Hilfe von außen
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Auf dem Weg zum Klienten: Externe Kanzleien begleiten den Unternehmer in allen rechtlichen Fragen. Foto: dpa |
Die Berliner Firma Kieback& Peter hat es weit gebracht. Das Familienunternehmen ist auf Gebäudetechnik spezialisiert und hat Kunden rund um den Globus. Die Berliner sorgen für das richtige Raumklima im Reichstag, sie steuern die Temperatur und Frischluftzufuhr auf dem Pariser Flughafen Le Bourget und sie schaffen im Budapester Labor des Pharmariesen Sanofi eine angenehme Arbeitsatmosphäre.
Über 1000 Mitarbeiter hat Kieback&Peter weltweit und einen Jahresumsatz von rund 130 Millionen Euro, nur eines hat das Unternehmen nicht: eine eigene Rechtsabteilung, denn dafür seien die Anforderungen einfach zu vielfältig. „Für unsere Geschäfte brauchen wir juristisches Know-how aus verschiedenen Bereichen“, sagt Michael Schmidt, Geschäftsleiter für Vertrieb, Forschung und Entwicklung. Statt eigene Juristen in der Firmenzentrale am Tempelhofer Weg zu beschäftigen, arbeiten die Mittelständler daher lieber mit verschiedenen Rechtsanwaltskanzleien zusammen.
Dort bekommen die Ingenieure das rechtliche Wissen, das sie brauchen: Es gibt Kanzleien, die sind spezialisiert auf das Vergaberecht für Bauleistungen. Andere Anwälte kennen sich besonders gut im Arbeitsrecht aus, wieder andere wissen genau, wie man Niederlassungen im Ausland gründet. Für eine international tätige Firma, die Handelspartner in ganz Europa und zahlreiche eigene Standorte in aller Welt hat, ist das von großer Bedeutung.
Heutzutage muss alles geregelt sein
Immer mehr Firmen folgen dem Beispiel von Kieback&Peter und sparen sich eigene Hausjuristen. Stattdessen binden sie sich an eine oder mehrere Rechtsanwaltskanzleien. Diese begleiten die Unternehmer dann in allen rechtlichen Fragen. Was früher nur in großen, international tätigen Konzernen zu finden war, setzt sich jetzt auch in immer mehr mittelständischen Unternehmen durch – die Erkenntnis nämlich, dass man sich juristische Fehler nicht leisten kann. Denn wer hier patzt, kann eine Menge Geld verlieren.
Und das passiert gerade juristischen Laien schnell. „Die Verrechtlichung nimmt zu“, sagt Ulrich Schellenberg von der Berliner Rechtsanwaltskanzlei Schellenberg Unternehmeranwälte. Wurden früher oft Verträge per Handschlag geschlossen, sieht die Sache inzwischen anders aus. „Heute muss alles schwarz auf weiß geregelt sein“, weiß Michael Schmidt von Kieback&Peter.
Auch der Generationenwechsel wirkt sich aus: In vielen Firmen haben jetzt die Söhne und Töchter der Firmengründer das Sagen. Und die haben oft schon an der Uni gelernt, auf rechtliche Fallstricke zu achten.
Großkonzerne machen das schon lange. Sie arbeiten seit jeher mit namhaften Kanzleien zusammen – selbst wenn sie im Haus eine Rechtsabteilung haben. „Wir beraten dann die In-House-Anwälte oder arbeiten mit ihnen zusammen“, berichtet Martin Seyfarth, Partner im Berliner Büro von Wilmer Hale. Die Kanzlei hat 1993 ihr Büro in Berlin eröffnet, „als erste amerikanische Kanzlei“, wie Seyfarth sagt. Heute arbeiten 40 Anwälte in der Friedrichstraße.
Sie versorgen die Hausjuristen in den Unternehmen mit Spezialwissen. Die firmeninternen Rechtsabteilungen nehmen zu kniffeligen Detailfragen oder bei komplexen Projekten gern externen Sachverstand in Anspruch. Hinzu kommt, dass sich die Global Player auf die jeweiligen Verhältnisse vor Ort einstellen müssen, wenn sie dort Niederlassungen gründen oder Firmen übernehmen. Deutsches Arbeitsrecht unterscheidet sich von englischem, vom Steuerrecht ganz zu schweigen.
Kleine Mittelständler findet man in den Mandantenlisten der großen Kanzleien seltener. Existenzgründer sind noch rarer. „Für Kleinunternehmer sind die Stundensätze der Topkanzleien oft noch zu hoch“, erklärt Seyfarth.
Tatsächlich unterscheiden sich die Honorare deutlich voneinander. In den internationalen Law Firms reicht die Spanne von 250 Euro für einen jungen, angestellten Anwalt bis zu 600 Euro für einen Partner – pro Stunde versteht sich. Kiezanwälte arbeiten dagegen für 75 bis 90 Euro pro Stunde, sie haben aber in der Regel weder die Kapazitäten noch das Know-how, um Unternehmer zu betreuen.
Die Lücke zwischen Kiez und Kapital füllen mittelgroße Kanzleien mit mehreren Anwälten, die sich auf mittelständische Unternehmer spezialisiert haben. Dort liegen die Stundensätze für jüngere Anwälte bei rund 180 Euro, für die erfahrenen Partner bei 240 Euro. Abgerechnet wird unterschiedlich. Einige Kanzleien schreiben die geleisteten Anwaltsstunden auf, andere vereinbaren ein Pauschalhonorar pro Monat.
Schadensersatz-Rechtsschutz: übernimmt die Kosten für die Geltendmachung von Sach-, Personen- und Vermögensschäden.
Straf-Rechtsschutz: springt ein, wenn dem Unternehmer Straftaten vorgeworfen werden. Dazu können Bestechung oder Unterschlagung genauso gehören wie die Verletzung von Umweltvorschriften und betrieblichen Sicherheitsbestimmungen. Bei Bußgeldverfahren – etwa bei Verstößen gegen das Ladenschluss-, Arbeitszeit- oder Mutterschutzgesetz – braucht man einen Ordnungswidrigkeiten-Rechtsschutz.
Arbeits-Rechtsschutz: hilft bei Auseinandersetzungen mit Ihren Mitarbeitern, z.B. bei Kündigung oder wegen einer Versetzung.
Sozialgerichtsschutz: unterstützt den Unternehmer bei Streit mit den Sozialversicherungsträgern.
Standesrechtsschutz: springt bei Verfahren vor Berufs- oder Ehrengerichten ein.
Der Bedarf ist groß: Immer mehr Mittelständler suchen nach Kanzleien, die sie rundum juristisch betreuen. Gleiches gilt für Freiberufler und Einzelkaufleute. Denn im Geschäftsleben stellen sich viele Fragen immer wieder: Verträge mit Lieferanten und Kunden müssen durchgesehen werden, arbeitsrechtliche Auseinandersetzungen mit Mitarbeitern oder dem Betriebsrat müssen geklärt werden, und wenn Kunden nicht zahlen, kümmert sich nicht mehr die Bank um das Problem, sondern der Anwalt. Ein wichtiges Thema ist außerdem das Gesellschaftsrecht. Wann muss man eine Gesellschafterversammlung einberufen, was darf der Geschäftsführer – auf solche Fragen muss der Anwalt eine Antwort haben.
Hinzu kommen oft noch Sorgen, die nicht nur mit der Firma zusammenhängen, sondern den Unternehmer auch als Person betreffen. Das Erbrecht gehört dazu, genauso wie die Frage, ob der Seniorchef bereits zu Lebzeiten einen Teil seines Vermögens an seine Kinder übertragen möchte. Und von großem Interesse sowohl für das Unternehmen als auch für den Unternehmer: die Steuer. Daher arbeiten viele der auf den Mittelstand spezialisierten Kanzleien mit Steuerberatern zusammen.
Flexibilität wird vorausgesetzt. „Man muss auch mal am Wochenende eine Beurkundung vornehmen“, sagt Anwalt und Notar Schellenberg. Und auch in dringenden Fällen gilt: Die Kanzlei muss für den Mandanten am Wochenende erreichbar sein. „Wenn mir ein Mandant vom Flughafen in München eine SMS schickt, erwartet er, dass ich ihm direkt antworte“, berichtet Schellenberg. Ganz gleich an welchem Wochentag.
Das funktioniert aber nur, wenn in der Kanzlei genügend Anwälte vorhanden sind. Zudem sollten die Juristen die wichtigsten Rechtsgebiete abdecken – dazu gehören das Arbeitsrecht, das Vertragsrecht, das Gesellschaftsrecht sowie der gewerbliche Rechtsschutz mit Patent-, Namens- und Markenrecht.
Wir sagen, wie es geht
Aber wie findet man den richtigen Anwalt? Meist über Empfehlung. „Einige fragen ihre Geschäftsfreunde oder ihren Steuerberater, andere surfen im Internet“, berichtet Schellenberg, der auch Vorsitzender des Berliner Anwaltsvereins ist. Unternehmern, die auf der Suche nach einem Anwalt sind, rät er, mit dem Anwalt zu sprechen. „Das erste Kennenlernen kostet nichts“, beruhigt Schellenberg. Wichtig sei, dass die Chemie stimmt.
Denn der Unternehmer muss dem Anwalt vertrauen, und er muss das Gefühl haben, dass dieser seine Sprache spricht. Bedenkenträger, wie es sie in Juristenkreisen häufig gibt, sind fehl am Platze, stattdessen werden Problemlöser gesucht. „Wir sagen unseren Mandanten nicht, was alles nicht geht“, schildert Schellenberg seine Unternehmensphilosophie. „Wir sagen den Unternehmern vielmehr, wie das, was sie sich vorstellen, geht.“
Heike Jahberg
Aus der Ausgabe 2 / 2009

