Maiglöckchenduft für Portugal
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Birgit Adam wurde 1969 in Berlin geboren. Sie studierte BWL. Seit 2004 ist sie die alleinige Geschäftsführerin der Union Chemie. Adam ist verheiratet und hat zwei Kinder. Foto: Thilo Rückeis |
Birgit Adam ist gern die Erste. Sie ist die Erste, die Eisblumen in die Türkei bringt, sie ließ als Erste Schnee schwarz werden oder machte welke Palmenblätter für immer grün. Adam ist geschäftsführende Gesellschafterin der Union Chemie. In Reinickendorf stellt das Unternehmen Aerosolsprays her, Farblacke für Blumen, Raumdüfte und Flammenschutzsprays. Zielgruppe sind Floristen, Bastler und Künstler. Mit ihren Spezialprodukten gehört Adam zu den deutschen Marktführern. Angst, dass die Krise ihr Geschäft kaputt macht, hat sie nicht.
In Reinickendorf ist das Weihnachtsgeschäft in vollem Gange. Apfelgrün und Eisgold, die Farbtöne sind in diesem Jahr der Renner bei den Floristen. Über mangelnde Aufträge kann sich Adam nicht beklagen. Obwohl es Anfang des Jahres bei den Vorbestellungen noch schlecht aussah. „Die Krise lässt unsere Kunden nicht kalt“, sagt Adam, „die Unternehmen fragen jetzt kurzfristiger nach.“ Die 40-Jährige hat bereits vorgesorgt, ihr Lager ist voll.
Schon als Kind hat Adam zwischen Fässern, Paletten und Spraydosen gespielt. „Am liebsten auf dem Hubwagen“, sagt sie, lacht und schüttelt ihre kurzen Locken. Zuerst wollte sie aber gar nicht ins Familienunternehmen einsteigen. „Ich wollte zwar immer selbstständig arbeiten, sagt sie, „doch es sollte mein eigenes Ding sein.“ Also studiert sie BWL, macht Marketing und PR. Als der Onkel aus der Firma aussteigt, fragt der Vater seine Tochter, ob sie sich vorstellen kann, Geschäftsführerin zu werden. „Er hat mich ins Unternehmen hineinwachsen lassen“, sagt Adam.
Sie kennt jeden Produktionsschritt. Jeden Morgen gegen 6.30 Uhr bespricht sie mit den Chemiearbeitern die Aufträge für den Tag. Das hat sie von ihrem Vater gelernt. Und der hatte es von seinem Vater. Adams Großvater gründete 1948 die Seifenfabrik Marcellia, ihr Vater sattelte später um auf Aerosolsprays.
Adam will wieder neue Wege gehen. Sie fördert Mitarbeiter, probiert neue Produkte aus. Brötchenduft für Bäckereien in Tankstellen oder Farbsprays für Trockenblumen auf türkischen Gräbern. Aus dem Ausland nehmen die Anfragen seit Jahren zu. Maiglöckchendüfte für Portugal oder knallgelbes Pflanzenspray für Frankreich: Der Spaß am Ausprobieren trägt sie durch die Krise, davon ist Adam überzeugt.
Kind oder Karriere: Für Adam war klar, dass sie beides will. Hochschwanger hat sie noch Kundengespräche geführt. Als ihr Sohn zur Welt kam, nahm ihr Mann Erziehungsurlaub. In den ersten drei Monaten nahm sie das Baby mit in die Firma. Beruf und Familie zu vereinbaren, ist für Adam eine Frage der Organisation und des Vertrauens in ihre Mitarbeiter. „Es muss auch laufen, wenn ich nicht da bin“, sagt sie. Joggen, Lesen, durch Galerien schlendern, dafür bleibt wenig Zeit. „Dass mein Mann und ich zusammen im Theater waren, ist schon eine Weile her“, sagt Adam.
Sie denkt heute längst an morgen. In die Türkei will sie fahren, Farben und Sprays an Künstler verkaufen. Auch über die Unternehmensnachfolge hat sie sich schon Gedanken gemacht. Ob die Tochter in ihre Fußstapfen tritt? In den Ferien hilft die 10-Jährige im Büro „Sie will aber lieber Schauspielerin werden“, sagt Adam. Doch man weiß ja nie.
Tanja Tricarico
Aus der Ausgabe 9 / 2009
