Die Förderer von Spree-Athen

Wo Wissen Arbeit schafft (5): Martin Mahn macht aus cleveren Ideen, guten Kontakten und Gründerdarlehen junge Unternehmerkarrieren für Studierende in Berlin
Foto: Thilo Rückeis

Es ist eine dieser Berliner Adressen, wo man erst mal denkt: Mein Gott, wo biste denn hier gelandet? Und beim zweiten Blick fragen möchte: Haben Sie nicht bitte noch ein Zimmer frei? Die Anschrift „Ziegelstraße 13c“ verspricht zentrale Lage. Sie bietet tatsächlich DDR-Platte im Hinterhof. Immerhin, der Fahrstuhl funktioniert und die Farbe blättert hier nicht anders von den Fenstern als im Rathaus Reinickendorf, wo man sein Geld auch lieber in Wesentliches steckt.

Hier residiert „Humboldt-Innovation GmbH“, der Innovations- und Ausgründungsförderer der Humboldt-Universität. Dessen Mitarbeiter laufen sich beim Einwerben von Drittmitteln warm für das, was sie am liebsten tun: Schauen, wo es neue naturwissenschaftliche Erkenntnisse gibt, die in wirtschaftlich interessante Produkte umgewandelt werden und zur Ausgründung junger Unternehmen führen können. Es ist, obwohl erst 2005 gegründet, „eine ganz privatwirtschaftliche GmbH mit Gewinnstreben“, wie Geschäftsführer Martin Mahn mit breitem Grinsen verkündet.

Sein Büro strahlt betriebsame Chaosatmosphäre aus – hier wird gearbeitet und nicht aufgeräumt. Seine Gründungsberater Volker Hofmann und Fabian Russmeyer residieren zwei Etagen höher in Neun- Quadratmeter-Zimmerchen, wie sie entstehen, wenn man zwei Plattenbauten im 120-Grad-Winkel aneinanderfügt. Aber der Ausblick! Fenster links der Fernsehturm, Fenster Mitte das Bode-Museum, Fenster rechts der wuchtige Bau des früheren DDR-Wachregimentes Felix Dscherschinski, alles unterlegt mit Fluss. Man versteht, woher der Begriff vom Spree-Athen gekommen ist.

Der 42-jährige Martin Mahn hat Biologie studiert, war dann Umweltberater. Er sattelte ein Studium der Umweltökonomie drauf, gründete ein entsprechendes Institut, trieb Innovationen bei Siemens voran und übernahm dann die Geschäftsführung der Humboldt-Initiative.

Firmeninfo
| Humboldt Innovation GmbH |
Geschäftsführer: Martin Mahn
Adresse: Ziegelstraße 13 c,
10117 Berlin
Umsatz: k. A.
Mitarbeiter: 15
Telefon: 030 / 20 93 14 50
Web: www.spinoffzone.de,
www.humboldt-innovation.com

Die Idee zur Gründung hatte der Vizepräsident für Forschung, Michael Linscheid. Wissens- und Technologietransfer ist sein Steckenpferd. Er hatte gemerkt, dass Bürokratie unternehmerisches Denken ausbremst. Linscheid wollte flexible Strukturen, ein gut geöltes Projektmanagement und transparente Kosten-Nutzen-Analysen.
 
Das hat die HU mit ihrer Tochtergesellschaft bekommen. Die „Humboldt-Innovation“ ist eine Berliner Spezialität, sagt Mahn. Ähnliches gibt es in München und Dresden, aber der Spiritus Rector sei in Oxford und Cambridge zu finden. Als es darum ging, Professoren als Ansprechpartner und Gründungsbotschafter zu finden, habe man die Zielgruppe an die englischen Vorbilduniversitäten eingeladen – mit vollem Erfolg.

Drei Geschäftsfelder bedient die HU-Initiative: Sie betreibt Auftragsforschung, stabilisiert mit eingeworbenen Drittmitteln Finanzen und Struktur der Institute und hält Kontakt zur Praxis. Der wird wichtig, wenn aus einer Entwicklung eine Ausgründung entsteht. In diesem zweiten Tätigkeitsfeld arbeiten die Gründungsberater Hofmann und Russmeyer. Sie sind Mahns „Spin-off-Team“, gesellschaftsrechtlich zwischen HU und Humboldt-Initiative angesiedelt. Die finanziellen Mittel dafür stellen Programme von Bund und EU. Hofmann und Russmeyer begleiten die Ausgründung und ebnen den Weg zur Investitionsbank Berlin, die nochmals die gleiche Startsumme zur Verfügung stellt, die auf dem Venture-Capital-Markt eingeworben wurde. Phase drei ist die Vermarktung. Zu den großen Erfolgen zählen StudiVZ, my parfum und sofatutor, eine Webplattform für Bildungsvideos.

Die Initiative steht allen Studierenden von Berliner Universitäten offen.
Für B-max-Leser hat Mahn auch ein Angebot: Haben Sie ein  Problem, bei dem Wissenschaftler helfen könnten, schreiben Sie an Martin.mahn@humboldt-innovation.de

Gerd Appenzeller


Aus der Ausgabe 7 / 2010

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