Gabi Grützner: Sprachrohr des Mittelstands

Gabi Grützner ist Vorsitzende des Mittelstandsbeirats des Wirtschaftssenators. Sie tritt Harald Wolf auf die Füße, wenn er die Belange der Unternehmer vernachlässigt
Gabi Grützner, Chefin der Firma Micro Resist Technology, Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Auch das noch, sagten die engsten Mitarbeiter. Das auch noch, hieß es in der Familie. Aber natürlich wussten alle: Wenn sich Gabi Grützner das in den Kopf gesetzt hat, wird man sie nicht abhalten können. Was sie sich in den Kopf gesetzt hatte: 2005 suchte Berlins Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) Unternehmerinnen und Unternehmer für den sogenannten Mittelstandsbeirat. Und Gabi Grützner erklärte sich bereit, den Vorsitz zu übernehmen. Dabei hat sie in ihrem Technologieunternehmen Micro Resist, das mittlerweile 42 Mitarbeiter hat, nun wirklich genug zu tun. Dennoch hat Gabi Grützner die zusätzliche Aufgabe gerne übernommen: „Es ist eine Ehre für mich, den Senator zu beraten. Vor allem können wir im Beirat wirklich etwas für den Mittelstand bewirken“, sagt die 49-Jährige.

Das mit 14 Mittelständlern besetzte Gremium, das jetzt nach drei Jahren erstmals eine Zwischenbilanz seiner Arbeit gezogen hat, soll dem Senator „mittelstandspolitischen Handlungsbedarf aufzeigen“. Der Handlungsbedarf liegt bei Gabi Grützner gleich vor der Bürotür: Drei Flachbauten aus DDR-Zeiten, in die Grützner mit ihrer Firma ziehen will. Sie liegen gleich nebenan im Innovationspark Wuhlheide. Die langwierigen Verhandlungen um Genehmigungen mit verschiedenen Ämtern des Bezirks Marzahn-Hellersdorf empfindet sie als typisch für die Bürokratie, die Unternehmern in Berlin immer noch das Leben schwer macht. „Wir wollen 2,8 Millionen Euro in den Umbau investieren, aber wir mussten allein ein Jahr darauf warten, dass der Erbpachtvertrag unterschrieben werden konnte.“

Eine der Forderungen des Mittelstandsbeirats an den Senator ist es, den Bezirken die Verantwortung für Genehmigungsfragen, die die Wirtschaft betreffen, zu entziehen. „Wir brauchen eine effiziente einstufige Verwaltung, die in Spandau genauso entscheidet wie in Marzahn“, fordert Gabi Grützner. Der Mittelstandsbeirat habe schon erste Anstöße geben können beim Kampf gegen verkrustete Bürokratie, zum Beispiel über die ZAK, die Zentrale Anlauf- und Koordinierungsstelle des Berliner Senats. „Mitarbeiter der ZAK werden künftig auch in den Bezirken vertreten sein“, sagt Grützner. „Sie sind Ansprechpartner für Unternehmen und können Behördenvorgänge beschleunigen.“

Mit Senator Wolf, mit dem der Beirat alle zwei Monate zusammensitzt, kommt sie gut aus, er sei ein guter Zuhörer. „Streiten kann man mit dem ja nicht“, sagt sie in Anspielung auf die ruhige Art des Senators. Aber Wolf könne auch anders: „Ich habe ihn im Streit mit Oppositionspolitikern erlebt, da kann er einen ganz schön schneidenden Ton haben.“

In ihrer Firma ist der Umgangston dagegen familiär. „Fahre in Urlaub“ hat ein Mitarbeiter auf einen Zettel geschrieben, der neben einer großen Schale mit Fruchtgummis liegt. Die Ausstattung des Besprechungs- und Pausenraums ist schlicht, Gabi Grützner steckt Geld lieber in neue Analysegeräte. Dass die Diplom-Chemikerin überhaupt zur Unternehmerin wurde, erklärt sich nur durch den Zusammenbruch der DDR. „Eigentlich hatte ich meinen Traumberuf gefunden“, sagt Grützner über ihre damalige Stelle als Forscherin im Werk für Fernsehelektronik in Oberschöneweide. Doch die Fabrik wurde nach der Wiedervereinigung abgewickelt. „Wir können doch nicht alle unsere Ergebnisse einfach wegschmeißen“, dachte Grützner. Also gründete sie die Firma Micro Resist, die sogenannte Photoresiste herstellt. Das sind Flüssigkeiten, die benötigt werden, um Mikrochips herzustellen, die etwa in der Computer-, Mess- oder Medizintechnik gebraucht werden.

Firmeninfo
| Micro Resist |
Geschäftsführerin: Gabi Grützner
Adresse: Köpenicker Str. 325, Haus 211, 12555 Berlin
Umsatz: 4,1 Mio. Euro (2007)
Mitarbeiter: 42
Telefon: 030 / 65 76 21 92
Web: www.microresist.de

Als bisher wichtigsten Erfolg ihrer Arbeit im Mittelstandsbeirat empfindet Gabi Grützner den Mikrokredit, den die Investitionsbank Berlin (IBB) auch auf Anraten der Mittelstandsvertreter eingeführt habe. „87 Prozent der Unternehmen sind Kleinbetriebe mit weniger als zehn Mitarbeitern“, sagt Gabi Grützner. Gerade für die sei es schwer, Bankkredite zu bekommen. „Die neuen Mikrokredite bis 10 000 Euro, die ohne große Bürokratie ausgegeben werden, sind da eine große Hilfe. Zum Beispiel um vorübergehende Liquiditätsengpässe zu überbrücken.“ In der nächsten Arbeitsperiode will sich Gabi Grützner, Mutter von vier Kindern, vor allem für das Thema Ausbildung stark machen.

Alexander Visser

| Zur Person |
Gabi Grützner, geboren 1958, gründete Micro Resist 1993 und wurde 2006 mit dem „Großen Preis des Mittelstandes ausgezeichnet“. Sie ist verheiratet und hat vier Kinder.



Aus der Ausgabe 7 / 2008

Lesen Sie über Gabi Grützner auch: ,,Weniger Geld für gleiche Leistung" aus der Ausgabe 4 / 2008: berlin-maximal.de//magazin/unternehmerinnen/art103,362 
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