritt durch die Felder und am Wald entlang. Maximal drei Ausritte pro Tag werden angeboten, daher ist eine Terminvereinbarung erforderlich. Der Ritt durch das Gelände kostet 55 Euro pro Person und Kamel. Daneben können aber auch Erlebnisstunden für Kinder und kleine Gruppen gebucht werden (60 Euro pro Stunde und pro Kamel). Wer einfach nur die Tiere aus der Nähe bewundern will, für den ist der Hof sonntags zwischen 15 und 18 Uhr geöffnet (Eintritt ein Euro). Die Öffnungszeit ist so knapp bemessen, damit die Kamele der Menschen nicht überdrüssig werden.
Auch wenn der Ausritt nur eine Stunde dauert, mindestens drei Stunden Zeit sollte man mitbringen. Denn vor dem Ritt heißt es Kamele striegeln und satteln. So können sich Mensch und Tier gegenseitig schon ein bisschen kennen lernen. „Die große Kunst ist es, den Tieren nicht zu zeigen, dass sie viel stärker sind“, verrät Gabriele Heidicke. Marie, Nele und Anne ist das gelungen. Tierpfleger Hannes hatte ihnen vorher erklärt: „Für die Tiere sind wir die ranghöheren Kamele.“ Das hat geklappt. Die drei Mädchen können sich auch nach ihrer Rückkehr lange nicht losreißen von den großen, sanften Tieren.
Mit dem Quad übers das Land
Wem das alles zu still und zu gemächlich ist, der kann die abgelegenen Feld- und romantischen Waldwege Brandenburgs auch auf ganz andere Weise erkunden: Auf einem Quad zum Beispiel. Ein Quad ist ein geländegängiges Fahrzeug, das an ein Motorrad erinnert, aber vier Räder hat. Maximal sechs Gäste nimmt Brandenburg-Tours in Fredersdorf bei Berlin mit auf Tour. Eine Stunde kostet pro Person 59 Euro, zwei Stunden 79 Euro. „Zwei Stunden sind für ungeübte Fahrer die Grenze“, sagt Brandenburg-Tours-Chef Lutz Weichelt. „Quad-Fahren kostet richtig Kraft.“ Dennoch sei es bei allen Altersgruppen beliebt. Mit dem Quad kann man auch Landstriche erkunden, die mit dem Auto nicht zugänglich sind. Allerdings ist ein Auto-Führerschein erforderlich. Wem das Quad zu abenteuerlich erscheint, kann Offroad-Fahrten bei Brandenburg-Tours auch mit dem Geländewagen buchen.
Noch bequemer ist es, sich fahren zu lassen. Brandenburg-Tours bietet auch Safaris durch Brandenburg an, in die märkische Schweiz zum Beispiel oder ins märkische Oderland. Lutz Weichelt zeigt seinen Gästen dabei am liebsten die verborgenen Schätze Brandenburgs, so wie die im Wald verborgene 200 Jahre alte Feldsteinpyramide zum Beispiel. „Dabei muss niemand Angst haben, den ganzen Tag im Auto zu sitzen“, sagt Weichelt. Spätestens nach 20 Minuten steigt er aus, um etwas Neues zu zeigen, Sehenswürdigkeiten, die man garantiert nicht in Hochglanzprospekten findet. Die Touren werden individuell auf die Wünsche der Gäste abgestimmt. Wer will, kann zusätzlich Quad oder auch Kanu fahren. Ab 400 Euro kostet eine Tagestour für acht Leute. Je nach Wunsch gibt es ein reichhaltiges Picknick im Grünen. Oder man steuert ein Restaurant an.
Entspannen und Genießen
Eines der schönsten Restaurants in der Region lohnt auch allein schon einen Wochenendausflug. In Fürstenhagen im Norden Berlins, das eigentlich schon zu Mecklenburg gehört, bittet Florian Löffler zu Tisch. Der Berliner Spitzenkoch (fünf Jahre im Vau) hat gemeinsam mit seiner Frau Nadine Gala die alte Schule neben der Kirche renoviert und in ein Kleinod verwandelt.
Das Speisezimmer mit dem großen alten Tisch und den vielen frischen Blumen macht Appetit, noch bevor der Aperitif zusammen mit hausgemachten Grissini serviert wird. Essen und Getränke sind weder überkandidelt noch überteuert. Jahreszeitenküche nennen sie ihre wunderbaren Kreationen aus Kräutern, Pilzen, Fisch und Wild aus der Region.
Die Übernachtung im „Biologieraum“ oder „Mathematikzimmer“ kostet nicht einmal 70 Euro für zwei Personen, darin enthalten ist ein gutes Frühstück. Und am nächsten Morgen lockt die Feldberger Seenlandschaft Fahrradfahrer und Spaziergänger mit sanften Hügeln und schönen Aussichten.
Corinna Visser, Miriam Schröder
Aus der Ausgabe 6 / 2009

