Glänzender Auftritt

Das Brillenmodell „Franz“ des Berliner Unternehmens Mykita ziert im neuen „Sex and the City“-Film Hauptdarstellerin Sarah Jessica Parker. Das Unternehmen beliefert Kunden weltweit
General Manager Moritz Krueger Foto: Mike Wolff

Vor einigen Monaten klingelte bei Mykita das Telefon. Patricia Fields, die Stilistin der „Sex and the City“-Serie und -Filme war dran. Sie bestellte für den jüngsten Streifen einige Brillen der Berliner Firma. Das Ergebnis kann man jetzt auf dem offiziellen Filmplakat von Sex and the City sehen. Schauspielerin Sarah Jessica Parker alias Kolumnistin Carrie Bradshaw trägt das goldene Modell „Franz“ in Gold auf der Nase – und die Verkaufszahlen des Berliner Brillen-Labels sind ordentlich nach oben geklettert.

Das ist die jüngste Erfolgsmeldung von Mykita. Insgesamt scheint sich so ziemlich alles, was die vier Gründer der Berliner Brillenfirma anfassen, in Gold zu verwandeln. Moritz Krüger ist einer von ihnen und im Unternehmen für das Kaufmännische zuständig. In seinem Büro sieht man vor allem – Brillen. Abbildungen der aktuellen Kollektion hängen an der Wand, Brillen liegen in einer Kiste mit Farbmustern für Kunststoffbrillen.

„Wir sind vier Jungs aus Oldenburg“, erzählt er. „Wenn man aus Oldenburg kommt, geht man entweder nach Hamburg oder nach Berlin.“ Moritz Krüger, Harald Gottschling und die Brüder Daniel und Philipp Haffmans entschieden sich für Berlin.

Nach zwei Jahren bei der Berliner Brillenfirma IC Berlin entschieden die Oldenburger Jungs, ihr Glück in die eigenen Hände zu nehmen, und zogen in die Räume einer ehemaligen Kindertagesstätte. Der Ort bestimmte den Firmennamen, mit dem die vier 2004 zu ihrer ersten internationalen Optikermesse in Paris fuhren. „Wir haben 5500 Brillen verkauft“, erzählt Krüger. „Mit so einem Erfolg hatten wir nicht gerechnet.“ Alle Freunde wurden eingespannt, um die handgefertigten Brillen termingerecht zu liefern.

Firmeninfo
| Mykita Holding GmbH |

Der Betrieb sucht einen Mitarbeiter für den Umformbereich

Geschäftsführer: Daniel Haffmans,
Moritz Krüger
Adresse: Brunnenstraße 153,
10115 Berlin
Umsatz: rund 9 Millionen Euro
Mitarbeiter: circa 150
Telefon: 030 / 20 45 66 45
Web: www.mykita.com

Die Firma lief gut, die Kita wurde zu klein. Heute sitzen die Brillenmacher in einem Backsteinhaus, dass sie über vier Etagen füllen. Sie nennen es das Mykita-Haus, zwei Mal in der Woche kommt ein Koch und macht für die Belegschaft Essen. Im Hof verdrücken einige Mitarbeiter eine Stulle in der Mittagssonne. Die Stimmung ist geschäftig-fröhlich. Wer hier arbeitet, hängt im Polaroidformat im Eingangsflur. Man blickt in viele junge, sympathische Gesichter aus verschiedenen Ländern. Rund 100 Menschen arbeiten im Hinterhofhaus an der Brunnenstraße, weltweit sind es etwa 150. „Unsere Mitarbeiter sind sicher das Wertvollste, was wir haben“, sagt Moritz Krüger. Mit kurz rasiertem Bart und Schiebermütze verkörpert er das Bild des Kreativen aus Mitte. Die Fassade ist lässig, aber dahinter steht ein selbstbewusstes Vermarktungskonzept, das offenbar aufgeht. In weniger als sieben Jahren haben sich die Berliner Brillenmacher ein Netz aus 1800 Kunden weltweit aufgebaut, 100 Brillenmodelle zählt die aktuelle Kollektion, in jeder Saison kommen 30 neue Gestelle auf den Markt. 120 000 Brillen verkaufen die Berliner jährlich, praktisch alle Produktionsschritte werden im Mykita-Haus vollzogen. Die Modelle kosten zwischen 280 und 500 Euro.

Der Berliner, ja selbst der deutsche Markt war den Machern der Brillen von Anfang an zu klein. „Wir wollten von vornherein unsere Produkte dahinzubringen, wo Käufer sind“, sagt Krüger. Das Geheimnis für den Erfolg? „Wir wollen unsere Authentizität beibehalten, und wir versuchen, die benutzte Technik so schön wie möglich zu gestalten“, sagt er. Mit ihrer Qualität und technischer Finesse – Mykita hat vier Patente für Scharniere angemeldet – wollen die Berliner im Hochpreissegment Marktführer werden.

Gerade kommen die Chefs von einer Amerika-Reise zurück, die sie auch in die Studios von Warner Brothers nach Los Angeles geführt hat, jene Studios, die den „Sex and the City“-Film produziert haben, der „Franz“ in Gold so berühmt gemacht hat. „Es ist wohl nicht das letzte Mal, dass Mykita in einem Film aufgetaucht ist“, sagt Moritz Krüger. Und man kann nicht anders, als sich darüber zu freuen.

Constance Frey


Aus der Ausgabe 6 / 2010

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