Saucen für die Ewigkeit

Hendrik Otto ist neuer Küchenchef im Gourmetrestaurant „Lorenz“ im Adlon. Der Sternekoch will seine Gäste mit kulinarischen Kreationen der europäischen Küche verwöhnen
Hendrik Otto stammt aus Löberitz (Sachsen-Anhalt). Ursprünglich wollte er als Kochlehrling auf einem Handelschiff anheuern. Als die Mauer fiel, legte er den Plan ad acta und machte seine Ausbildung an Land. Foto: Mike Wolff

So ein Angebot kommt nicht alle Tage. Als das Adlon im Herbst vergangenen Jahres bei Hendrik Otto anklingelte, saß der Meisterkoch quasi schon auf gepackten Koffern. Nach Sylt sollte die Reise gehen: Auf der Nordseeinsel wollte Otto im Grand Spa Resort Arosa als Chefkoch am Herd stehen. Doch dann schnappte das Feinschmeckerrestaurant Lorenz im Hotel Adlon den Syltern ihren Auserwählten in letzter Sekunde vor der Nase weg.

Künftig in dem traditionsreichen und renommierten Haus Unter den Linden arbeiten zu dürfen, ist für Otto ein wahrer Glücksfall. „Im Adlon zu kochen, ist etwas Besonderes, eine ganz große Ehre“, sagt der 35-Jährige. „Für mich ist das die Chance, richtig Gas zu geben und mich zu verewigen.“ Dass Otto in seiner Eigenschaft als Küchenchef des Hauses künftig auch prominente Politiker, Wirtschaftsgrößen und Künstler aus aller Welt bekochen wird, schreckt den jungen Sternekoch nicht: „Ich sehe mich als einfachen kleinen Typen vom Lande“, gibt sich Otto bescheiden. „Am Ende sind das doch auch nur Menschen wie du und ich“, sagt er.

Der gebürtige Löberitzer will seine Gäste künftig mit Kreationen aus der europäischen Küche verwöhnen. Wochenlang tüftelte Otto dafür mit seinen sieben Köchen für die neue Speisekarte am Herd, probierte Vorspeisen, arbeitete an der perfekten Zusammenstellung von Hauptgängen und dem Arrangements von Desserts. Besonders viel Zeit und Leidenschaft investiert Otto in seine Saucen. Sie zuzubereiten, ist laut Otto eine Kunst für sich. „In diesem Bereich kann viel danebengehen“, weiß der Chefkoch. „Aber die Sauce macht ein Gericht erst richtig stimmig.“

In der Gourmetszene ist Otto kein Unbekannter: Vor seiner Anstellung im Adlon kochte er schon im Restaurant Haerlin im Hotel Vier Jahreszeiten in Hamburg und im Brenner‘s Park Hotel & Spa in Baden-Baden. Den Ritterschlag der Köche, die Auszeichnung mit einem Stern im Guide Michelin, erhielt Otto während seiner Zeit als Koch im Restaurant La Vision in Köln. Danach machte sich Otto auch in Berlin einen Namen – als Chefkoch des Vitrum im Ritz Carlton am Potsdamer Platz.

Firmeninfo
| Lorenz Adlon |
Restaurantleiter: Boris Häbel
Adresse: Unter den Linden 77,
10117 Berlin
Umsatz: k. A.
Mitarbeiter: 7
Telefon: 030 / 22 61 10 16
Web: www.hotel-adlon.de

Ottos Credo: Haute Cuisine muss nicht unbedingt kompliziert und sündhaft teuer sein. „Auch ein simples Gericht kann perfekt schmecken“, sagt der Sternekoch und nennt das Gulasch seiner Schwiegermutter mit Sauerkraut oder eine knusprige Scheibe Brot mit Butter und Kräutern als Beispiele. Hauptsache, die Grundprodukte sind frisch und stammen aus der Region. „Ich setze auf klassische Küche und kombiniere sie mit neuen Elementen“, sagt Otto. Auf der Speisekarte des Lorenz liest sich das dann so: Rücken, Filet und Rippchen vom Müritz-Lamm serviert der Sternekoch an einer  Salbei-Limonensauce, die Dorade roh mariniert mit Passionsfrucht und Sardine. Und beim Dessert können sich die Gäste künftig auf ein Rhabarbersüppchen mit Topfensorbet, Rhabarbertarte oder einen Stick von Ziegenpannacotta und ro–hem Rhabarber freuen.

Zwischen zwölf und 14 Stunden täglich verbringt Otto an seinem Arbeitsplatz Unter den Linden; bei seinen Kollegen gilt der 35-Jährige als Perfektionist. Wenn dann mal was schief läuft in der Küche, die Teller nicht akkurat angerichtet und wohl temperiert am Platz landen, kann der sonst so zurückhaltende Otto richtig sauer werden. „Wenn aber alles glatt geht, bin ich einer der glücklichsten Menschen der Welt“, sagt Otto.

Sarah Kramer


Aus der Ausgabe 5 / 2010

Zurück