Urlaubszeit ist Einbrecherzeit

Im Sommer rücken vor allem kleine Unternehmen in den Fokus von Dieben. Wer Betriebsferien plant, sollte beizeiten vorsorgen und ein umfassendes Sicherheitskonzept für die Firma erstellen
Unbefugter Zutritt. Unternehmer sind verpflichtet, die Firma gegen Einbruch zu versichern. Foto: Thilo Rückeis

Wenn eingebrochen wird, trifft es einen Unternehmen oft gleich mehrfach. Manchmal ist es gar nicht das Ärgerliche, dass etwas gestohlen worden ist. „Oft ist der Schaden, der an Türen und Fenstern und Sicherheitsanlagen entsteht, größer als derjenige, der aus dem Verlust der Gegenstände herrührt“, sagt Helmut Rieche, Vorsitzender der Initiative für aktiven Einbruchschutz „Nicht bei mir!“, einer Organisation der Verbände der Sicherheitswirtschaft und der Polizei. „Auch Vandalismus ist ein Problem. Manche Täter richten absichtlich einen Schaden an, wenn sie nicht finden, was sie gesucht haben.“

Im vergangenen Jahr verzeichnete die Polizeiliche Kriminalstatistik für Deutschland rund 101 000 Einbrüche in Diensträume, Büros, Fabrikationshallen, Werkstätten oder Lager. Häufig betroffen sind daneben Warenhäuser und Verkaufsräume, aber auch Gaststätten, Kantinen, Hotels und Pensionen. Auch in Kioske wurde mehrere Tausend Mal eingestiegen. Rund 200 Millionen Euro Schaden sind durch diese Einbrüche insgesamt entstanden. Im Sommer sind es vor allem die kleinen Unternehmen, die in den Fokus der Einbrecher rücken. Denn in Betriebsräumen, die wegen Betriebsferien verwaist sind, können sie unter Umständen leichte Beute machen.

Aus Sicht von Helmut Rieche sollte jedes Unternehmen überlegen, wie mit dem Thema Einbrüchen umgegangen wird. „Das gilt für den Einzelhandel genauso wie für die Großindustrie. Worin besteht die Gefährdung? Mit welchem Risiko ist dies für den Betrieb verbunden und welche Maßnahmen müssen dagegen ergriffen werden? Kurz: Was würde mich aus der Bahn werfen, wenn es abhandenkommt?

Zu einem geschlossenen Sicherheitskonzept gehört es, die Art der zu schützenden Räumlichkeiten zu definieren. Bürohäuser, Werkhallen oder Lagerplätze bedürfen unterschiedlicher Sicherheitstechnik. Wichtig ist auch die Lage des Betriebs. Befindet er sich in einem Industriegebiet, das außerhalb der Arbeitszeiten unbelebt ist, oder in einer ständig bewohnten Mischbebauung?

Selbstverständlich muss auch darüber nachgedacht werden, was durch das Sicherheitskonzept geschützt werden soll. Sind es bestimmte Werte, etwa schwer wiederzubeschaffende Werkzeuge und Maschinen, oder wichtige Daten auf Computern und Festplatten? Zuletzt müssen das Risiko und die Folgen einer Betriebsunterbrechung eingeschätzt werden – und wie groß die eigene Risikobereitschaft des Unternehmers ist.

Je nachdem, zu welchem Ergebnis die Analyse gelangt ist, kann es sinnvoll sein, etwa Türen zu verstärken und mit modernen Zylinderschlössern auszustatten. Fenster können mit Splitterschutzfolie versehen werden, damit sie nicht so einfach durchgeschlagen werden können.

Sicherheit - Zylinderschlösser an Türen und Fensterfolien sind eine gute Investition

Schwachpunkt bei Lagerräumen sind oft die Dachfenster, die besonders gesichert werden sollten. Bei Lagerplätzen ist ein stabiler Zaun mit entsprechenden Toren empfehlenswert. Alle Elemente können mit einer elektronischen Meldeanlage ergänzt werden, die im besten Falle mit einem Wachunternehmen verbunden ist. 

Es lohnt sich, über ein solches Konzept nachzudenken, wie die Statistik zeigt. Insgesamt ist die Zahl der Einbrüche seit 1993 um fast die Hälfte gesunken. Dies hängt vor allem mit der verbesserten Sicherheitstechnik zusammen, an der nach Einschätzung der Kriminalstatistiker rund 40 Prozent der Einbrüche scheitern. Die Möglichkeiten, das Unternehmen zu schützen, sind immer besser geworden. Aus Sicht der Initiative „Nicht bei mir!“ sollte deshalb Einbruchsschutz selbstverständlich zum Risikomanagement gehören. „Viele Täter sind Gelegenheitstäter. Sobald sie merken, dass sie nicht in wenigen Minuten zum Ziel kommen, ziehen sie wieder von dannen“, sagt Helmut Rieche.

Vor allem auf die technische Ausstattung haben es die Einbrecher abgesehen. Denn Bürogeräte, Computer, Monitore und Drucker lassen sich schnell und einfach weiterverkaufen. „Die modernen Kommunikationsgeräte sind ja quasi überall zu finden und oft schlecht gegen Einbruch gesichert“, sagt Sigrid Festl, Expertin für Einbruchsdelikte bei der Allianz Deutschland AG. Früher seien Pelze und Teppiche sehr begehrt gewesen. Heute sind es neben den Bürogeräten immer noch Uhren, Schmuck, Textilien und natürlich Bargeld.

Informationen
| Initiative für aktiven Ein-
bruchsschutz „Nicht bei mir!“ |
Adresse: c/o Hill & Knowlton
Communications GmbH,
Friedrichstraße 148, 10117 Berlin
Telefon: 030 / 288 75 80
Web: www.nicht-bei-mir.de

Wenn Computer, Festplatten oder Server zum Diebesgut gehören, kann dies unter Umständen sogar die Existenz des Unternehmers bedrohen. Wichtige Projekte, an denen gerade gearbeitet wurde, sind häufig schwieriger zu ersetzen als die reine IT an sich. Kundendateien, Auftragsmanagement, Buchhaltung – wenn sensible Daten verloren gehen, wiegt auch der Vertrauensverlust in das Unternehmen schwer. Und selbst die reine IT zu ersetzen, ist nicht immer einfach. Bis ein adäquater Ersatz für einen Server gefunden ist und er auch entsprechend konfiguriert ist, kann schon eine Woche vergehen. Eine Woche, in der die Firma wichtige Aufträge nicht abarbeiten kann. In der sie aber auch befürchten muss, dass Kunden abspringen. Dies gilt erst recht dann, wenn das Unternehmen Services im Internet anbietet.

Schon aus purem Eigeninteresse ist deshalb ein regelmäßiges Backup notwendig. Ist das nicht vorhanden, springt auch eine Versicherung nicht für den entstandenen Schaden ein. „Die Betriebsinhaber sind dazu verpflichtet, ihre Daten so zu sichern, sodass sie im Versicherungsfall nicht abhandenkommen“, sagt Allianz-Einbruchsexpertin Sigrid Festl. Das gilt nicht nur für IT-Unternehmen. Auch kleinere Handwerksbetriebe sollten die Datensicherung ernst nehmen. 

Für die Hardware im Büro gilt: Computer und Notebooks lassen sich mit Kabelsicherungen gegen Diebstahl schützen. Viele Geräte haben dafür einen kleinen Schlitz, der mit einem Ketten- oder Schlosssymbol gekennzeichnet ist. Die etwa fingernagelgroße Öffnung befindet sich meist seitlich oder hinten am Gerät. Das Kabel wird dann um ein stabiles und schwer transportierbares Objekt gelegt, beispielsweise die Standfüße eines Bücherregals.

Zu Zeiten des Rohstoffbooms 2008 waren in Deutschland auch Kabel und Schrott ein gefragtes Diebesgut. Dies ist mit der Wirtschaftskrise abgeebbt. „Nachdem die Diebstähle bei Metallen und Schrott zurückgegangen sind, ist nun ein neuer Trend erkennbar: Photovoltaikanlagen haben sich zu einer begehrten Ware entwickelt“, sagt Sigrid Festl. Doch auch dagegen kann man sich schützen. Etwa, indem spezielle Schrauben bei der Installation verwendet werden, die mit normalen Schraubschlüsseln nicht gelöst werden können. Zusätzlich verfügen moderne Anlagen über spezielle Chips, die bedingen, dass die Anlagen nur über Sicherheitscodes freigeschaltet werden können. Außerdem sollte dann noch die Herstellernummer der Module notiert werden. Damit im Fall der Fälle über diese Nummer der Täter identifiziert wird und die Module dem Eigentümer zurückgegeben werden können.

Henning Zander


Aus der Ausgabe 7 / 2010

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