Menschen, die die Stadt bewegen
Innovative Erfinder
Anja Götz und Christoph Fleckenstein sind Inhaber von Iondesign. Nachdem sich die Wall AG an dem Designbüro beteiligt hat, soll es weiter wachsen.
|
Produktdesigner: Anja Götz und Christoph Fleckenstein Foto: promo |
Vor 15 Jahren kamen die beiden aus Baden-Württemberg nach Berlin, um hier ein gemeinsames Büro zu gründen und um das große städtische Wohnzimmer so lebenswert und schön wie möglich zu gestalten. Jetzt hat sich die Berliner Wall AG mit 30 Prozent an Iondesign beteiligt. Mit dem Unternehmen, das sich weltweit um Außenwerbung und Stadtmöblierung kümmert, arbeiten die Designer schon seit zehn Jahren zusammen. Wall erhofft sich von der Geschäftsbeteiligung mehr Erfolg mit neuen Produkten, die Designer wünschen sich, ihr Büro mit bislang sechs Mitarbeitern bald vergrößern zu können.
Im Stadtbild zeigt sich die Kooperation in Form von neuen Toilettenhäuschen am Breitscheid- und Alexanderplatz. Beide wurden von Anja Götz und Christoph Fleckenstein für Wall gestaltet, für das Klo am Alexanderplatz gewannen sie den IF Communication Award 2008 in der Kategorie „Corporate Architecture“, wenngleich das nur eine von vielen Auszeichnungen für das Duo ist. Auch die grauen, multimedialen Bluespot Terminals, an denen Passanten Informationen über die Stadt abrufen und im Internet surfen können, wurden von Iondesign entworfen, genau wie die Niederlassung der Firma Wall in Freiburg.
Allerdings kümmern sich die beiden Designer nicht nur um die urbane Umgestaltung, sie erfinden auch allerlei nützliche Dinge für den Alltagsgebrauch, was ihnen leicht von der Hand geht, weil sie an der Stuttgarter Kunstakademie Industriedesign beim renommierten Produktdesigner Richard Sapper studiert haben. Aus ihrem Büro, in dem, wie Götz sagt, „totales, kreatives Chaos“ herrscht, kommt zum Beispiel die raketenförmige Kunststoff-Flasche von Kraft Ketchup. Das ausgeklügelte Schüttsystem der Raketenflasche soll verhindern, dass der Ketchup im unteren Teil der Flasche stecken bleibt oder am Flaschenhals verkrustet.
„Wir machen einen richtigen Daniel Düsentrieb-Job“, sagt die 41-jährige Erfinderin Götz. Innovativ und kreativ sollen ihre Produkte sein. Und vor allem auch praktisch. Denn immer orientieren sie sich am Benutzer und seinen Bedürfnissen. So haben sie es auch beim Gehörschutzbügel für Arbeiter gemacht, der selbst mit den dicksten Handschuhen schnell auf- und abgesetzt werden kann. Oder der lange, weiße Kunststoffgriff für medizinische Nadeln, durch die bei Operationen spezieller Zement in geschädigte Knochen gespritzt werden kann. Für die patentierte „Monoverpackung“, ein biegsames buntes Plastikfläschen, das sich schließt, indem man den Flaschenhals umknickt, sind die Unternehmer noch auf der Suche nach einem Abnehmer. Zwischenzeitlich entwickeln sie schon wieder frische Ideen. Daran mangelt es den Designern nie, an scherzhaft-futuristischen schon gar nicht. So wie der Mülleimer für Parks, der wächst, je mehr man in ihn hineinstopft. tja
Aus der Ausgabe 6 / 2008
