Der Hüter des Geldes

Claus Tigges ist der neue Präsident der Hauptverwaltung der Bundesbank in Berlin. Er überwacht die regionalen Banken, hält Kontakt zur Politik und tauscht D-Mark-Münzen um
Claus Tigges ist 1968 in Bonn geboren. Der studierte Volkswirt war 13 Jahre Redakteur bei der FAZ, zuletzt als Korrespondent in Washington. Tigges ist verheiratet und hat zwei Kinder. Foto: Mike Wolff

Wenn Claus Tigges morgens ins Büro kommt, muss er erstmal durch eine enge Schleuse. Hier drin hat nur eine einzelne Person Platz und das auch nur mit angelegten Armen. Die Glastüren schließen sich von beiden Seiten, bevor sie jemanden in das Innere des Gebäudes lassen.

Claus Tigges ist seit Januar Präsident der Hauptverwaltung der Bundesbank in Berlin. Sie vertritt die Zentralbank in der Hauptstadt und beaufsichtigt die Banken in der Region. Angeschlossen ist auch eine Filiale. Ihre Mitarbeiter versorgen die Banken und das Gewerbe in der Region mit Bargeld. Jeden Abend nehmen sie Münzen und Scheine entgegen und überprüfen, ob sie echt sind oder beschädigt. Bürger können in der Filiale auch immer noch alte D-Mark-Scheine und Münzen in Euro umtauschen. Darum ist das  Gebäude so gut gesichert.

Bis vor kurzem sah das Leben von Claus Tigges noch ganz anders aus. Bevor er sein Amt antrat, war er der USA-Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). „Da konnte man zu Hause in Shorts am Schreibtisch sitzen, und es hat keinen gekümmert“, sagt Tigges. Das geht jetzt nicht mehr. Als Leiter der Hauptverwaltung trägt er jeden Tag Krawatte und Anzug. „Ich will die Bundesbank in der Hauptstadt präsenter machen“, sagt Tigges.

Die Notenbanker in Frankfurt spielen noch immer eine wichtige Rolle in der Bundesrepublik. Ihr Chef Axel Weber sitzt im Präsidium der Europäischen Zentralbank und entscheidet dort mit über die Geldpolitik in der Euro-Zone. In Deutschland teilt sich die Bundesbank mit der Bundesanstalt für Finanzmarktaufsicht die Überwachung der Banken und ist zuständig für die Stabilität des Finanzsystems. Tigges Aufgabe ist es, den Kontakt zu Politikern und Fachleuten in der Hauptstadt  zu suchen und ihnen die Strategie der Bundesbank zu erklären. Auf der anderen Seite hört er zu, wenn die Banker aus der Region von ihrer Lage berichten.

Als Sohn eines Hauptstadtjournalisten wuchs Tigges nahe Bonn auf. Damals tagte dort noch Deutschlands Parlament. Nach dem Abitur studierte er Volkswirtschaft, aus „Vernunftgründen“, wie er sagt. Doch dann packte ihn die Leidenschaft.

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Nach dem Abschluss ging er als Redakteur zur FAZ, als Experte für Währungspolitik. Es war die Zeit, in der die Bundesbank die D-Mark in den Euro überführte. Auch in den USA blieb Tigges seinem Thema treu, er berichtete über den Internationalen Währungsfonds und die politischen Herausforderungen der internationalen Finanzmarktkrise.   

Bei der Veranstaltung, bei der Tigges begrüßt wurde, hat Bundesbankchef Axel Weber gesagt: „Claus Tigges ist kein Gewächs der Bundesbank, aber er passt in die Familie.“ Tigges sieht das genauso, obwohl er zugibt, dass er noch ein paar Anpassungsschwierigkeiten hat. Die Bundesbank ist eine Behörde, hier sind eine Menge Regeln zu befolgen, zum Beispiel die, dass man erst Getränke bekommt, wenn eine Konferenz länger als zwei Stunden dauert und sich mehr als fünf Leute treffen. Für den eigenen Bedarf muss man Sprudelwasser mitbringen.

Gewöhnungsbedürftig findet Tigges auch, dass er nicht mehr frei heraus seine Meinung sagen darf. So hat er vor einem Jahr in seinen Kommentaren noch gefordert, dass die Notenbanken schleunigst damit aufhören müssten, billiges Geld in den Markt zu pumpen. In seiner heutigen Funktion würde er das nicht mehr so sagen. Auf der anderen Seite kann er sein Fachwissen jetzt dort einbringen, wo tatsächlich etwas passiert. Die Bundesbank bestimmt maßgeblich mit darüber, welche Weichen gestellt werden, um das Bankensystem krisenfest zu machen.

In Berlin fühlt Tigges sich wohl. Er hat ein Haus im grünen Südwesten mit seiner Frau, die noch immer als Journalistin arbeitet, und den beiden Kindern. Kürzlich hat ihn seine Frau gefragt, ob er es bedauert, dass er nicht mehr schreibt. „Nein“, hat er gesagt.

Miriam Schröder


Aus der Ausgabe 4 / 2010

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