Finanzspritze vom Bund

Kreditversicherungen sollen Zulieferer davor bewahren, durch zahlungsunfähige Kunden selbst in Not zu geraten. Doch in der Krise sinkt die Zahlungsmoral der Versicherer – die Regierung will helfen
Unterstützung von der Regierung: Die Kreditversicherungen sollen Geld vom Staat bekommen. Foto: avatra images

Die Branche ist vorsichtig geworden: Seit der Finanzkrise sind die deutschen Kreditversicherungen nicht mehr bereit, so viel Geld auszugeben wie vorher. Sie haben die Summen, bis zu denen Kredite bei ihnen versichert werden können, herabgesetzt, gleichzeitig aber die Prämien drastisch erhöht. Das wirkt sich laut Umfrage negativ auf die Unternehmen aus: In der Untersuchung des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW), bei der Mitte des Jahres 1503 Unternehmer befragt wurden, gaben 23 Prozent der Befragten an, das Geschäftsgebaren der Warenkreditversicherer habe negative Folgen für die eigene Firma. „Die veränderte Geschäftspolitik wirkt sich bei jedem vierten Mittelständler negativ auf das Unternehmen aus“, sagt BVMW-Präsident Mario Ohoven. Konkret bedeutet das geringere Liquidität, was die Folgen der akuten Kreditklemme noch verschlimmert. „Deshalb ist es gut, wenn der Staat künftig bei Warenkreditversicherungen im so genannten Top-Up-Verfahren einen Teil des Forderungsausfallsrisikos übernimmt, den die privaten Versicherer nicht mehr abdecken“, sagt Ohoven. 

Die Bundesregierung hat sich der Angelegenheit angenommen. Anfang September wurde im „Lenkungsausschuss Unternehmensfinanzierung“ beschlossen, Kreditversicherungen mit Bundesgeldern aufzustocken. Finanziert werden soll das mit 7,5 Milliarden aus dem „Wirtschaftsfonds Deutschland“. „Bedauerlich ist nur, dass diese Hilfen für den Mittelstand erst nach der Bundestagswahl zur Verfügung stehen“, kritisiert BVMW-Präsident Ohoven.

Über eine Kreditversicherung wird kein Kredit im eigentlichen Sinne abgesichert, sondern die noch ausstehenden Zahlungen, die zum Beispiel ein Zulieferer für bereits gelieferte Teile oder ein Dienstleistungsunternehmen für bereits ausgeführte Aufträge noch zu bekommen hat. Dadurch gewährt das Unternehmen dem Kunden indirekt Kredit, da es über das Geld bis zur Zahlung nicht frei verfügen kann. Kann die Firma die Rechnung nicht zahlen, weil sie beispielsweise insolvent ist, springt der Versicherer bis zu einem vorher festgelegten Limit ein. Laut dem Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) haben aktuell rund 40 000 deutsche Firmen entsprechende Policen abgeschlossen.

Es ist sinnvoll, dass der Bund einspringt

„Dass der Bund einspringt, ist sinnvoll“, sagt Heike Pfaff von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin. Nachdem der Bund im Frühjahr die Hermes-Bürgschaften für Exporte aufgestockt und erweitert habe, müsse man als nächsten Schritt auch konsequent die Absicherung des Inlandshandels stärken. In von der Krise besonders stark betroffenen Branchen wie beispielsweise der Automobilbranche hätten es Zulieferer zurzeit auch bei den Kreditversicherern schwer.

Firmeninfos
| Euler Hermes Kreditversicherungs AG |

Euler Hermes hat derzeit verschiedene Positionen zu besetzen

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22763 Hamburg
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Telefon: 040 / 883 40
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Adresse: Leipziger Platz 15,
10117 Berlin
Telefon: 030 / 533 20 60
Web: www.bvmw.de

Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V.
Präsident: Rolf-Peter Hoenen
Adresse: Wilhelmstraße 43/43 G,
10117 Berlin
Telefon: 030 / 20 20 50 00
Web: www.gdv.de

Unternehmer, die ihre Warenlieferungen oder Dienstleistungen mit einer staatlich gestärkten Kreditversicherung absichern wollen, müssen den Weg über die privaten Versicherungsunternehmen gehen. In Deutschland sind das vor allem Euler Hermes, Coface, Atradius, Zürich und die R+V-Versicherung. Um eine solche Versicherung abschließen zu können, muss sich das Unternehmen einer speziellen Prüfung unterziehen. Dabei nimmt der Versicherer neben der wirtschaftlichen Situation und der Eigenkapitalausstattung des zu versichernden Unternehmens auch die Branche, vor allem aber das Kunden-Portfolio der Firma genau unter die Lupe.
„Wir schauen uns das gesamte Unternehmen an“, erklärt Sabine Enseleit von Euler Hermes. Entscheidend sei die Bonität der Unternehmen, die der potenzielle Kunde beliefere. Die Versicherer bezeichnen diese Firmen als „Risiken“. Die Höhe der individuellen Risiken entscheidet letztlich darüber, wie teuer eine entsprechende Versicherung wird und welchen Anteil der geforderten Summe die Versicherung tatsächlich absichert. Es kann also zum Beispiel vorkommen, dass die Versicherung nur 50 Prozent der geforderten Summe abdeckt.

Bei der nun beschlossenen Aufstockung hat sich die Bundesregierung für ein so genanntes „Top-up“-Modell entschieden. „Lieferanten aus dem In- und Ausland, die ihre Warenlieferungen an deutsche Unternehmen absichern wollen und seit dem 1. September 2008 von einer Kürzung des privaten Kreditversicherungsschutzes betroffen waren oder sind, können eine Aufstockung beantragen“, heißt es aus dem Bundeswirtschaftsministerium. Der Staat verdoppele maximal das vom privaten Kreditversicherer festgelegte Limit. Das bedeutet: Wenn der private Kreditversicherer zum Beispiel 50 Prozent des beantragten Versicherungsschutzes gewährt, kann der Staat weitere 50 Prozent aufstocken, bei 30 Prozent weitere 30 Prozent. Für den aufgestockten Wert soll eine Prämie fällig werden, die sich nach dem abzudeckenden Betrag bemisst und sich in der Größenordnung von 2,5 bis 3,0 Prozent bewegen soll.

Wie eine Garantieurkunde

Dazu schließen die privaten Versicherer einen Vertrag mit dem Bundeswirtschaftsministerium ab. „Es handelt sich dabei um eine Art Garantieurkunde“, erklärt GDV-Sprecher Matthias Müller.

Anschließend können sie die Versicherungspolicen mit dem zusätzlichen Staatszuschuss anbieten. Losgehen soll es mit der Aufstockung im Oktober oder November dieses Jahres. Als Maßnahme aus dem Konjunkturpaket II ist die Förderung bis zum 31. Dezember 2010 befristet.

Heike Pfaff hält es für sinnvoll, dass die Bonitätsprüfung durch die Versicherer der staatlichen Unterstützung vorgeschaltet ist. Nur so könne gewährleistet werden, dass die Förderung denen zugute komme, für die sie gedacht sei: Unternehmen, die vor Beginn der Krise wirtschaftlich gesund waren und durch ihr wirtschaftliches Umfeld in Bedrängnis geraten sind. Schließlich wolle man  nicht, dass Steuergelder mit der Gießkanne ausgeschüttet würden. „Ob die Maßnahme sofort die Richtigen erreicht hat, kann man nicht so schnell sagen“, sagt Heike Pfaff. Noch sei das Programm ja nicht angelaufen. Nach dem jetzigen Modell hilft der Bund nur den Unternehmen, deren Risiken von Versicherern auch versichert werden. Wer aufgrund eines zu hohen Risikos abgelehnt wird, geht derzeit leer aus.

Dass das nicht der letzte Schritt sein muss, zeigt ein Blick auf  Deutschlands Nachbarstaaten. In Frankreich war zunächst ebenfalls ein „Top-Up“-Modell eingeführt worden, das jedoch nicht sehr erfolgreich war, wie Matthias Müller vom GDV berichtet. Deshalb setze man dort mittlerweile auch auf ein so genanntes „Ground-Up“-Modell, das genau die absichert, denen private Versicherer den Schutz verwehren.

Dabei prüfen die Versicherer wie zuvor zunächst die Bonität der Firma und der Kunden des Unternehmens, das seine ausstehenden Forderungen versichern lassen möchte. Stellt der Versicherer jedoch fest, dass er den Kunden aufgrund der jeweiligen Risiken nicht versichern kann oder will, wird nach einem weiteren staatlich festgelegten Kriterienkatalog erneut geprüft. Erfüllt er die Kriterien, springt der Staat als Versicherer ein. Im Falle des Forderungsausfalls geht dies zu 100 Prozent zu Lasten des Steuerzahlers.

Florian Ernst


Aus der Ausgabe 10 / 2009

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